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Wissen Keine Angst vor dem Arbeitszeugnis!
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18:30 19.09.2018
Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor, sein aktuelles Buch: „Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch – Was Mitarbeiter in den Wahnsinn treibt“ (Mosaik, 2018). Quelle: gpt
Hamburg

Mit einem selbstgefälligen Grinsen fragte mich der Industriekaufmann in der Beratung: „Na, wie gefallen Ihnen diese Zeugnisse?“ Ich hatte das Gefühl, er wollte ein Kompliment hören. Die drei Zeugnisse aus verschiedenen Unternehmen lobten den Kaufmann über den grünen Klee, sagten ihm heldenhafte Arbeitstaten nach und vergossen dicke Tränen über sein Ausscheiden. Der Haken: Die drei Zeugnisse glichen sich wie Drillinge – markante Formulierungen wiederholten sich, das Lob fiel überall eine Nummer zu dick aus, und sogar die Endformulierungen waren identisch.

Völlig klar, wer der Autor dieser Zeugnisse war: der Gelobte selbst. Warum verfasste er seine eigenen Zeugnisse? Welche unansehnlichen Wahrheiten verbargen sich unter diesem grellen Lobanstrich? Der Kaufmann hatte sich einen Gefallen tun wollen, doch jeder geübte Leser erkannte das Eigentor. Im Zeugnis warf sein schlechtes Verhältnis zu den Chefs, das er mir später gestand, feine Schatten. Die „guten“ Zeugnisse waren wohl nur unterschrieben worden als Reisetickets, um ihn loszuwerden.

Augen auf bei der codierten Zeugnissprache

Jedes Zeugnis ist ein Spagat zwischen zwei gesetzlichen Anforderungen: dem Wohlwollen und der Wahrheit. Die codierte Zeugnissprache soll beides unter einen Hut bringen, ohne dass der Arbeitnehmer es bemerkt. Der Klassiker: Statt dem Mitarbeiter zu sagen, er sei Mittelmaß, wird ihm eine Leistung „zur vollen Zufriedenheit“ nachgesagt. Dabei müsste es in einem (sehr) guten Zeugnis „(stets) zur vollsten“ heißen.

Wer dafür gelobt wird, er habe ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten gepflegt, hatte offenbar mit seinen Chefs Probleme (sonst würden die Vorgesetzten an erster Stelle stehen). Wer gepriesen wird für seine „stetige Pünktlichkeit und Freundlichkeit“, hat außer Selbstverständlichkeiten nichts auf die Reihe bekommen. Wen die Firma aus einem Arbeitsverhältnis ohne gute Zukunftswünsche verabschiedet, den wünscht sie offenbar zur Hölle. Und wer sich angeblich „im Einvernehmen“ von seiner Firma getrennt hat, löst beim geübten Empfänger Alarm aus – denn eine halbwegs harmonische Trennung wird durch die Formulierung „im besten Einvernehmen“ signalisiert.

So kommt man zu einem guten Zeugnis

Genauso wichtig wie das, was in einem Zeugnis steht, ist das, was dort nicht steht. Wenn bei einer Führungskraft nichts zu den Führungsqualitäten gesagt wird, ist damit genug gesagt. Dasselbe gilt bei Verkäufern oder Kundenbetreuern, deren Kommunikationsstil und Kundenfreundlichkeit mit keinem Wort erwähnt werden. Das gilt erst recht, wenn das Zeugnis nicht warm und persönlich klingt, sondern kühl wie das Klirren von Eiswürfeln im Whiskeyglas.

Wie kommt man zu einem guten Zeugnis? Erstens: Nutzen Sie natürliche Anlässe, so einen Wechsel des Chefs, um ein Zwischenzeugnis zu erbitten. Dieser Maßstab hilft Ihnen, falls Sie später im Unfrieden gehen. Außerdem wirft ein natürlicher Zeitpunkt bei späteren Bewerbungen keine Fragen auf, während man Sie sonst fragen könnte, ob das Verhältnis zu ihrer aktuellen Firma zerrüttet ist – denn wer ein Zwischenzeugnis ohne Anlass verlangt, signalisiert damit offen seine Bereitschaft zum Abwandern. Zweitens: Gleichen Sie Ihr Zeugnis sofort mit der Fachliteratur ab, um schädliche Kassiber korrigieren zu lassen. Und drittens: Formulieren Sie Ihr Zeugnis nicht aus, sondern liefern Sie nur eine Rohvorlage. Damit jedes Zeugnis anders klingt – und Sie nicht in dieselbe Falle tappen wie der Industriekaufmann.

Mehr über den Autor erfahren Sie auf: https://www.karriereberater-akademie.de/vita_martin_wehrle.php

Von Martin Wehrle

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