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Wissen Die Angst vor dem Superkeim
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06:01 27.03.2018
Eine Petrischale mit multiresistenten Keimen – weltweit schießt der Antibiotikaverbrauch in die Höhe wie noch nie Quelle: dpa
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Washington

Es kann doch nicht wahr sein, dachten die Klinikärzte, dass wir diese Blutvergiftung nicht in den Griff bekommen. Bei einer Patientin war ein Keim gefunden worden, der der gängigen Antibiotikatherapie widerstand. Nach und nach probierten die Mediziner alle in den USA zugelassenen 26 Antibiotika durch. Keines davon half, die Frau starb nach vier Monaten auf der Isolierstation.

Der Fall trug sich zu in Nebraska, einem der eher abgelegenen Fly-over-States. Doch das nationale Gesundheitszen­trum in Atlanta registrierte den Vorfall sehr aufmerksam – und nennt ihn heute als eines der vielen Warnzeichen für die westliche Welt: Wenn wir weiterhin so hemmungslos mit Antibiotika umgehen, wird diese Waffe irgendwann stumpf. Stattdessen züchten wir den zivilisationsbedrohenden Superkeim.

Forscher prophezeien: Antibiotika-Verbrauch wird sich verdoppeln

Weltweit schießt der Antibiotikaverbrauch in die Höhe wie noch nie. New Yorker Wissenschaftler schlagen jetzt in einer neuen Studie Alarm: Allein seit dem Jahr 2000 ist der Antibiotikaverbrauch noch einmal um 65 Prozent gestiegen. Und im kommenden Jahrzehnt ist gar mit einer weiteren Verdoppelung zu rechnen.

Hinter den Zahlen verbirgt sich eine doppelte Botschaft. Die medizinische Versorgung in bevölkerungsreichen Schwellenländern verbessert sich spürbar. Andererseits aber fehlt in den wohlhabenden Regionen der Nordhalbkugel vielen Patienten und Ärzten jede Geduld, sie setzen auf eine Art Rundumverteidigung per Schrotschuss. Damit aber wächst am Ende nur die Widerstandsfähigkeit der Bakterien. Die massenhafte Verschreibung von Antibiotika in der Medizin und ihr massenhafter Einsatz in der Tierzucht schaffen Bedingungen, unter denen am Ende nur noch die resistenten Keime eine Chance auf Überleben und Vermehrung haben.

Ärzte greifen auf Reserve-Antibiotika zurück

Die Nervosität in den Forschungszentren wächst. Wie die jüngsten Erhebungen zeigen, kommen inzwischen sogar die sogenannten Reserve-Antibiotika immer häufiger zum Einsatz – also die Mittel, auf die ein Arzt erst dann zurückgreift, wenn nichts anderes mehr hilft.

Ein Teufelskreis droht, der sich nicht allein von Patienten, Ärzten und Wissenschaftlern durchbrechen lässt. Gefragt ist auch die öffentliche Hand: Ohne Hilfe des Staates bleibt der Weg zwischen den Forschungslaboren und der Marktreife eines möglichen rettenden Supermedikaments im Ernstfall zu lang. Sowohl in den USA als auch in Deutschland gibt es zwar gute Nachrichten aus der Grundlagenforschung. Gleich mehrere Forscher beschreiben Substanzen, die sich als Antibiotika neuer Art eignen könnten – nicht aber als Massenmedikament. Es ist ein Feld, das dringend beides braucht: mehr staatliche Förderung, aber auch mehr staatliche Rahmensetzung. Ein erster Schritt wäre mehr Aufmerksamkeit.

Von Stefan Koch

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