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16:12 30.10.2017
Die Türkei päppelt ihre Wirtschaft mit Subventionsprogrammen auf. Auch Anleger schenken dem Land wieder mehr Vertrauen als 2016. Für Präsident Erdogan sind das gute Nachrichten. Quelle: EPA
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Istanbul

Erst Anfang Oktober hatte die Ratingagentur Fitch ihre Vorhersage für die Türkei deutlich heraufgesetzt: Statt 4,7 Prozent Wachstum, wie noch im Juni, erwartet die Agentur jetzt ein Plus von 5,5 Prozent. Doch auch diese Prognose ist wahrscheinlich bald Makulatur. Die türkische Regierung rechnet für dieses Jahr mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von mehr als sechs Prozent. Nachdem die Wirtschaftsleistung in den ersten beiden Quartalen bereits um jeweils 5,1 Prozent zulegte, erwartet Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci für das dritte Vierteljahr ein Wachstum von 9,6 Prozent. Manche Experten gehen sogar von einem zweistelligen Zuwachs aus.

Staatschef Recep Tayyip Erdogan hofft auf politischen Rückenwind durch den Wirtschaftsaufschwung. Er muss im Superwahljahr 2019 gleich drei Abstimmungen gewinnen, die über seine Zukunft entscheiden: Kommunalwahlen im Frühjahr sowie Parlaments- und Präsidentenwahlen im Herbst. Bis dahin muss Erdogan die hohe Inflationsrate von mehr als zehn Prozent und die Arbeitslosenquote von ebenfalls fast elf Prozent drücken.

Der Staat investiert massiv in Infrastruktur und Verkehr

Für den Boom am Bosporus gibt es mehrere Gründe. Sie deuten aber nicht unbedingt auf ein nachhaltiges Erstarken der türkischen Wirtschaft hin. Das im dritten Quartal zu erwartende Rekordwachstum von rund zehn Prozent ist vor allem dem schwachen Vergleichsquartal 2016 geschuldet. Damals schrumpfte die Wirtschaft um 0,8 Prozent – eine Folge des Putschversuchs vom Juli, der darauf folgenden politischen Turbulenzen und der Krise im Tourismus.

Die Regierung versuchte gegenzusteuern. Mit staatlichen Kreditbürgschaften förderte sie die Darlehensvergabe an kleine und mittelgroße Unternehmen. Steuervorteile kurbelten den privaten Verbrauch an. Mit Subventionen für Charterflieger und Kreuzfahrtschiffe versuchte die Regierung, den Tourismus anzukurbeln, notleidende Hoteliers kamen in den Genuss von Steuerstundungen.

Ein wichtiger Wachstumsmotor ist auch die Bauwirtschaft. Sie profitiert vor allem vom staatlichen Wohnungsbau und von großen Infrastrukturprojekten. Dazu gehören Autobahnen und Brücken, neue Hochgeschwindigkeitstrassen der türkischen Staatsbahnen, Kraftwerke und der neue Istanbuler Großflughafen, der in einem Jahr eröffnet werden soll.

Anleger kaufen wieder Staatsanleihen

Neben den staatlichen Bauprogrammen und Konjunkturspritzen wie den Kreditbürgschaften profitierte die türkische Wirtschaft auch davon, dass wieder vermehrt Risikokapital ins Land strömt. Nachdem im Jahr 2015 ausländisches Kapital von rund neun Milliarden Dollar die Türkei verlassen hatte und im vergangenen Jahr der Nettozufluss lediglich 1,4 Milliarden betrug, kamen 2017 bereits rund zehn Milliarden Dollar ins Land. Ein Großteil dieses „heißen Geldes“ floss in den Aktienmarkt und in türkische Staatsanleihen, mit denen Anleger überdurchschnittliche Renditen erzielen konnten.

Die Industrie des Landes ist strukturschwach

Bei den ausländischen Direktinvestitionen hapert es dagegen. Viele Investoren scheuen die politischen Risiken, die sich aus dem zunehmend konfrontativen Kurs des Staatschefs Erdogan gegenüber der EU und neuerdings auch gegenüber den USA ergeben. Auch die innenpolitische Entwicklung wird vielfach mit Skepsis gesehen. Rechtssicherheit ist für ausländischen Investoren ein hohes Gut.

Experten wie der Istanbuler Ökonom Mustafa Sönmez äußern deshalb Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs. Er glaube nicht daran, dass sich der mit „heißem Geld“ angefachte Boom im kommenden Jahr durchhalten lässt, schreibt Sönmez. Zumal grundlegende Strukturschwächen der türkischen Wirtschaft, wie die Defizite im Bildungswesen sowie die schwache Innovationskraft, die geringe Wertschöpfung und die niedrige Produktivität der Industrie weiter ungelöst sind.

Von Gerd Höhler/RND

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