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00:15 15.07.2017
„In fünf bis zehn Jahren werden weitere Förderprogramme nötig sein“: Beim schnellen Internet geben sich viele Kommunen mit dem Minimum zufrieden. Foto: dpa Quelle: A3250/_Oliver Berg
Hannover

Viele Unternehmer wären froh, hätten sie so eine schnelle Internetanbindung wie Matthias Glaser. Immerhin 100 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload schafft die Kupferleitung, die seine Firma in Wennigsen am Deister mit der Außenwelt verbindet. Doch für Glaser ist das viel zu wenig. Seine Firma entwickelt Konstruktionssoftware für Bauingenieure. Dabei fallen so große Datenmengen an, dass die Kupferleitung bremst - zum Beispiel bei der Datensicherung auf externen Servern oder bei Heimarbeit. „In dieser Hinsicht ist unser Standort nicht mehr attraktiv“, sagt Glaser.

Das Beispiel zeigt: Die schnellsten Kupferleitungen reichen mittlerweile selbst für kleine Firmen nicht mehr aus. Sie bräuchten Glasfaser, um ihr Potenzial zu entfalten. Über solche Leitungen sind heute Downloads mit 1000 Mbit/s üblich, außerdem extrem schnelle Uploads, was besonders für Firmen wichtig ist. Mit künftiger Hardware werden sich Daten noch zigmal schneller durch dieselbe Faser jagen lassen. Die Technik ist also zukunftssicher. Kupferleitungen hingegen, da sind sich die Experten einig, sind bald ausgereizt.

Trotzdem setzen die meisten niedersächsischen Kommunen in ihren aktuellen Ausbauplänen weiterhin auf das Kupfernetz. Sie fördern die Ausbaumaßnahmen von Telekommunikationsfirmen wie der Telekom, die meist Glasfaser nur bis zu den Bordsteinen ­legen statt bis zu den einzelnen Gebäuden. Das ist günstiger und reicht meist für 50 Mbit/s, das Mindestziel der Fördermaßnahmen.

In der Region Hannover zum Beispiel sollen nur 20 Prozent der im geförderten Ausbauprogramm enthaltenen 5200 Haushalte einen direkten Glasfaseranschluss bekommen. Bund und Land müssen deshalb nur 3,3 Millionen Euro dazugeben. Der Anteil der Region liegt bei 370 000 Euro. Der Nachteil: Ein Drittel der Haushalte muss sich nach dem Ausbau mit 50 Mbit/s zufriedengeben.

Dass es auch anders geht, zeigen 14 Landkreise, die selbst Glasfasern bis zu den unterversorgten Häusern legen wollen. Zum Beispiel Uelzen: „Flächendeckende Glasfaserversorgung hilft, die Zukunft der Dörfer zu sichern“, schreibt der Landkreis.

40 Euro im Monat für 100 Mbit/s

Der Ausbau wird teuer: Marlis Kämpfer von der Uelzener Wirtschaftsfördergesellschaft rechnet mit Gesamtkosten „im höheren zweistelligen Millionenbereich“. Bund und Land geben rund 18 Millionen Euro dazu, den Rest muss der Landkreis selbst finanzieren - er kann nur hoffen, dass er durch Verpachtung der Leitungen an den Anbieter Lünecom möglichst viel wieder einspielt. Bedingung für den Ausbau ist, dass 60 Prozent der unterversorgten Haushalte einen Vorvertrag abschließen.

In den ersten Gebieten, Bienenbüttel und Bad Bevensen-Mitte, lief dieser Vorverkauf zunächst schleppend. Die IHK schrieb daraufhin die Unternehmen an, der Landkreis warb auf Info-Abenden. Kurz vor Fristende wirkte das: In Bienenbüttel entschieden sich 67,2 Prozent der Haushalte für Glasfaser, in Bad Bevensen-Mitte 60,2 Prozent. Sie zahlen künftig 40 Euro im Monat für 100 Mbit/s oder 50 Euro für 200 Mbit/s.

Der Breitband-Experte Tomas Rudl von Netzpolitik.org betont die Vorteile für die Verbraucher: Anders als die meisten Kupferleitungen bringen Glasfaseranschlüsse im Alltag stets die versprochene Bandbreite. Auch aus Sicht der Steuerzahler sei das Uelzener Modell sinnvoller, meint Rudl. „In fünf bis zehn Jahren werden weitere Förderprogramme nötig sein, um auch in den restlichen Gebieten Glasfaserleitungen bis ins Haus zu legen“, prophezeit er.

Der aktuelle Stand

Derzeit haben 76 Prozent der Haushalte in Niedersachsen 50 MBit/s oder mehr zur Verfügung. Im Vergleich mit anderen Flächenbundesländern ist das laut dem Breitbandatlas der Bundesregierung mittelmäßig: Niedersachsen liegt auf dem sechsten Platz hinter Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hessen, Baden-Württemberg und dem Saarland. Rund 12 Prozent der Haushalte müssen sich mit 16 MBit/s oder weniger begnügen – in dieser Disziplin landet Niedersachsen auf dem siebten Platz der Flächenländer.

Von Christian Wölbert

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