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00:40 28.05.2018
Vom Bulli zum California: In Hannover-Limmer wird das Camper-Modell zusammengebaut – 100.000 Stück sind es inzwischen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Wenn Fertigungsleiter Sebastian Schneider erklärt, wie Volkswagens Urlaubsmobil California entsteht, klingt das ein bisschen dick aufgetragen. „Es ist eine ganz besondere Fertigung mit ganz viel Handarbeit und ganz besonderen Mitarbeitern“, schwärmt der jungenhaft wirkende Manager vor dem Rundgang durch das Werk in Hannover-Limmer. 300 Mitarbeiter bauen nackte Bullis hier zu Campern mit zwei Betten aus.

Von der Campingbox bis zum #Vanlife: Die Geschichte des California

Die Geschichte des California geht zurück bis in die 50er-Jahre. Ein britischer Besatzungsoffizier orderte beim Ausbauspezialisten Westfalia eine maßgeschneiderte „Campingbox“ für seinen Bulli – eine herausnehmbare Kombination aus Bettpolstern und Schränken für den Wochenendtrip mit Übernachtung im Auto.

Die Westfalia-Ausbauten wurden danach immer ausgefeilter, aber auch immer teurer. 1988 führte VW einen günstigeren Camping-Bulli unter dem Namen California ein. Der Einstiegspreis lag bei 39.900 Mark, dank größerer Stückzahl und weniger Schnickschnack.

Ausgebaut wurde das Modell anfangs von Westfalia in Rheda-Wiedenbrück. Anfang der 2000er Jahre übernahm Daimler die Mehrheit an dem Ausbauer. VW richtete daraufhin eine eigene Fertigung in Hannover-Limmer ein – im großen Werk in Stöcken gab es nicht genug Platz. Ein Ende des Camping-Trends ist nicht in Sicht. Die Millenials zelebrieren das Reisen im Bulli noch eifriger als ihre Eltern, unter dem Hashtag #Vanlife auch gerne öffentlich auf Instagram und Facebook.

Nach der Führung kann man sagen: Die California-Fertigung von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) hat tatsächlich ihre Besonderheiten. Roboter sucht man hier vergebens. Stattdessen trifft man auf Menschen, die „Küchengeschränk“ aus 270 Einzelteilen zusammenschrauben und -nieten. Außer Mechatronikern arbeiten hier auch Tischler, Elektriker oder Gas-Wasser-Installateure. Viele Arbeitsschritte dauern nicht nur Sekunden, sondern Minuten, in einigen Bereichen sogar Stunden.

Extras ohne Ende

Anlass der Führung ist die Auslieferung des einhunderttausendsten California aus dem Werk in Limmer. VWN kann sich aber auch über steigende Nachfrage freuen. 2004 bauten rund 60 Mitarbeiter 2000 „Cali“, 2017 waren es 300 Mitarbeiter und gut 15.000 Fahrzeuge. Der Urlaubs-Bulli sichert Arbeitsplätze und macht Hoffnung auf weiteres Wachstum.

„Hannover ist und bleibt Bulli-Standort, dazu gehört auch der California, als ganz besonderes Fahrzeug“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Bertina Murkovic zum Jubiläum, und lobt das „Können und Erfahrungswissen“ der Mitarbeiter. Auch VWN-Chef Eckhard Scholz dankt der Belegschaft: „Dieser Erfolg ist in erster Linie Ihr Erfolg.“

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass Roboter in Limmer keine Rolle spielen: Das kleine Werk produziert den California nicht von Grund auf, sondern nutzt den Bulli aus dem VWN-Stammwerk in Stöcken als Basis. Die Fahrzeuge werden – ohne Dach, mit leerem Rückraum – auf LKW von Stöcken nach Limmer gebracht und dort ausgebaut.

Zweitens ist der Individualisierungsgrad hoch: Die lange Ausstattungsliste lässt Camperherzen höherschlagen, beschert VWN satte Umsätze und den Mitarbeitern abwechslungsreiche Aufgaben. Dazubestellen kann man zum Beispiel einen elektrohydraulischen Antrieb für das Aufstelldach (1862,35 Euro), einen Anschluss für eine Außendusche (321,30 Euro) oder das „Innenleuchtenkonzept Camper Komfort Plus“ (821,10 Euro).

Stühle in der Heckklappe

Selbst bei äußerster Zurückhaltung wird es teuer. Das Basismodell mit zwei Betten, aber ohne Küche kostet mindestens 43.000 Euro und damit 13.000 Euro mehr als der günstigste Familien-Bulli (Multivan). Handarbeit hat eben ihren Preis. Und der Markt gibt VW recht: Das Konkurrenzmodell von Daimler, der Marco Polo, verkauft sich lange nicht so gut wie der California.

Für die Dachmontage habe man den Einsatz von Robotern sogar durchgespielt, berichtet Sebastian Schneider. Am Ende habe man die Idee aber verworfen. „Wir brauchen das Know-how der Mitarbeiter.“

Stolz ist der Fertigungsleiter auch auf die Ideen der Entwickler. Am Ende des Rundgangs präsentiert er an einem fertigen California sein Lieblings-Detail – die Camping-Faltstühle, die in der Heckklappe stecken. Die guten Nachrichten für die Kunden: Das spart wertvollen Platz im Innenraum. Und die Stühle sind sogar beim Basismodell inklusive.

Von Christian Wölbert

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