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Wissen Handys können Gesundheit von Kindern gefährden
Nachrichten Wissen Handys können Gesundheit von Kindern gefährden
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17:09 20.08.2018
Das Starren auf den Bildschirm kann zu Haltungsproblemen führen Quelle: Ole Spata/dpa
Hannover

Häufige Handynutzung führt schon bei Kindern zu Haltungsschäden, berichtet Christian Sturm, Facharzt für Physikalische und Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Interview mit der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

Herr Sturm, wie schlimm wirkt sich das Smartphone auf die kindliche Gesundheit aus?

An der MHH sehen wir inzwischen häufig Kinder mit starken Kopfschmerzen. Manche werden auch stationär mit unklarer Diagnose aufgenommen. Wir von der Klinik für Rehabilitationsmedizin werden oft als Fachleute für funktionelle Zusammenhänge dazu gerufen.

Was stellen Sie dann fest?

Manchmal sind die Schmerzen einfach wachstumsbedingt, wenn die Knochen einen Schub machen und die Muskeln nicht schnell genug mitkommen. Dann steigt die Spannung in der Muskulatur. Aber oft sind die Verspannungen der Nackenmuskeln durch die Haltung bedingt. Wenn Kinder monoton nach unten aufs Handy starren, dann verhärten sich die Muskeln, weil sie lange in einer Position verharren müssen. Das mögen Muskeln nicht.

Hohe Belastung für die Nackenmuskeln

Das passiert Erwachsenen sicher auch?

Ja. Aber ich finde es besonders traurig, dass Kinder überhaupt schon Schäden durch die Handynutzung haben.

Warum schmerzt der Kopf, wenn sich der Nacken verspannt?

Ein chronisch verspannter Kapuzenmuskel am Nacken drückt gerne auf den Nerv, der den Hinterkopf versorgt. Wenn der Nerv dort gequescht wird, tut es nicht an diesem Punkt weh, sondern oft in der Gegend, wo er hinführt.

Das Problem kennen ja auch viele Erwachsene, vor allem, wenn sie am Computer arbeiten. Wird das alles durchs Smartphone noch schlimmer?

Im Trend ja. Unser Kopf ist ziemlich schwer. Wir brauchen viele Muskeln, um ihn in Position zu halten. Der Körper versucht, Kopf, Wirbelsäule und Becken ins Lot zu bekommen. Je weiter wir den Kopf nach vorne neigen, umso größer die Belastung für die Nackenmuskeln. New Yorker Chirurgen haben das mal gemessen. Wenn der Kopf eines Erwachsenen in aufrechter Position fünf Kilo Kraftbelastung benötigt, steigt die Belastung für den Muskel bei leichter Neigung um 15 Grad auf zwölf Kilo, bei 30 Grad auf 18 Kilo und bei 60 Grad Neigung auf 27 Kilo.

Medienkonsum so gering wie möglich halten

Wie wirkt sich eine verhärtete Muskelverspannung bei Kindern und Jugendlichen aus?

In der Schule sind sie durch die Schmerzen abgelenkt und unkonzentriert. Oft sind auch die tiefer liegenden Muskeln betroffen. Wenn Ärzte die Ursache nicht erkennen, wird die Gerätemedizin angeworfen mit Röntgen, Hirnstrommessung, Kernspintomografie. Für Kinder ist es sehr belastend, in so einer geschlossenen Röhre zu liegen. Gewisse Ursachen wie eine Hirnhautentzündung müssen aber natürlich ausgeschlossen werden.

Was raten Sie, damit es nicht erst so weit kommt?

Eltern sollten den Medienkonsum ihrer Kinder so gering wie möglich halten. Aber ich will nicht unrealistisch werden, meine Kinder hören auch nicht immer auf mich. Wenn mein Sohn mit dem Handy spielt, soll er wenigstens den Kopf aufrecht halten. Ich bin zufrieden, wenn er das Handy wie ein Buch oder eine Zeitung vor sich hält, weil dies nur eine ganz leichte Kopfneigung erfordert. Kopfhörer sollten außerdem nicht im Ohr, sondern auf dem Ohr sitzen, damit das Trommelfell nicht so stark geschädigt wird.

Mindestens zweimal Sport pro Woche

Führt das Starren aufs Smartphone bei Kindern oder Jugendlichen zu dauerhaften Schäden?

Neben Haltungsschäden, die teils nur sehr schwer umkehrbar sind, kann es zu Kurzsichtigkeit und manchmal Hörschäden kommen. Die Fixierung aufs Smartphone führt aber zu einem weiteren Problem: Kindern und Jugendlichen fehlt die Bewegung, weil sie lieber nebeneinander sitzen und jeder schaut auf sein Handy statt gemeinsam etwas zu erleben.

Wie viel Bewegung empfehlen Sie?

So viel wie möglich. Erwachsene sollten mindestens zweimal in der Woche Sport treiben, der Schultern, Nacken, Rumpf, Becken und Beine aktiviert. Radfahren und reines Joggen reichen dafür nicht aus. Gut sind Schwimmen, Ballsport, Hip-Hop, Jazzgymnastik. Kinder brauchen mehr Bewegung, eher dreimal in der Woche, sollten im Sportverein aktiv sein und draußen Zeit mit freiem Spiel verbringen, auf Bäume klettern und auf den Bolzplatz gehen. Bewegung ist wichtig für unseren Körper, mit Sport verbessern wir Haltung, Kraft, Kondition, Gleichgewicht und regen unser Immunsystem an.

Von Bärbel Hilbig/HAZ/RND

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