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Nachrichten Wissen China fördert „brennendes Eis“
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16:51 25.05.2017
Brennendes Eis: Methanhydrat-Klumpen sind hoch entzündlich. Quelle: dpa
Peking

Seit Jahren streiten China und die Staaten Ostasiens ums Südchinesische Meer. Den Anrainerstaaten geht es bei diesem Konflikt keineswegs nur um die Kontrolle eines der meistbefahrenden Gewässer der Welt. Es geht ihnen um angebliche Rohstoffvorkommen im Meeresgrund. Was tatsächlich an Schätzen in der Tiefe schlummert war bislang allerdings nicht so recht erwiesen. Nun sind die Chinesen fündig geworden.

Eigenen Angaben zufolge ist China erstmals der Abbau von sogenanntem „brennbarem Eis“ gelungen. Unter Fachleuten auch bekannt als Methanhydrat handelt es sich dabei um ein Gemisch aus Eis und Methan. Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, chinesische Forscher hätten seit Ende März im Südchinesischen Meer in einer Tiefe von bis zu 1266 Metern gebohrt und täglich rund 16.000 Kubikmeter des kostbaren Stoffes fördern können. Der chinesische Minister zuständig für Rohstoffe, Jiang Daming, spricht von einem „großen Durchbruch“. Er werde zu einer „globalen Energiewende“ beitragen.

Autor Schätzing machte in „Der Schwarm“ den Stoff berühmt

Der Stoff erlangte Berühmtheit durch einen Öko-Thriller des Schriftstellers Frank Schätzing. Er beschreibt in dem Roman „Der Schwarm“, wie sich Würmer in dem Methanhydrat-Vorkommen vor Norwegen einnisten und durch den Abbau einen gigantischen Tsunami auslösen.

Methanhydrate treten in der Tiefe in Klumpenform auf. An der Erdoberfläche hingegen zerfällt das Gemisch ohne entsprechender Kühlung schnell in seine Bestandteile Wasser und Gas. Was Methanhydrat so attraktiv macht: Wird es entzündet, entsteht eine lange brennende Flamme. Es handelt sich also um hochwertiges Erdgas zur Energiegewinnung.

Zumindest in bestimmten Tiefen ist das Meer voll davon. Schätzungen US-amerikanischer Geologen zufolge könnten auf dem Meeresgrund zehnmal so viel Erdgas in Form von Methanhydrat lagern als in allen herkömmlichen Gasquellen zusammen. Der Energiebedarf von über 1000 Jahren wäre gedeckt – für die gesamte Menschheit.

Der Abbau ist extrem schwierig

Trotz der Menge werden Methanhydrate nur in bestimmten Meeresgegenden vermutet. Hydrate halten sich nur bei kalten Temperaturen und unter hohem Druck, also erst unterhalb einer Wassertiefe von 500 Metern. Als vielversprechend gilt ihr Vorkommen vor allem an den Stellen wo die Küstensäume rasch in die Tiefsee übergehen. Denn Methan wiederum entsteht meist nur in Küstennähe, wo genug Nährstoffe ins Meer gelangen. Die Mikroorganismen sterben ab, sinken zu Boden und werden im Schlamm begraben. Im Meeressediment geht das Gas dann mit dem kalten Wasser eine extrem dichte Mischung ein. Chinesische Forscher sprechen von einem „eigenen Käfig aus Wassermolekülen, in dem jedes Gasmolekül sitzt“. Ein Kubikmeter Methanhydrat kann auf diese Weise bis zu 160 Kubikmeter Gas speichern.

Das Hauptproblem: Das tief im Meeresboden sitzende Methangas ist bislang nur unter äußerst schwierigen Bedingungen abzubauen. Um das hoch entzündliche Gemisch aus den Tiefen gewinnen zu können, müssen Löcher in die Hydrat-Schichten am Meeresgrund gebohrt werden. Pumpen müssen den Druck senken. Erst dann kann das Gas kontrolliert entweichen. In den Tiefen des Meeres ist das ein höchst aufwendiges Verfahren.

Experten warnen vor klimaschädlicher Wirkung

Bislang war das nur japanischen Forschern gelungen. Wegen des großen Aufwands hat Japan aber bislang vom kommerziellen Abbau abgesehen. Denn in den Tiefen müssten fußballfeldgroße Unterwasserfabriken entstehen, die das bislang unerreichte Gasvorkommen erschließen. Auch Südkorea bemüht sich um diese Technik, hat eigenen Angaben aber ebenfalls noch keinen Durchbruch erzielt.

Zudem ist Methangas extrem klimaschädlich. Wird das Gas nicht verbrannt, sondern entweicht in die Atmosphäre, hat es eine 25 Mal so starke Treibhauswirkung wie Kohlendioxid. Schon jetzt werden in Kläranlagen und bei der Erdgasförderung große Mengen Methangas freigesetzt. Massentierhaltung verursacht die bislang schlimmste menschgengemachte Methanemission. Umweltschützer befürchten beim Abbau von Methan im Meer daher nicht nur große Zerstörungen in der Tiefsee, sondern verhängnisvolle Auswirkungen auf den Klimawandel. Die Erschließung immer neuer fossiler Energiequellen stehe dem Ziel entgegen, die erneuerbaren Energien schnell voranzubringen, kritisiert deshalb die Umweltstiftung WWF.

Von Felix Lee/RND

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