Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Warum haben Sie 180 Stellen gestrichen, Herr Sennheiser?
Nachrichten Wirtschaft Warum haben Sie 180 Stellen gestrichen, Herr Sennheiser?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:34 28.03.2018
Die Brüder Daniel und Dr. Andreas Sennheiser, CEOs des gleichnamigen Elektronikherstellers. Quelle: Philipp von Ditfurth
Anzeige
Hannover

 Daniel und Andreas Sennheiser begründen im Interview , warum sie in ihrem Unternehmen Stellen gestrichen haben – und erklären, mit welchen Produkten sie künftig Geld verdienen wollen. 

Andreas Sennheiser, Daniel Sennheiser, Sie haben in den vergangenen Monaten 180 Stellen gestrichen. Warum war das nötig? 

D. Sennheiser: Wir waren zu komplex aufgestellt und zu langsam. Deshalb konnten wir zuletzt nicht vom Wachstum im Kopfhörer-Markt profitieren. 

A. Sennheiser: Es ging nicht nur darum, Kosten zu sparen. Dieser Effekt wäre schnell verpufft. Wir haben die Strukturen auch gestrafft, um schneller zu werden. 

Warum sind Sie mit weniger Mitarbeitern schneller? 

A. Sennheiser: Wir hatten zum Beispiel in der Consumer-Division drei Unterabteilungen für Bereiche des Kopfhörermarktes, die sich in der Praxis aber oft in die Quere kamen. Die haben wir zusammengefasst. 

D. Sennheiser: Wir hatten auch zu viele Produkte – allein 360 Kopfhörermodelle. Wie das eben so ist: Über die Jahre kommen immer mehr Spezialvarianten zusammen, und das Portfolio wächst immer mehr. Am Ende konnte man selbst Experten die Unterschiede nicht mehr erklären. Wir haben das massiv verschlankt. Jetzt sind es unter 150 Kopfhörer. Deshalb gibt es auch weniger Projekte für unsere Mitarbeiter. 

Die Art des Stellenabbaus hat Ihnen viel Kritik eingebracht: Mitarbeiter mussten über Monate zittern, bis sie Klarheit hatten. Warum haben Sie nicht offener kommuniziert? 

A. Sennheiser: Es wäre nicht richtig gewesen, eine Liste festzulegen und allen gleichzeitig zu sagen: Ihr seid raus. Wir wollten uns jede einzelne Situation genau ansehen und in jedem Fall im Einzelgespräch eine sozialverträgliche Lösung finden. Deswegen hat es sechs Monate gedauert. Das haben wir den Mitarbeitern auch von Anfang an gesagt. 

Bei Mitarbeitern kam außerdem schlecht an, dass Sie eine Auszeichnung als „Unternehmer des Jahres“ angenommen haben – in der Woche, als der Stellenabbau bekannt wurde. Würden Sie das erneut tun? 

D. Sennheiser: Wir haben uns für den Preis nicht beworben. Zum Unternehmertum gehört es aber auch, schwierige Entscheidungen zu treffen. Unsere Aufgabe ist es, langfristig die Arbeitsplätze der meisten Mitarbeiter zu sichern. 

Das heißt also, für die absehbare Zukunft sind die Jobs bei Sennheiser sicher? 

D. Sennheiser: Der Stellenabbau ist abgeschlossen. Mit der neuen Struktur haben wir uns zumindest für die nächsten fünf Jahre richtig aufgestellt, mit klarem Fokus auf den Kunden. 

Mit welchen Produkten wollen Sie nun wieder wachsen? 

A. Sennheiser: Die Business-Kommunikation – zum Beispiel Audiotechnik für Konferenzräume – wird einen höheren Stellenwert haben als heute. In der Welt der Verbraucher werden unsere Produkte voll vernetzt sein. Und beim dreidimensionalen Klang sind wir das einzige Unternehmen, das von der Aufnahme bis zur Wiedergabe den kompletten Ablauf abdecken kann. Das tun wir mit unserer Marke Ambeo. 

Beim 3D-Klang höre ich Töne wie im echten Leben, also von den Seiten, von oben und von unten. Aber die allermeisten Menschen sind doch mit Stereo mehr als zufrieden. 

A. Sennheiser: 3D Audio ist wie eine gute Flasche Wein. Man muss es probiert haben, um es voll zu erfassen. 

Und wie können Sie damit Geld verdienen? 

