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Nachrichten Wirtschaft Wird Volkswagen in Salzgitter Batterien fertigen?
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06:00 24.05.2017
In Salzgitter produziert Volkswagen bisher konventionelle Motoren – und in Zukunft Batterien? Quelle: Volkswagen
Salzgitter

Die rund 500 Unternehmer im Saal horchten auf: Hat Müller gerade ausgeschlossen, dass Volkswagen künftig in Salzgitter Batteriezellen für Elektroautos fertigt? Das VW-Management hatte bisher zwar nicht versprochen, solche Zellen dort in Masse zu produzieren. Allerdings soll ein neues „Center of Excellence“ mit einer Pilotanlage ergebnisoffen testen, ob das Unternehmen selbst Zellen produziert oder nur Batterien aus zugekauften Zellen zusammenbaut, wie dies etwa Daimler und BMW in ihren deutschen Werken tun.

Wichtig für die Qualität

Die Zelle ist das Herz der Batterie. Sie bestimmt die Qualität maßgeblich – zum Beispiel hat sie großen Einfluss auf das Beschleunigungsvermögen der Fahrzeuge. Würde VW einer Zellproduktion in Salzgitter eine Absage erteilen, wäre dies für die rund 7000 Beschäftigten des dortigen Motorenwerks eine schlechte Nachricht. Sie hoffen auf viele Arbeitsplätze in der Akku-Produktion – für die Zeit nach dem Ende der konventionellen Verbrennungsmotoren.

Auf Anfrage bekräftigte die VW-Pressestelle gestern nur, dass „im Hinblick auf die Kosten die Energiepreise die größte Herausforderung darstellen“. Der Betriebsrat kommentierte Müllers Aussagen zur Zellproduktion nicht. Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte im vorigen Jahr darauf hingewiesen, dass die Energiekosten bei der Akku-Produktion ein Problem seien. Mit seinen Äußerungen wollte Müller vermutlich die Politik unter Druck setzen, bessere Bedingungen für die Produktion zu schaffen. Ähnlich wie er äußerte sich bei der UVN-Veranstaltung auch Continental-Chef Elmar Degenhart: „Wer glaubt, dass Fabriken zur Herstellung von Batteriezellen bei uns entstehen – wie soll das funktionieren?“ Die Energiekosten seien zu hoch, zum Beispiel doppelt so hoch wie in Ungarn oder Polen. In diesen beiden Ländern bauen die koreanischen Konzerne Samsung und LG Akku-Fabriken.

Erst am Wochenende hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine Zellproduktion in Deutschland ausgesprochen: „Wir müssen zurzeit die Zellen importieren. Aber es wäre wünschenswert, bei neuen Zelltypen dabei zu sein.“ Die Bundesregierung investiere deshalb 35 Millionen Euro in die Batterieforschung.

Auch der damalige Wirtschafts- und heutige Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte eine „große Initiative für eine eigenständige Batteriezellenproduktion“ gefordert und Hilfen aus dem EU-Investitionsfonds in Aussicht gestellt. Conti und VW nehmen den Ball offenbar nun auf. Wenn die Politik eine Zellproduktion will, soll sie den Herstellern auch entgegenkommen – so soll man die Auftritte der beiden Manager wohl verstehen.
In der Zellproduktion kosten zwei Schritte viel Strom: Eine metallhaltige Paste muss bei über 100  Grad Celsius getrocknet werden. Außerdem müssen die fertigen Akkus geladen werden. Die Rabatte für energieintensive Industrien würden die Energiekosten jedoch zumindest dämpfen.

Die eigentliche Herausforderung liegt ohnehin woanders: Die Japaner und Koreaner haben einen jahrzehntelangen Vorsprung bei der Entwicklung des richtigen Materialmixes für geringen Ausschuss und hohe Energiedichte. Der Produktionsforscher Jürgen Fleischer vom Karlsruher Institut für Technologie plädiert trotzdem für eine deutsche Zellproduktion. Wenn die Industrie jetzt nicht investiere, verliere sie einen wichtigen Teil der Wertschöpfungskette. Das Beispiel der deutschen Solarindustrie, die von chinesischen Herstellern aus dem Markt gedrängt wurde, dürfe sich nicht wiederholen.     

Von Christian Wölbert

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