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Wissen Meditieren – was bringt das eigentlich?
Nachrichten Wissen Meditieren – was bringt das eigentlich?
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14:12 08.10.2018
Autor Helmut Nowak arbeitet als Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung.
Hannover

Die Zahl der seriösen Studien über die positiven Auswirkungen von Meditation auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit sind in der letzten Zeit sprunghaft angestiegen. Hier einige Ergebnisse dieser Studien:

Auf der körperlichen Ebene wird Meditation bei der Behandlung und Reduzierung von Stress und seinen gesundheitlichen Folgen eingesetzt. Oft auch in Verbindung mit konventionellen Behandlungsmethoden bei einer Vielzahl von Krankheiten wie Psoriasis, Schuppenflechte, Schlaflosigkeit, bestimmten Krebsformen, Tinnitus, Fibromyalgie und erhöhtem Blutdruck. Eine an der medizinischen Hochschule in Wisconsin durchgeführte Studie hat ergeben, dass eine Gruppe von Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen, die täglich zwanzig Minuten meditierte, im Vergleich zur nicht meditierenden Kontrollgruppe um nahezu 50 Prozent weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle verzeichnete. Und in der modernen Schmerztherapie hat Meditation längst Einzug gefunden.

Im Bereich psychischer Erkrankungen findet Meditation erfolgreich Anwendung zum Beispiel bei Panikattacken, Zwangsneurosen, Angststörungen, Depression und posttraumatischen Belastungsstörungen.

Meditation verändert das Gehirn

Auf der emotionalen Ebene führt Meditation zu mehr Konzentration, Gelassenheit und Akzeptanz. Sorgt für mehr Ruhe im Kopf. Dies ist nicht zu verwechseln mit Resignation. Es geht um das Annehmen, was gerade Realität ist. Denn was für ein Irrsinn ist es doch, sich über etwas zu ärgern, was schon ist. Warum? Weil es schon so ist. Um sich dann mit seinem ganzen Potenzial, seiner ganzen Kreativität und Kraft darauf zu konzentrieren, wie und ob etwas zu Besserem verändert werden kann.

Meditation übt eine beruhigende Wirkung auf die Amygdala aus, den Teil des Gehirns, der als Auslöser für Wut und Angst gilt. Das Gehirn ist nicht fest verdrahtet, es hat die Fähigkeit, seine Struktur und Funktion zu verändern. So können neuronale Verbindungen infolge häufiger Benutzung gestärkt und solche, die wenig zum Einsatz kommen, geschwächt werden. Diese Fähigkeit der Veränderung wird ‚Neuroplastizität des Gehirns’ genannt. Damit ist erklärbar, warum Meditation eine dauerhafte Auswirkung auf unsere Art und Weise hat, wie wir mit unseren Gedanken und Emotionen umgehen.

Innere Bewusstheit entwickeln

Auf der spirituellen und geistigen Ebene führt Meditation zu höherer Selbsterkenntnis, innerem Frieden und Bewusstheit. „Erkenne dich selbst“ hatte einst über dem Orakel zu Delphi gestanden. Eine Mahnung an den Menschen, nicht in Selbstüberhebung zu verfallen. „Erkenne dich selbst“ war das Fundament der antiken Philosophie. So war auch Sokrates überzeugt: „Selbsterkenntnis gibt dem Menschen das meiste Gute, Selbsttäuschung aber das meiste Übel.“ Die Probleme der Welt, wie religiöser Fanatismus, digitale Manipulation, ökonomische Kernschmelze, können und werden kaum vom Menschen gelöst werden, solange er sich nicht aufmacht, sich selbst zu erkennen und auf die Schliche zu kommen. Wir müssen uns der prägenden Konditionierungen durch Sozialisierung, Kultur, Gesellschaft, Religion und Medien bewusst werden und davon befreien. Wir müssen alles tun, um zur Quelle unserer inneren Weisheit zu gelangen. Bewusstheit entwickeln, um nicht Sklave unserer automatisierten Reaktionsmuster und Spielball unserer Voreingenommenheit zu sein.

Kürzlich fragte „Die Zeit“ den israelischen Professor für Geschichte, Yuval Noah Harari, im Interview, welches für ihn der beste Weg sei, sich selbst zu erkennen. Harari, der mit seinen Büchern „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ und „Homo Deus“ Furore gemacht und jüngst sein drittes Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ vorgelegt hat, antwortete sinngemäß: „Ich meditiere täglich zwei Stunden. Das ist kein spiritueller Luxus mehr, sondern eine politische und ökonomische Notwendigkeit. (…) Meditation befreit mich von einer schweren Last: dass man nämlich ständig über alles urteilt, über sich selbst, über die Welt, über die anderen Menschen – dies ist gut, und das ist schlecht. Urteilsfreiheit führt zu einem Frieden des Geistes, an den für mich keine andere Form des Glücks heranreicht.“

Der Autor ist zu erreichen unter: www.achtsamkeit-und-co.de

Von Helmut Nowak

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