Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wissen Hugh Herr träumt von fliegenden Menschen
Nachrichten Wissen Hugh Herr träumt von fliegenden Menschen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:27 15.03.2018
Hugh Herr (rechts) verlor als junger Mann beim Bergsteigen seine Beine. Ärzte konnte die durch Prothesen ersetzen. Doch Herr geht einen Schritt weiter: Prothesen sollen Teil des eigenen Körper werden. Quelle: Stefan Koch
Austin

Es ist ein seltsamer Moment. Der Redner betritt die Bühne, nimmt auf einem Sessel Platz und krempelt seine Hosenbeine hoch. Zum Vorschein kommen zwei Hightech-Prothesen. Dann lächelt der Mann in die Runde und erzählt begeistert von seinen Träumen. Euphorisch ruft er seinen zumeist jugendlichen Zuhörern zu: „Beschränkt euch nicht selbst. Steckt eure Ziele möglichst hoch!“

Der Visionär heißt Hugh Herr und forscht seit Jahren am Massachusetts Institute of Technology an Zukunftsprojekten. Dass der 53-Jährige an einer Podiumsdiskussion der Digitalmesse teilnimmt, zählt zu den Besonderheiten von SXSW. Das Festival „South by Southwest“ ist weit mehr als eine Ausstellung für Computerexperten. Hier, in der texanischen Hauptstadt, werfen sie einen Blick weit in die Zukunft. Und in dieser nicht allzu fernen Zeit dürfte der bionische Mensch eine herausgehobene Rolle spielen. Er soll davon profitieren, dass die Phänomene der Natur immer stärker in die Technik einfließen.

Noch mag die Idee von menschlichen Flügeln heutige Vorstellung übersteigen

Freimütig spricht Herr von seinen Träumen, die ihn bei seinen Forschungen antreiben: „Wenn ich mir das Potenzial der Bionik anschaue, kann ich nur sagen: Wir stehen vor einer faszinierenden Epoche.“ Nutzt der Mensch in einigen Jahrzehnten Flügel, um zumindest über kurze Strecken zu fliegen? Sind diese Flügel vielleicht sogar dauerhaft mit dem Körper verbunden?

Über solche Sätze mag man die Stirn runzeln, wenn man sie liest. Aber die Leichtigkeit, mit der sich Hugh Herr auf der SXSW-Bühne bewegt, lässt ahnen, dass unsere heutige Vorstellungskraft vielleicht schon bald gesprengt wird.

Sein demonstrativ zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein lässt sich ohne seine Lebensgeschichte wohl kaum verstehen. Im Alter von 17 Jahren galt Herr als einer der besten Kletterer Amerikas. 1982 geriet er am Mount Washington in New Hampshire in einen starken Schneesturm und verlor zwischenzeitlich die Orientierung. Bei Minus 29 Grad erlitt Herr so schwere Erfrierungen, dass ihm beide Unterschenkel amputiert werden mussten.

Als ihn später im Krankenhaus ein Arzt trösten wollte und meinte, dass es neben Klettern auch noch andere schöne Beschäftigungen gebe, antwortete Herr nur trocken: „Eines Tages kehre ich auf die Berge zurück.“

Prothesen sollen Teil des eigenen Körpers werden

Drei Jahrzehnte später gibt es unzählige Amputierte wie Herr, die dank modernster Prothesen auf nahezu allen Bergen dieser Welt herumkraxeln. Der damalige Traum des Wissenschaftlers erscheint heutzutage fast alltäglich. „Das Spannende ist“, so Herr, „dass die Zeitspanne zwischen Traum und Verwirklichung immer kürzer wird.“

Tatsächlich eröffnet die Bionik ganz neue Möglichkeiten. So arbeitet Herr unter anderem an Verfahren, wie Menschen, die Gliedmaßen verloren haben, über künstliche Stimulation ein Gefühl für ihre Prothesen entwickeln können. Herrs Idee: Die Prothese, unter der man vor 100 Jahren einen einfachen Holzstumpf verstand, wird Teil des eigenen Körpers.

Das Handy könnte als Chip in den Unterarm wandern

Wie sehr die Arbeit am bionischen Menschen nicht nur Zukunftsmusik ist, sondern längst Teil der Gegenwart, beschreibt Herrs langjähriger Bekannter, der sich mit ihm die Bühne teilt - der deutsche Unternehmer Hans Georg Näder. 1919 begann sein Großvater Otto Bock mit der seriellen Fertigung von Prothesen, um den Versehrten des Ersten Weltkriegs Hilfsmittel für das Alltagsleben zur Verfügung zu stellen. Heute rüstet die gleichnamige Firma jene Sportler aus, die sich in diesen Tagen zu den Winter-Paralympics in Südkorea treffen.

Ebenso wie der Wissenschaftler Herr hält auch der Weltmarktführer in der technischen Orthopädie die Verschmelzung von Mensch und Maschine nur für eine Frage der Zeit. Anders als Hugh Herr mahnt Näder aber ein vorsichtiges Weitertasten in der Forschung an: „Trotz aller Fortschritte dürfen wir den Respekt vor der Natur nicht verlieren.“ Nichtsdestotrotz sei es gut möglich, dass sich beispielsweise das Mobiltelefon der Zukunft schon in wenigen Jahren als Chipkarte im Unterarm wiederfindet.

Nicht alle Menschen würden vielleicht davon träumen, mit eigenen Flügeln um die Welt zu reisen, sagt der 56-jährige Firmenchef. Aber für Menschen mit Handicap sei es eine Art des Fliegens, wenn sie sich dank der Bionik aus ihrem Rollstuhl erheben und elegant durch ihre Umgebung spazieren können. Dazu Näder: „Was gibt es Schöneres, wenn eine Frau, die bei einem Unfall ein Bein verloren hat, wieder mit ihrem Partner tanzen kann?“

Von Stefan Koch/RND

Wissen Die Familienkolumne - Ein Becken voller Wunderkinder

Sonnabendmorgen, 8.30 Uhr, Babyschwimmen. Eine hoch motivierte Kursleiterin begrüßt alle Windelträger und stimmt das erste Lied an. „Wir sind beim Kinderschwimmen und haben ganz viel Spaß“. Mit diesen Zeilen beginnt eine Stunde gemütlicher Vater-Sohn-Koexistenz.

15.03.2018

Privatschulen genießen gemeinhin einen besseren Ruf als öffentliche Schulen. Eine Studie zeigt nun aber, dass das nicht unbedingt gerechtfertigt ist, wenn es um die Leistungen der Schüler geht.

15.03.2018

Sie sind schnell herzustellen, kommen meist ohne Chemie aus, und helfen zuverlässig: Hausmittel. Aus Äpfeln, Wasser und etwas Geduld entsteht hausgemachter Apfelessig.

15.03.2018