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Wirtschaft Duderstadt stoppt die Vierer-Fusion
Nachrichten Wirtschaft Duderstadt stoppt die Vierer-Fusion
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00:21 08.12.2018
Im Oktober war der Göttinger Landrat Bernhard Reuter noch optimistisch, dass die Fusion der Sparkassen reibungslos über die Bühne geht. Jetzt ist er „maßlos enttäuscht“. Quelle: Niklas Richter
Hannover

Die CDU im Göttinger Kreistag war sich ihrer Sache im März noch sehr sicher: „Die geplante Fusion der vier Sparkassen im Landkreis ist ein Gebot der Stunde“, erklärte Fraktionschef Harald Noack seinerzeit. Der Zusammenschluss der Häuser in Bad Sachsa, Osterode, Duderstadt und Hann. Münden sei „die zutreffende Antwort auf die überbordende Regulatorik durch Gesetzgebung und Bundesaufsicht für die Finanzdienstleistungsaufsicht, die Niedrigzinsphase, die Digitalisierung und die Veränderungen des Kundenverhaltens“ – und habe damit Vorbildcharakter über Südniedersachsen hinaus.

Doch die Christdemokraten hatten die Rechnung ohne ihre Parteifreunde im Eichsfeld gemacht. Am Dienstagabend lehnte der Duder­städter Rat mit überwältigender Mehrheit die Fusion ab: Nur drei von 35 Abgeordneten waren dafür. „Ich bin maßlos enttäuscht“, sagte der Göttinger Landrat Bernhard Reuter (SPD) am Mittwoch, auch weil sich die Sozialdemokraten dort dem Widerstand angeschlossen haben: „Die Fusionsvereinbarung war das Ergebnis eines intensiven neunmonatigen Verhandlungsprozesses.“

Im Göttinger Kreishaus ist die Überraschung über die einmütige Ablehnung aus Duderstadt auch deshalb so groß, weil deren Unterhändler zuvor sehr geschickt agiert hatten: So sollte die Stadt der wichtigste Standort der fusionierten Sparkasse werden und der örtliche Vorstandschef Uwe Hacke an die Spitze des vergrößerten Instituts rücken. Im Eichsfeld rümpfte man dennoch die Nase: „Hier geht es auch um landsmannschaftliche Gegebenheiten“, sagte der stellvertretende Landrat Lothar Koch (CDU). Viele könnten sich noch an die Kreisreform 1973 erinnern – da sei Duderstadt einer der großen Verlierer gewesen.

Die potenziellen Partner sehen noch andere Gründe: Die eigene Sparkasse sei für Duderstadt ein „hoher Identifikationsfaktor“, sagte ein Beteiligter: „Da werden Vereine unterstützt und Veranstaltungen gesponsert – und zu den Weihnachtsessen kommen die Honoratioren auch gern.“ Der Rat der Stadt habe bei seiner Entscheidung „lokalen Aspekten Vorrang eingeräumt, das ist zu respektieren“, heißt es in einer Erklärung des Landkreises: „Eine Abwägung mit den Vorteilen der Fusion für die Sparkassenstruktur und die übrigen betroffenen Sparkassen war bedauerlicherweise nicht ausschlaggebend.“

Mit einer Bilanzsumme von zuletzt 703 Millionen Euro und einem Jahresüberschuss von rund 3,3 Millionen Euro steht die Sparkasse Duderstadt vergleichsweise gut da. Bei den Schwester-Instituten hingegen sieht es schlechter aus: Osterode wies für 2017 bei einer Bilanzsumme von 808 Millionen Euro einen Gewinn von 300.000 Euro aus, in Hann. Münden blieben bei einer Bilanzsumme von 425 Millionen Euro unter dem Strich nur 56.000 Euro übrig, und in Bad Sachsa waren es bei 127 Millionen Euro Bilanzsumme am Jahresende 33.000 Euro.

Bad Sachsa hätte durch die Fusion sein Alleinstellungsmerkmal als kleinste Sparkasse Deutschlands eingebüßt – doch die eigentlichen Verlierer des gescheiterten Vorhabens sitzen nach übereinstimmender Einschätzung der Beobachter in Hann. Münden. Das dortige Institut sei „eigentlich ein Abwicklungsfall“, sagte ein Kenner des Hauses. Schon zwei oder drei Zahlungsausfälle bei größeren Krediten könnten diese Sparkasse in Schieflage bringen: „Und dann kommen noch die Abschreibungen für die Nord/LB dazu.“

Auch die unsichere Zukunft der Norddeutschen Landesbank habe bei den Überlegungen zur Fusion eine Rolle gespielt, hieß es in Göttingen. Die Sparkassen sind über ihren Verband mit 26 Prozent an der Nord/LB beteiligt, die wegen fauler Schiffskredite frisches Kapital benötigt. Derzeit suchen die Träger nach einem Investor von außen; noch vier Private-Equity-Häuser sind im Rennen. Wie immer dieser Poker ausgehe – die Sparkassen müssten sich auf erhebliche Wertberichtigungen einstellen, verlautete aus deren Lager.

Trotz der schlechten Ausgangslage gab es jedoch auch in Hann. Münden Widerstände gegen die Vierer-Fusion. „Jetzt sind die Gegner in der Pflicht, eine alternative Lösung zu präsentieren“, sagte Landrat Reuter. Die einzig realistische Option sei ein Zusammenschluss mit der deutlich größeren Sparkasse Göttingen, sagte ein Mitglied des Verwaltungsrates. „Aber so doof können die eigentlich nicht sein, einen solchen Sanierungsfall zu übernehmen.“

Von Jens Heitmann

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