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Wissen „Absolut verdient“: Krebsforscher erhalten Medizin-Nobelpreis für Immuntherapie
Nachrichten Wissen „Absolut verdient“: Krebsforscher erhalten Medizin-Nobelpreis für Immuntherapie
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16:51 01.10.2018
Die Preisträger für den Nobelpreis Medizin 2018, Tasuku Honjo und James Allison. Quelle: Karolinska-Institut
Stockholm

Ihre Erkenntnisse haben schon unzähligen Krebspatienten zu einem längeren Leben verholfen: Der US-Amerikaner James Allison und der Japaner Tasuku Honjo erhalten in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Mit ihren Beiträgen zur Krebsbehandlung durch Immuntherapie hätten die beiden Forscher den Kampf gegen Krebs entscheidend vorangebracht, hieß es von der Nobeljury.

„Wir haben jetzt ein neues Tool für die Krebstherapie, das anregend für das ganze Feld wirkt“, begründete Jurorin Anna Wodell bei der Bekanntgabe der Preisträger. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 870 000 Euro dotiert.

Methode hat Krebsbehandlungen revolutioniert

Die moderne Immuntherapie, die in den vergangenen Jahren die Behandlung einiger Krebserkrankungen – vor allem Schwarzen Hautkrebs, aber auch Tumorerkrankungen wie Lungenkrebs – revolutioniert hat, basiert auf der sogenannten Checkpoint-Blockade. Allison und Honjo hatten herausgefunden, dass bestimmte Proteine als eine Art Bremse auf das Immunsystem wirken und dieses von der Bekämpfung von Tumorzellen abhalten. Löst man die Bremse, attackieren die Immunzellen die Krebszellen.

Der 70-jährige Allison, der seit 2012 an der University of Texas arbeitet, hatte die Entfesselung des Immunsystems Mitte der Neunzigerjahre herausgefunden. Dabei befasste er sich vor allem mit dem Protein CTLA-4 und entwickelte das Konzept zu einem neuen Therapieansatz weiter, unter anderem bei Schwarzem Hautkrebs. Der Japaner Tasuku Honjo (76) von der Universität Kyoto untersuchte das Protein PD-1, das über einen anderen Wirkmechanismus das Immunsystem ausbremst. Therapien, die auf dieser Entdeckung beruhten, hätten sich als „bemerkenswert effektiv“ im Kampf gegen Krebs erwiesen, so die Nobeljury.

Viele Patienten vor frühzeitigem Tod bewahrt

Krebs töte jedes Jahr Millionen von Menschen (mehr als 200 000 in Deutschland) und stelle eine der größten medizinischen Herausforderungen für die Menschheit dar. Bis zu den Entdeckungen der beiden Mediziner sei der klinische Fortschritt bescheiden gewesen, so die Jury.

Jessica Hassel, Leiterin der Dermatoonkologischen Ambulanz am Universitätsklinikum Heidelberg, bestätigt das: „Die Preisvergabe ist absolut verdient.“ Sie selbst habe schon viele Patienten mit fortgeschrittenem Schwarzem Hautkrebs (maligne Melanom) mit der Methode behandelt. „Sie ist beeindruckend effektiv. Wir haben dadurch Patienten geholfen, die vor Jahren sicher dem Tode geweiht waren“, sagt sie. Weitere Studien müssten jetzt zeigen, ob die Immuntherapie auch zu einer dauerhaften Kontrolle der Krebsart führen könne.

Schon 214 Mediziner mit dem Nobelpreis ausgezeichnet

Im vergangenen Jahr hatten die drei US-Forscher Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young den Medizin-Nobelpreis erhalten. Sie hatten die Funktion und die Kontrolle der Inneren Uhr erforscht. Seit 1901 haben 214 Menschen den Medizinnobelpreis erhalten, darunter 12 Frauen. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie.

Der Medizin-Nobelpreis wird seit 1901 verliehen. Die erste Auszeichnung ging damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. Das sind die Preisträger der vergangenen zehn Jahre.

Literaturnobelpreis fällt nach Skandal aus

Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Preises benannt. Am Freitag folgt die Bekanntgabe des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers. Am darauffolgenden Montag wird bekannt gegeben, wer den von der schwedischen Reichsbank gestifteten sogenannten Wirtschaftsnobelpreis erhält. Der Literaturnobelpreis dagegen fällt in diesem Jahr nach einem Skandal im Jurygremium aus. Dafür soll er 2019 an zwei Autoren vergeben werden.

Die feierliche Preisverleihung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Von Sonja Fröhlich/RND/dpa

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