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Nachrichten Wissen Forscher finden neuen Dinosaurier: Eine Archaeopteryx-Art
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18:12 25.10.2018
Eine Rekonstruktion: So könnte die nun beschriebene Art Archaeopteryx albersdoerferi ausgesehen haben. Quelle: Zhao Chuang/dpa
München/Grenoble

Die Steinplatte gerade einmal so groß wie ein Blatt Papier. Und doch könnte sie eine kleine wissenschaftliche Sensation bergen, die versteinerten Überreste einer neuen Art des Archaeopteryx. Der Urvogel gilt als Übergangsform zwischen aufrechtgehenden theropoden Dinosauriern und den Vögeln. Seit seiner Erstbeschreibung 1861 dauert der Streit an, wie die Tiere, die vor 150 Millionen Jahren lebten, einzuordnen sind.

Mehr Gemeinsamkeiten mit Vögeln

Neues Licht darauf kann ein nun wiederentdecktes Exemplar auf diese Frage werfen. Wissenschaftler untersuchten nun das Exemplar, das 400 000 Jahre jünger ist als alle bislang bekannten Funde. Besser als in früheren Studien könne nun schlüssig gezeigt werde, dass der Archaeopteryx ein ursprünglicher Vorläufer der Vögel sei, sagte Per Ahlberg von der Universität Uppsala in Schweden. Er war an der Studie beteiligt, die nun im Journal „Historical Biology“ veröffentlich wurde. Danach besitze dieser Archaeopteryx mehr Gemeinsamkeiten mit den heutigen Vögeln als mit seinen Dinosaurier-Vorfahren.

Dazu untersuchten die Forscher das Fossil in der European Synchrotron Radiation Facility, einer Großforschungseinrichtung in Grenoble. Mittels hochauflösender Computertomographie kamen sie dem ausgestorbenen Tier im Kalkstein so nah wie nie. „Es war das erste Mal, dass wir die vielen Knochen und Zähne des Archaeopteryx von allen Seiten anschauen konnten, inklusive ihrer inneren Struktur“, sagte der Hauptautor Martin Kundrát von der Pavol Jozef Safárik-Universität im slowakischen Kosice.

Gute Flugeigenschaften

Was sie fanden, klingt in der Tat nach dem Skelett-Aufbau eines Vogels: Seine Knochen seien dünner als bei den anderen elf bekannten Exemplaren gewesen. Zudem sorgten luftgefüllte Hohlräume in den Knochen für weniger Ballast. Den Forschern fiel auch auf, dass die Fläche, an der die Flugmuskeln anhafteten, größer war. Sie schlossen daraus, dass dieser Archaeopteryx besonders gute Fähigkeiten zum Fliegen hatte. Ob er aus dem Stand fliegen konnte oder nur gleiten, darauf legten sie sich jedoch nicht fest. Im Gegensatz zu einem Forscherteam, dass diese Urvögel im März generell für flugfähig erklärt hatte.

Der Geologe und Eigentümer Raimund Albersdörfer zeigt im Dinosaurier-Museum Altmühltal den Abdruck eines rund 153 Millionen Jahre alten Urvogels Archaeopteryx. Quelle: Andreas Gebert/dpa

Bislang zwölf Exemplare bekannt

Archaeopteryx lebte vor 150 Millionen Jahren und erinnert optisch an eine Mischung aus Dinosauriern und Vögeln. „Er hat flugfähige Federn, aber noch einen langen Knochenschwanz“, erklärt Daniela Schwarz vom Museum für Naturkunde in Berlin. Wie die Großechsen hat er einen Kiefer mit Zähnen statt eines Hornschnabels. Die Flügel sind schon entwickelt, allerdings ragen aus ihnen vorn noch Krallen. „Es gibt nach dem Archaeopteryx noch eine Reihe von Vogelvorfahren“, sagt Schwarz. Erst vor 60 Millionen Jahren habe es dann richtige Vögel gegeben.

Alle zwölf Exemplare des Archaeopteryx, die seit dem ersten Fund 1861 entdeckt wurden, stammen aus der Region um das Altmühltal zwischen Nürnberg und München. Die Steinbrüche Solnhofen und Mörnsheim sind durch sie berühmt geworden. Auch das jetzt untersuchte Exemplar stammt aus der Nähe: aus dem bayerisch-schwäbischen Daiting. „Hier war der Nordrand des Urmittelmeeres“, erklärt der Paläontologe Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie.

„Diese Tiere lebten hier offenbar in einem Inselarchipel in einem tropischen Korallenriffbereich.“ In den flachen Lagunen lagerte sich Kalkschlamm ab, der tote Tiere oder Fische schnell umschloss, so dass sie luftdicht eingebettet waren und versteinerten.

Hartnäckigkeit eines Sammlers wird belohnt

Dass der Daitinger Urvogel nun untersucht werden konnte, ist dem Paläontologen Raimund Albersdörfer zu verdanken. Ein privater Fossiliensammler hatte das wertvolle Stück 1990 entdeckt. Danach galt es viele Jahre als verschollen. 1996 tauchte es als Kunststoff-Abguss in einer Ausstellung wieder auf. Forscher waren begeistert, jedoch verlor sich von der Reproduktion wie auch dem Original wieder die Spur.

„Ich habe ewig nachrecherchiert“, erinnert sich der heute 53-Jährige Albersdörfer. Weil er als Fossilienhändler in der Szene gut vernetzt war, fand er eine heiße Spur und konnte den Urvogel 2008 kaufen. Bei den Mineralientagen 2009 in München erregte das Exemplar großes Aufsehen. Albersdörfer stellte es anschließend der Wissenschaft zur Verfügung. Die Forscher dankten es ihm und nannten die neue Art Archaeopteryx albersdoerferi.

Artenfund wird noch hinterfragt

Forscher Oliver Rauhut ist allerdings noch skeptisch, ob es sich dabei tatsächlich um eine neue Art handelt. Beim Archaeopteryx habe man noch ein unzureichendes Verständnis, wie er sich in Arten unterteile, sagte der Paläontologe. Zudem sei das Daitinger Exemplar mit einer extrem detaillierten Computertomographie untersucht worden. Die Frage sei, was die anderen Funde offenbaren würden, wenn sie genauso untersucht würden.

Albersdörfer hingegen will sein wertvolles Fossil in wenigen Tagen öffentlich zeigen. Im Dinosaurier-Museum Altmühltal im oberbayerischen Denkendorf soll es ausgestellt werden.

Von RND/nie/dpa

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