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Nachrichten Wirtschaft Hitze verhilft Mehrum zu Produktionsrekord
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00:18 03.08.2018
Das Kohlekraftwerk Mehrum bei Peine profitiert von seiner Lage am Mittellandkanal. Quelle: dpa
Hannover

Während Kraftwerke quer durch Europa ihre Leistungen wegen der Hitze drosseln müssen, produziert der Kohlemeiler in Mehrum (Kreis Peine) am oberen Limit. „Wir laufen volle Pulle“, sagte ein Unternehmenssprecher des Betreibers EPH. Im Juli habe die Anlage 350 Gigawattstunden Strom erzeugt – so viel wie in keinem Sommermonat der vergangenen zehn Jahre. Mehrum bezieht sein Kühlwasser aus dem Mittellandkanal – und dieser sei vergleichsweise gut gefüllt, hieß es in Mehrum.

Kraftwerke an Flüssen können ihre Kapazität derzeit oft nicht ausschöpfen. Das AKW Grohnde nahe Hameln läuft nach Angaben der Preussenelektra aktuell mit einer Kapazität von 1240 bis 1280 Megawatt – technisch möglich wären 1360 Megawatt. Weil das Wasser aus der Weser derzeit deutlich wärmer ist als üblich, arbeite der Kondensator nicht so effektiv, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Darüber hinaus müssen die Betreiber Rücksicht auf die Fische nehmen: „Umso wärmer das Wasser in den Flüssen wird, umso geringer ist der Sauerstoff“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover. Deshalb dürfe das Kühlwasser, das die Kraftwerke in die Flüsse leiteten, bestimmte Höchstwerte nicht überschreiten. In Grohne liegt die Grenze bei 28 Grad – diese sei noch nicht erreicht, hieß es. Das Kühlwasser aus dem Atomkraftwerk Emsland darf höchstens eine Temperatur von 31 Grad erreichen, wenn es in die Ems fließt.

Auch die Stadtwerke Hannover mussten die Leistung ihrer Kraftwerke in Linden und Stöcken etwas zurückfahren – das habe aber mit der technischen Prozessen innerhalb der Anlagen zu tun und nicht mit dem Kühlwasser, sagte ein Enercity-Sprecher. Im Gaskraftwerk Linden führten die hohen Außentemperaturen zu einem schlechteren Vakuum im Turbinenprozess, das für optimale Bedingungen bei der Kondensation im Wasser-Dampfkreislauf sorge. Daraus resultiere eine Leistungsminderung „im niedrigen einstelligen Bereich“.

Beim Kohlemeiler in Stöcken sorgt der Kühlturm für Einschränkungen. Das Wasser kommt per Leitung vom Standort des stillgelegten Heizkraftwerkes in Herrenhausen – aufgrund der Hitze operiere der Kühlturm an seiner technisch bedingten Leistungsgrenze, „so dass wir hier nicht mehr Volllast fahren können“, sagte der Sprecher. „Unsere Leistung wird dadurch auf 120 Megawatt begrenzt.“

Generell seien Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen jedoch im Vorteil, hieß es bei Enercity. Sie hätten einen geringeren Bedarf an Kühlwasser, weil sie die Primärenergie besser ausnutzten als Großkraftwerke. Zudem sei die Temperatur von Leine und Ihme nach den Regenfällen vom Wochenende gesunken, da wieder mehr Wasser fließe.

Insgesamt haben die hohen Temperaturen und die sinkenden Wasserstände der Flüsse nach Einschätzung der Bundesnetzagentur die Stromversorgung in Deutschland bislang aber nur wenig beeinträchtigt. „Es ist alles im grünen Bereich“, sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde.

Solaranlagen bringt der Supersommer einen reichen Ertrag, auch Windkraft läuft gut. Im ersten Halbjahr 2018 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten deutschen Energieverbrauch bei 14 Prozent, nach 13,32 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Nach einer Bilanz des Netzbetreibers 50Hertz stieg die produzierte Menge an Solarenergie im Norden und Osten Deutschlands im Vergleich der ersten Halbjahre 2017 und 2018 um 21,7 Prozent auf 5876 Gigawattstunden. Windräder erzeugten 16 562 Gigawattstunden Strom, das sind 9,9 Prozent mehr.

Von Jens Heitmann und Irene Güttel

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