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Nachrichten Wissen „Kein König mehr im Klassenzimmer“
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18:00 17.10.2017
Lehrkräften stellt sich heute ein ganzes Bündel an neuen Herausforderungen – Ganztag, Integration, Inklusion. Quelle: iStock
Hannover

Das Ansehen der Lehrer hat sich im Laufe der Zeit verändert. „Die Lehrkraft ist heute nicht mehr König im Klassenzimmer“, sagt Uwe Sandfuchs, Professor für Grundschulpädagogik. Warum er so denkt, beantwortet er im Interview.

Die Gründung der Zeitschrift „Grundschule“ im Jahr 1967 fällt in eine Ära, in der das Schlagwort der antiautoritären Erziehung für ein Umdenken in der Kindererziehung sorgte. Zufall?

Keineswegs. Die Entwicklung von Erziehung und Schule hängt immer auch mit gesellschaftspolitischen Umbrüchen zusammen. Nach dem Krieg herrschte eklatanter Lehrermangel und die brachliegenden Potenziale, wie etwa die hohe Lernfähigkeit im Grundschulalter, konnten durch die vorherrschende volkstümliche Bildung nicht ausreichend genutzt werden. Schließlich wurde der Ruf nach einer Reform des Grundschulwesens immer lauter. Entscheidende Impulse gingen vor allem von dem Pädagogen Erwin Schwartz aus, der für mehr Chancengleichheit in der Bildung eintrat und Grundschulpädagogik als eigenständige wissenschaftliche Disziplin in der Lehrerausbildung etablierte. Er war schließlich Initiator und Herausgeber der Zeitschrift „Grundschule“, die bis heute ein wichtiger Ratgeber für Lehrer ist.

Seit 1967 gilt die Zeitschrift „Grundschule“ Quelle: Verlag

Die Zeitschrift wirbt damit, „brennende Fragen des Berufsalltags“ von Lehrern zu beantworten. Was treibt denn die Pädagogen heute in erster Linie um?

Das, was sie auch schon vor 50 Jahren beschäftigt hat: Was soll wie gelernt werden und welche erzieherischen Maßnahmen sind angebracht? Diese Fragen stellen sich immer wieder aufs Neue. Hinzu kommt natürlich ein Bündel an aktuellen Herausforderungen wie Ganztag, Integration und Inklusion. Aber auch das sind eigentlich auch schon früher wichtige Themen gewesen.

Inwiefern?

Hinter der Integration beispielsweise steckt eine ganz alte Idee: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Grundschule im Zuge der reformpädagogischen Bewegung so organisiert, dass die bis dahin gängigen privaten Vorschulen für spätere Gymnasiasten wegfielen. Die Grundschule sollte für alle Kinder verbindlich sein, egal, welcher Herkunft sie waren.

Als vor rund fünfzig Jahren die ersten Gastarbeiterfamilien nach Deutschland kamen, stellte sich die Frage der Integration neu. Im Zuge dessen wurden sogar eigene Ausländerschulen eingerichtet, aber dieses Modell ist gescheitert. Integration funktioniert eben nicht durch Ausgrenzung. Die aktuelle Inklusion macht nun vollends Ernst mit der Grundschule als Schule für alle Kinder.

Nun kämpfen Lehrkräfte sowohl bei der Inklusion als auch bei der Integration mit vielen Problemen.

Es braucht viel Sachverstand und Erfahrung, um individuelle Lösungen zu finden. Dem trägt auch die Ausbildung an den Hochschulen mittlerweile verstärkt Rechnung, indem sie viel Praxis integriert hat. Noch mehr braucht es aber personelle Ressourcen an den Schulen. Nicht zu unterschätzen ist auch das Erfordernis von Teamwork im Kollegium und mit Sozialarbeitern oder Psychologen. Die Lehrkraft ist heute nicht mehr König im Klassenzimmer.

Gerade bei der Einbindung der Eltern geht es ja heute auch sehr demokratisch zu. Wie wichtig ist der Austausch zwischen Lehrern und Erziehungsberechtigten?

Erziehung kann nur gelingen, wenn Lehrer und Eltern zusammenwirken. Dazu gehört ein gewisses Vertrauensverhältnis. Eine gute Lehrkraft bezieht die Vorstellungen und Wünsche von Eltern ein, vertritt aber auch offensiv ihre Lehrmethode, die sie in der Diskussion nachvollziehbar begründen muss.

Wie steht es um die Auseinandersetzung mit den Schülern? Heute wird von Lehrern oftmals bemängelt, dass es an Disziplin und Respekt fehlt.

Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten ist heute ein allgemeines Problem. Was sich in der Schule abbildet, kommt teilweise auch aus dem Elternhaus. Und auch wenn Lehrer sich bei Eltern beschweren, ertragen diese häufig keine Kritik an ihrem Kind. Wer heute unterrichtet, muss sich Sachautorität erwerben.

Sollte eine Note für „Betragen“ wieder eingeführt werden?

Auf keinen Fall. Man hat sie abgeschafft, weil sie nichts Positives gebracht hat.

Auch die Zensur für Schrift und Form ist abgeschafft. Seitdem sind Handschrift und Rechtschreibung in Verruf geraten, an Qualität eingebüßt zu haben. Waren die Konzepte für den Deutschunterricht früher besser?

Nein. Es liegt auch nicht an der zu Unrecht viel gescholtenen Methode „Lesen durch Schreiben“, dass Schrift und Rechtschreibung leiden. Die immer komplexer werdenden Lehrpläne lassen vielfach nicht genügend Zeit, um Schreiben und Rechtschreiben zu üben. Ich denke aber, dass Pädagogen wieder dahin kommen werden, nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die äußere Form zu achten. Es braucht mehr Zeit für die Konzentration auf Arbeitstechniken.

Die Digitalisierung hat den Grundschulunterricht noch nicht erreicht. Woran liegt’s?

Digitale Kompetenz ist eine Basiskompetenz. Sie muss auf einer Stufe mit Lesen, Schreiben und Rechnen stehen, kommt aber in der Tat zu langsam. Hauptgrund ist das knappe Budget, das die Länder dafür zur Verfügung haben. Hier ist der Bund gefragt.

Wie stellen sich eigentlich heutige Grundschüler die ideale Lehrkraft vor?

Da hat es schon viele Umfragen gegeben, und sie kommen alle zum gleichen Ergebnis: Liebevoll, streng und gerecht soll sie sein – und schick obendrein.

Zur Person: Prof. Dr. Uwe Sandfuchs war vor seiner Pensionierung 2008 16 Jahre lang Leiter des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik und Historische Pädagogik an der TU Dresden. Seit fast 30 Jahren gehört der Braunschweiger außerdem dem Redaktionsbeirat des im Westermann-Verlag erscheinenden Fachmagazins „Grundschule“ an. Sandfuchs hat zahlreiche Publikationen rund um das Thema Erziehung und Lehrerausbildung veröffentlicht. Quelle: gpt

Von Kerstin Hergt/RND

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