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Wirtschaft Wie Hannover zur Messestadt wurde
Nachrichten Wirtschaft Wie Hannover zur Messestadt wurde
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00:16 18.08.2017
Rekordhalter: Die Deutsche Messe verfügt in Hannover über das größte Ausstellungsgelände der Welt.  Quelle: Thomas Koy/Deutsche Messe
Hannover

Am 16. August 1947 wurde die „Deutsche Messe- und Ausstellungs-AG“ in das Handelsregister der Stadt Hannover eingetragen. Heute, 70 Jahre später, betreibt die Messe als Tochtergesellschaft von Stadt, Region und Land das größte Messegelände der Welt - vor Shanghai und Frankfurt. Die meisten ausländischen Aussteller auf der Hannover Messe kommen mittlerweile aus China, und die IT-Messe Cebit will sich als Sommerfestival für die Digitalbranche neu erfinden. Auf dem Weg dort hin ist viel passiert:

1947: Die britische Militärregierung will die Wirtschaft in ihrer Besatzungszone ankurbeln, damit das Gebiet den Alliierten nicht zur Last fällt. Nur vier Monate nach der Idee, eine Messegesellschaft zu etablieren, am 18. August, öffnet die erste „Export-Messe“ in fünf Hallen. 1300 deutsche Aussteller zeigen ein Sammelsurium, das von Dieselmotoren über Kinderwagen bis zu Radios reicht. Hauptsache, die Produkte lassen sich gut im In- und Ausland verkaufen. Fast 750.000 Besucher kommen.

Mehr zum Thema Messe lesen Sie in unserem digitalen Dossier.

1949: Schon zwei Jahre nach dem Beginn der Aktivitäten ist der Ansturm so groß, dass die Messe zweigeteilt wird: in eine allgemeine Konsumgüterschau im April und eine Industrieschau im Mai. 1950 präsentieren sich schon Aussteller aus zehn Ländern in Hannover. In den folgenden Wirtschaftswunderjahren boomen die deutsche Industrie und die Messe gemeinsam. Die Autobranche wandert allerdings nach Frankfurt ab.

1961: Die Industriemesse heißt nun Hannover Messe. Bereits jetzt stehen Computer in den Hallen, allerdings sind sie noch zimmergroß.

1967: DDR-Handelsminister Horst Sölle besucht die Hannover Messe und verhandelt mit niedersächsischen Politikern. Es ist das erste Mal, dass ein ostdeutscher Minister die Bundesrepublik besucht. In den folgenden Jahrzehnten wird auf der Messe immer wieder auch internationale Politik gemacht.

1975: Nach dem Ölpreis-Schock bleiben zwei Hallen auf der Hannover Messe leer, 1978 sogar vier. Die Bürotechnik legt zwar weiter zu. Das reicht aber noch nicht, um das Messegelände zu füllen.

1986: In den Achtzigerjahren wächst die Hannover Messe auf mehr als 800 000 Besucher und bringt die Stadt an ihre Grenzen. 1984 fällt die Entscheidung, die Bürotechnik als eigene Messe auszulagern. Das Konzept geht auf: 1986 locken Cebit und Hannover Messe gemeinsam mehr Zuschauer an als zuvor die Hannover Messe allein. Zu sehen sind auf der Cebit Heimcomputer wie der „Amiga 1000“ für „nur“ 3100 D-Mark. In den nächsten Jahren wächst die Computermesse so stark, dass auch sie geteilt wird: Die Cebit Home für Privatbesucher entsteht.

2002: Die Rekordzahl von 860.000 Menschen besucht die Cebit, aber die Internet-Blase ist schon geplatzt. Immer mehr Aussteller springen ab. „Die Deutsche Messe AG muss zum ersten Mal in ihrer Geschichte sparen“, schreibt die HAZ. Ein Messesprecher erklärt, dass die Büros nur noch zwei Mal in der Woche gereinigt würden statt täglich.

2009: Land Niedersachsen und Stadt Hannover stellen 250 Millionen Euro frisches Kapital zur Verfügung, um die Messegesellschaft zu unterstützen. Sie hat Spielraum, in der Bilanz den Wert des Geländes an die geschrumpften Messen anzupassen: von 371 auf 173 Millionen Euro. Nicht nur Abschreibungen belasten das Unternehmen, auch das Tagesgeschäft läuft mäßig. Im Geschäftsjahr 2009 schreibt es 221 Millionen Euro Verlust.

2011: Die Hannover Messe trommelt für „Industrie 4.0“. Das Schlagwort für vernetzte Maschinen setzt sich durch. Und in den folgenden Jahren wächst die Industrieschau wieder. 2017 kommen 225 000 Besucher. Das ist zwar weit von alten Zahlen entfernt - aber immerhin sind die Hallen ausgebucht. Auch die Landtechnik-Messe Agritechnica lastet das Gelände voll aus.

Fischbrötchen für alle: So feiert die Messe

Am Mittwoch um 14.15 Uhr am Kröpcke lädt die Messe die Hannoveraner auf ein Stück Geburtstagstorte und Muffins ein. Zudem ist ein Fischbrötchen-Wagen vor Ort – wie 1947 auf der ersten Messe. Neben den Messe-Chefs haben sich auch Ministerpräsident Stephan Weil, Wirtschaftsminister Olaf Lies und Oberbürgermeister Stefan Schostok angekündigt.

Am Sonnabend ist „Tag der offenen Tür“ auf dem Messegelände. Das Unternehmen gewährt von 13 bis 18 Uhr Einblicke auch hinter die Kulissen. Außerdem gibt es eine Bühne mit Musik und Unterhaltung. Der Eintritt ist frei.  

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