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07:09 19.01.2016
Nordzucker-Werk Schladen: Geschädigte Unternehmen gehen von einem Preisaufschlag von 5 bis 10 Prozent aus. Fotos: dpa (2) Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Das Bundeskartellamt bestrafte die illegalen Umtriebe des Trios mit Bußgeldern von insgesamt 280 Millionen Euro. Weil Hersteller von Süßwaren, Konfitüren, Spirituosen oder Eiscreme wegen der Absprachen der Zuckerproduzenten jahrelang überhöhte Preise gezahlt haben, fordern viele von ihnen jetzt Schadensersatz.

Allein beim Landgericht Hannover sind sieben Klagen anhängig, wie die Justizbehörde der HAZ bestätigte. Namen der Kläger und Schadenssummen nannte das Gericht nicht. Branchenkenner berichten, dass auch der Süßwarenriese Storck (Merci, Dickmann’s) zu diesem Kreis gehöre. Die Hauptklage richte sich gegen Nordzucker. Schon seit Ende 2014 ist eine „kartellrechtliche Schadensersatz- und Auskunftsklage“ des Konfitürenherstellers Göbber aus Eystrup im Landkreis Nienburg gegen Nordzucker sowie Pfeifer & Langen anhängig. Streitwert: 7,7 Millionen Euro.

Bundesweit sind laut Insidern bislang rund zwei Dutzend Klagen von sich geschädigt sehenden Zuckerverarbeitern bei Gerichten eingegangen. Die Schadensersatzforderungen werden auf rund 400 Millionen Euro beziffert. Das wäre schon jetzt deutlich mehr als die Bußgeldsumme, von der allein auf Südzucker über 195 Millionen Euro entfielen. Nordzucker war aufgrund seiner frühzeitigen Kooperationsbereitschaft in dem Kartellverfahren mit einer Strafe von „weniger als 10 Millionen Euro“ glimpflich davongekommen.

Die Berechnung des Schadens, den die Unternehmen von den Zuckerkonzernen einklagen wollen, geht von einem Preisaufschlag des Kartells von 5 bis 10 Prozent aus, wie es heißt. Über die während der Preisabsprachen verkauften Mengen werde die Schadenssumme einschließlich Zinsen ermittelt.

Von Ende Januar an erwarten Branchenkenner eine weitere Klagewelle, weil in vielen Fällen Verjährungsfristen drohten. Immerhin haben mehr als 100 zuckerverarbeitende Firmen beim Bundeskartellamt Akteneinsicht beantragt, wie ein Sprecher sagte.

Nicht in allen Fällen dürfte es jedoch zu Klagen kommen. Nordzucker versucht, Klagen durch außergerichtliche Einigungen mit seinen Kunden abzuwenden. Mit einer „Vielzahl“ habe sich das Unternehmen geeinigt, hatte Konzernchef Hartwig Fuchs vor Monaten erklärt. Mit einer Klagewelle, die auf das Braunschweiger Unternehmen zurollt, rechnete Fuchs daher bislang nicht. Gestern war Nordzucker nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Alle drei Kartellanten seien auf Zuckerverarbeiter zugegangen, heißt es in der Branche. Oft seien Einigungen aber gescheitert, weil Kunden ein „Schuldeingeständnis“ der Konzerne verlangt und Südzucker und Co. nur „Peanuts“ als Schadensersatz angeboten hätten.

Keksbäcker Bahlsen 
überlegt noch

Sieht man sich die bisher bekannte Liste der Lebensmittelhersteller an, die gegen die Zuckerkonzerne Südzucker, Nordzucker und das Kölner Unternehmen Pfeifer & Langen klagen, fällt auf, dass die geforderten Schadensersatzsummen sehr unterschiedlich sind. Das hängt mit den Zuckermengen zusammen, die die Unternehmen bei den Herstellern während derer jahrelang unbemerkten Absprachen eingekauft haben.

Die bislang höchste Schadensersatzsumme von 118 Millionen Euro macht die „Zuckergeschädigten KG“ geltend. Darin haben die Molkereien Bauer und Ehrmann sowie das Lebensmittelunternehmen Zentis, das Konfitüren und Süßwaren herstellt, ihre Interessen gebündelt. Nestlé fordert 50 Millionen Euro, Katjes 37 Millionen, Lambertz 11,6 Millionen, Göbber 7,7 Millionen und Vivil 1,3 Millionen Euro. Eine Klage über eine Million Euro haben Krombacher und Schweppes gegen Pfeifer & Langen angestrengt. Der hannoversche Keksbäcker Bahlsen will in den nächsten Wochen entscheiden, ob er Klage erhebt, wie ein Unternehmenssprecher sagte.cb     

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