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Wirtschaft In Emden wächst die Sorge um den Passat
Nachrichten Wirtschaft In Emden wächst die Sorge um den Passat
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16:00 26.10.2018
Teile eines VW Passat werden im Karosseriewerk im Werk Emden von Robotern zusammengefügt. Quelle: dpa
Hannover

Für die Aktionäre klingt das nach einer guten Nachricht: Bis 2025 soll jeder zweite verkaufte Volkswagen ein SUV sein. Da die Geländewagen für die Stadt höhere Margen abwerfen als als andere Modelle, könnte das den Gewinn nach oben treiben. Für die Beschäftigten im Emder VW-Werk hingegen stellt die Ankündigung ihre Jobs in Frage. Seit 40 Jahren wird an der Küste der Passat gebaut – doch wie lange noch?

Nach dem gestrigen Freitag stehen in Emden die Bänder auch am Montag und Dienstag erneut still, weil immer weniger Kunden das vom Konzern als „Weltbeststeller“ angepriesene Modell bestellen. Damit kommt das Werk in diesem Jahr bereits auf 19 Tage Kurzarbeit. An der Küste wachsen die Sorgen: Mit 7500 Beschäftigten in der Stammbelegschaft, 2000 Mitarbeiter von Tochterfirmen und 1000 Leiharbeitern ist VW der größte industrielle Arbeitgeber in Ostfriesland.

Mehr als 25 Millionen Passat hat Volkswagen seit dem Produktionsstart 1973 verkauft – inzwischen ist die achte Generation auf dem Markt. „Wir sind mit dem Passat führend in dieser Limousinen-Klasse“, sagt ein VW-Sprecher. „Aber die Klasse selbst schrumpft, weil die Kunden SUV bevorzugen." Noch vor zehn Jahren war jeder fünfte verkaufte VW ein Passat, heute ist es nur noch jeder zehnte. „Dieses Modell wird keine unendliche Geschichte haben“, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. „Wenn das in diesem Tempo weiter geht, dann ist der Passat bald passé.“

Die Zahl der Neuzulassungen von „Sport Utility Vehicle“ (SUV) ist in Deutschland von 2013 bis 2017 um 112 Prozent auf mehr als 521.000 gestiegen. Die Pkw-Neuzulassungen insgesamt erhöhten sich in diesem Zeitraum nur um 17 Prozent. Beim Passat lassen sich die Zahlen schwer vergleichen, weil 2015 die neuesten Varianten auf den Markt kamen. Seither sind die Verkäufe von rund 95.000 Stück um rund ein Fünftel gesunken. Weltweit wurden 2017 rund 660.000 Modelle des Passat und seines chinesischen Pendants Magotan verkauft, im Vorjahr waren es knapp 712.000.

„Früher war der Passat mal eine Ikone“, sagt der Direktor des Auto-Instituts in Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel: „Großer Laderaum, hohe Qualität – im Grunde ein Golf in größerer Form.“ Neun von zehn Kunden kaufen das Modell als Kombi (Variant), nur in der Türkei war der Passat vor allem als Limousine beliebt: Bis zum Einbruch der Lira stand die Fließheck-Variante am Bosporus zwischenzeitlich für 40 Prozent aller VW-Zulassungen. „In Deutschland schwindet der Kombi dahin“, sagt Bratzel. Immer mehr Kunden steigen auf einen SUV um.

Das bekommt nicht nur VW zu spüren: Auch bei den etablierten Mittelklasse-Limousinen der Konkurrenten stagnieren oder sinken die Verkaufszahlen. Für den Passat könnte es künftig sogar noch schneller abwärts gehen, glaubt Dudenhöffer: „Das ist ein klassischer Firmenwagen, da ist die SUV-Welle bisher noch gar nicht richtig angekommen.“ Auch deshalb mache sich der Emder Betriebsrat schon länger dafür stark, den Passat stärker als Familien-Auto zu vermarkten, sagt der Vorsitzende Manfred Wulff – bisher aber ohne Erfolg: „Wir haben einen richtig dicken Hals, weil der Vertrieb zu wenig Werbung macht.“

In diesem Jahr sollten in Emden ursprünglich 251.000 Autos vom Band laufen, bis Ende Dezember werden nun voraussichtlich nur 229.000 Fahrzeuge das Werk verlassen – 2017 wurden noch rund 256.000 Modelle produziert.

Ihre Hoffnungen setzen die Arbeitnehmervertreter in den „Zukunftspakt“, in dem neben deutlichen Zuwächsen bei der Produktivität und dem Abbau von 23.000 Stellen in Deutschland auch höhere Stückzahlen für die einzelnen Werke festgeschrieben sind – für Emden steht dort für 2020 die Zielzahl von 290.000 Fahrzeugen.

Aktuell werden in dem 1964 gegründeten Werk der Passat als Limousine und Kombi sowie das Coupé Arteon gebaut. In zwei Jahren soll die Arteon-Abwandlung „Shooting Brake“ dazukommen – doch dabei gehe es um kleine Stückzahlen, heißt es. Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh drängt deshalb auf ein fünftes Modell für den Standort: „Für uns ist völlig klar, dass die Unternehmensleitung endlich eine anständige Auslastung in Emden herstellen muss."

Von Jens Heitmann

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