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Wirtschaft VW will sich Rohstoffe
 für Elektroautos sichern
Nachrichten Wirtschaft VW will sich Rohstoffe
 für Elektroautos sichern
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00:17 16.08.2017
Derzeit ist es noch eine Pilotanlage – doch Bolivien will den Abbau von Lithium intensivieren. Der Preis ist bereits stark gestiegen. Quelle: dpa
Hannover

Bereits heute würden VW-Mitarbeiter in Argentinien die Geschäftsbeziehungen zu Lithium-Förderunternehmen „auf- und ausbauen“, sagte Sedran dem „Handelsblatt“. „Wir könnten eigene Verträge unmittelbar mit Lithium-Produzenten abschließen“, sagte er zudem. Lithium ist ein unverzichtbarer Rohstoff für Batterien von Elektroautos.

Sedran befürchtet zwar nicht, dass die Lithium-Vorräte in absehbarer Zeit zur Neige gehen. VW müsse sich aber langfristig absichern. Außerdem müssten neue Vorkommen erschlossen werden, um den steigenden Bedarf abzudecken.
An der Batterieproduktion sind zahlreiche Firmen beteiligt: Minen fördern die Rohstoffe. Es folgen Raffinerien sowie Hersteller von Kathodenmaterial und Batteriezellen. Die Automobilhersteller stehen am Ende dieser Kette und arbeiten normalerweise nur mit Zellherstellern zusammen. Zum Beispiel betreibt Tesla seine sogenannte Gigafactory in den USA gemeinsam mit Panasonic.

„Kooperationen mit Rohstofflieferanten sind in der Automobilbranche noch nicht gang und gäbe“, sagt Wolfgang Bernhart, Automobilexperte der Beratungsfirma Roland Berger. Die Absicherung der Versorgung sei aber wichtig. „Bei Rohstoffen sind erhebliche Preisausschläge möglich, die Batteriezellen spürbar verteuern können.“ Außerdem forciere China seine Bemühungen, Rohstoffe für die dortige Industrie zu sichern.

Beteiligungen an Bergbauunternehmen bezeichnet Bernhart als anspruchsvoll. „Das setzt voraus, dass man sich in dem Geschäft auskennt.“ Autohersteller könnten Mengen und Preise auch durch Abnahmevereinbarungen sichern.

Kritisch: Kobalt und Grafit

Das Industrie- und Forschungsgremium „Nationale Plattform Elektromobilität“ sieht in einer Studie zur Batterieproduktion die Versorgung mit Lithium als „leicht kritisch“ an. Bei Grafit und Kobalt sei die Lage allerdings „sehr kritisch“. Grafit werde fast ausschließlich in China gefördert, Kobalt vor allem in China und dem Kongo. Für Kobalt sei „ein Angebotsdefizit schon vor 2020 möglich“. Kobalt und Grafit sind ebenfalls wichtige Rohstoffe für Batterien. Auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe warnte vor Kurzem vor möglichen „Lieferengpässen und Preisrisiken“ für Kobalt. VW beantwortete Fragen der HAZ zur Sicherung der Versorgung mit diesen Rohstoffen nicht.

Batterieproduktion mit Partner?

VW-Strategiechef Thomas Sedran berichtete im „Handelsblatt“ über Verhandlungen des Autobauers mit Herstellern von Batteriezellen über „strategische Partnerschaften sowie auch gemeinsame Fertigungen“. Als Beispiele nannte er Samsung, LG und Panasonic.

VW prüft seit Längerem den Einstieg in die Produktion von Batteriezellen und will am Standort Salzgitter erste Erfahrungen sammeln. Politik und Gewerkschaften fordern eine deutsche Zellfertigung, die VW-Spitze befürchtet aber, dass sich die Investition nicht rechnet. Eine gemeinsame Fabrik mit einem Spezialisten – wie bei Tesla und Panasonic – würde für VW Kosten und Risiken reduzieren. „Für Anbieter wie Samsung, LG oder Panasonic arbeiten Tausende von Chemikern in der Zellentwicklung“, betonte Sedran.     

Lithium - das weiße Gold?

Von den Rohstoffen, die für E-Autos wichtig sind, ist Lithium der bekannteste. Er gibt der Lithium-Ionen-Batterie ihren Namen und ist unverzichtbar für große Reichweiten beim Fahren. Im Vergleich zu anderen Rohstoffen ist Lithium allerdings keineswegs knapp. Die Hauptförderländer Chile, Argentinien und Australien haben noch gigantische Reserven. Die weltweit größten Vorräte in Bolivien werden bislang nur versuchsweise ausgebeutet – das Land will den Abbau im Salzsee von Uyuni jedoch intensivieren und auch in die Batterieproduktion einsteigen.

Aufgrund der steigenden Nachfrage hat sich der Preis für das Akkumaterial Lithiumcarbonat seit Jahresanfang zwar verdoppelt, doch das betrifft viele Kunden nicht. „Über 80 Prozent unseres Volumens unterliegt langfristigen Vereinbarungen mit unseren Kunden“, erklärt Albemarle, der führende Produzent von Lithium-Verbindungen. Der US-Konzern fördert Lithium in Chile und verarbeitet es unter anderem in Langelsheim im Harz.     

Von Christian Wölbert

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