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Nachrichten Wissen Giftige Algen profitieren von sauren Ozeanen
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05:00 27.11.2018
„Riesen-Reagenzgläser“ (Mesokosmen) vor den Kanaren: Steigt die Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Atmosphäre an, kann das zu einer massenhaften Vermehrung giftiger Algen führen. Quelle: Ulf Riebesell/Geomar
Kiel

Je höher der Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre, desto mehr steigt die Ozeanversauerung. Eine bisher unbekannte Folge dieser Ozeanversauerung stellte Ulf Riebesell mit seinem Team des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in einer Langzeitstudie fest. Während dieser Prozess viele Lebewesen in den Ozeanen beeinträchtige, profitiere ausgerechnet Vicicitus globosus, eine giftige Algenart, von der Versauerung. „In unseren naturnahen Versuchsumgebungen hatten diese Blüten einen starken negativen Effekt auf die übrige Planktongemeinschaft, insbesondere das artenreiche tierische Plankton“, berichtet Riebesell.

Alge noch nicht in Nord- und Ostsee

Das Team habe die Auswirkungen vor der Küste Gran Canarias in „temperierten Breiten“ getestet, da die Alge eher in wärmeren Gefilden vorkomme. „Noch ist sie weder an Nord- oder Ostsee anzutreffen, aber an der Westküste Kanadas und der russischen Küste,“ sagt Meeresbiologe Riebesell. Entwarnung gibt Ulf Riebesell für die nordeuropäischen Meere nicht: „Auch da gibt es giftige Algen, deswegen wurden Strände gesperrt.“ Und mit dem Klimawandel sei es nicht auszuschließen, dass sich Vicicitus globosus auch dort irgendwann ausbreite. Für Riebesell besteht allerdings jetzt bereits dringender Handlungsbedarf.

Für das Langzeitexperiment hatten die Forscher sogenannte Mesokosmen vor die Kanarischen Inseln ausgebracht. Nur die Spitzen dieser rund 15 Meter langen, 35 Kubikmeter fassenden Kunststoffschläuche ragten dazu aus dem Meer. „Die können Sie sich wie riesige Reagenzgläser vorstellen“, erläutert Forscher Riebesell. In dem vom restlichen Ozean getrennten Wasserkörper, in denen nach wie vor eine natürliche Lebensgemeinschaft kleinster Lebewesen aus Plankton, kleinen Krebsen und winzigen Fischen vorhanden war, erhöhten die Forscher in dem 57 Tage dauernden Projekt CO2-Konzentrationen, die den künftig erwarteten Konzentrationen entsprachen. Ab einer Kohlenstoffkonzentration von rund 600 Millionstel Teilchen (ppm) im Meerwasser vermehrte sich die giftige Alge Vicicitus globosus zunehmend steigend, ab 800 ppm kam es zudem zu einer Algenblüte.

Die Kohlenstoffkonzentration in der Atmosphäre ist gegenwärtig mehr als 400 ppm und steigt weiter. Die Algenblüte wiederum hatte fatale Folgen: Die Zahl der übrigen Lebewesen, insbesondere des Planktons ging drastisch zurück, das stoppte die Nahrungskette in den Versuchsmesokosmen bis hin zum Kollaps. Dadurch sei der Kohlenstofftransport in die Tiefe gestoppt worden, so der Meeresforscher.

Kohlendioxid fördere bei vielen Pflanzen die Photosynthese. „In diesem Fall profitiert jedoch das falsche Lebewesen.“ Die Alge Vicicitus globosus sei nicht nur toxisch. „Sie produziert ein Nervengift und schädigt wahrscheinlich andere Pflanzen.“ Riebesell geht davon aus, dass das Gift der Algen die Membranen angreife und sogar möglicherweise beim Menschen ähnlich wirke. Wo sich die toxische Alge ausbreite, „geht alles kaputt“. Die Alge schaffe sich so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Spezies.

Kohlendioxid in der Atmosphäre führt zur Ozeanversauerung

Das Phänomen der Versauerung der Ozeane ist nicht neu. „Ein Viertel der Kohlenstoffemissionen, die wir entlassen, wenn wir etwa von A nach B fahren, nimmt der Ozean auf“, sagt Riebesell. Die Konsequenzen: Im Meerwasser reagiert Kohlendioxid zu Kohlensäure, das lässt den ph-Wert des Wassers sinken, die Meere werden sauer. „Stellen Sie sich das so vor wie Mineralwasser mit Sprudel – das gleiche passiert im Ozean.“

Während viele Fische sich anpassen können, da sie sinkende ph-Werte in ihrem Blut ausgleichen, schädigt die Ozeanversauerung vor allem Wirbellose wie Korallen, Seesterne und andere Weichtiere. Riebesell geht davon aus, dass Korallenriffe in einem sauren Meer nicht mehr existieren werden.

Von RND/gum

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