A. Sennheiser: Stellen Sie sich vor, Sie zeichnen ein Fußballspiel aus 150 Perspektiven auf. Und Sie können sich nachher überlegen, ob Sie sich ins Tor stellen oder in den Mittelkreis. Oder einen Kinofilm, in dem Sie sich als Zuschauer frei bewegen können. Dafür brauchen sie neue Audio-Aufnahmetechnik und neue Wiedergabemöglichkeiten, zum Beispiel Augmented-Reality-Brillen mit 3D-Audio-Technik. Das ist noch Zukunftsmusik. Aber wir sind bekannt dafür, dass wir so etwas möglich machen. Wir arbeiten zum Beispiel mit den führenden Herstellern solcher Brillen zusammen. 

Es gibt schon heute ähnliche Brillen, zum Beispiel für Spiele. Der Ton interessiert die Spieler dabei aber kaum. 

D. Sennheiser: Als Konsument muss ich wissen, wo in 3D-Welten die Aktion passiert, wo ich hinschauen muss. Dafür braucht man eine korrekte Darstellung des Audiosignals. So funktioniert unser Gehirn. 

Bei solchen Techniken gibt es immer ein Henne-Ei-Problem. Solange es keine passenden Filme oder Spiele gibt, lohnt sich der Kauf passender Geräte nicht. 

A. Sennheiser: Das ist eines unserer Arbeitsfelder. Zum Beispiel versuchen wir, Musik-Streaming-Dienste zu überzeugen, außer Stereo auch 3D-Audio anzubieten. Wir arbeiten auch mit Filmstudios und Orchestern zusammen. 

Wie wollen Sie im Kopfhörer-Markt gegen größere Konkurrenten wie Sony oder Apple mit seiner Marke Beats bestehen? 

D. Sennheiser: Mit unserem neuen Werk in Rumänien werden wir unabhängiger von chinesischen Auftragslieferanten. Dadurch können wir schneller auf Trends reagieren. Bislang müssen wir im Mai festlegen, was wir im Weihnachtsgeschäft verkaufen wollen. Die Welt dreht sich aber mittlerweile schneller. 

Und wie verändern sich die Kopfhörer? 

A. Sennheiser: Als nächstes wird die Vernetzung der entscheidende Wettbewerbsfaktor. In absehbarer Zukunft werden wir Sprachassistenten integrieren. Der Kopfhörer wird dann zur Mensch-Maschine-Schnittstelle. 

Ich kommuniziere dann also nicht mehr über mein Handy oder einen Lautsprecher mit Amazons Alexa und Apples Siri, sondern über einen Kopfhörer? 

D. Sennheiser: Genau. Namen nennen wir aber noch nicht. Es gibt momentan fünf wichtige Sprachassistenten. Mit mindestens 3 oder 4 davon werden wir uns verbinden.

Zur Person

Die Brüder Daniel und Andreas Sennheiser führen das gleichnamige Familienunternehmen seit 2013 als gleichberechtigte Chefs. Ihr Großvater Fritz hatte die Firma im Jahr 1945 in der Wedemark gegründet. Ihr Vater Jörg führte das Unternehmen von 1982 an. Daniel Sennheiser wurde 1973 in Zürich geboren. Er studierte Produktdesign in der Schweiz und in Kalifornien. Vor seinem Einstieg bei Sennheiser arbeitete er bei mehreren Marketingagenturen sowie für den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Der ein Jahr jüngere Andreas Sennheiser studierte in Zürich Produktionswissenschaften und wurde mit einer Arbeit über „Supply-Chain-Management“ promoviert. Anschließend war er für den Liechtensteiner Werkzeughersteller Hilti tätig.

Von Christian Wölbert

Der Honig in deutschen Supermärkten kommt zum Großteil nicht von deutschen Imkern. Immer mehr wird importiert. Fast die Hälfte des hier verzehrten Honigs stammt aus drei Ländern außerhalb der Europäischen Union.

25.03.2018

Mehr als 1,4 Millionen Rentner hatten 2016 in Deutschland einen Job. Damit hat sich die Anzahl der Erwerbstätigen Senioren in den letzten 16 Jahren mehr als verdoppelt.

25.03.2018

Ein britisches Gericht hat die Durchsuchung der Londoner Zentrale der Beratungsfirma Cambridge Analytica angeordnet. Ermittler betraten noch am Freitagabend die Geschäftsräume. Der Daten-Skandal lässt auch den prominenten Unternehmer Elon Musk nicht kalt.

24.03.2018
Anzeige