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Nachrichten Wirtschaft Sollte es eine Landarztquote für Medizinstudenten geben?
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00:15 17.07.2018
Versorgungsengpass in Sicht: Die Zahl der Hausärzte auf dem Land sinkt. Quelle: dpa
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Hannover

Es ist ein seltsamer Streit: Erst vor wenigen Monaten haben Sozial- und Christdemokraten im Koalitionsvertrag vereinbart, dass sie zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) mehr Mediziner aufs Land locken wollen, um drohende Engpässe in der ambulanten Versorgung abzuwenden. Zwei Jahre lang wollte die Landesregierung in Ruhe beobachten, ob diese Bemühungen Erfolg haben und dann „auf Basis dieser Ergebnisse entscheiden, ob weitere Maßnahmen hierfür notwendig sind“. Soweit der Plan – doch nun sind die Koalitionäre plötzlich auf Konflikt gebürstet: Die SPD-Fraktion fordert die Einführung einer „Landarztquote“, die Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) ablehnt.

Die Idee hinter der Quote ist einfach: Wer sich verpflichtet, sich nach dem Medizinstudium als Arzt auf dem Land niederzulassen, bekommt einen der begehrten Studienplätze. Der Bund und die Länder haben in ihrem „Masterplan Medizinstudium 2020“ beschlossen, dass ein Teil der Hochschulplätze in diesem Fach für künftige Landärzte reserviert werden darf. Als Vorreiter hat Nordrhein-Westfalen im Juni einen entsprechenden Gesetzentwurf präsentiert: Demnach sollen an Rhein und Ruhr vom Wintersemester 2019/20 an knapp 8 Prozent der Studienplätze an Anwärter gehen, die später für mindestens zehn Jahre aufs Land ziehen.

SPD macht Druck

Diese Konstellation ist für die niedersächsische SPD gleich doppelt attraktiv: Zum einen ist die Partei prinzipiell für die Landarztquote – zum anderen wird dieses Modell in Düsseldorf mit Karl-Josef Laumann von einem prominenten CDU-Gesundheitsminister vorangetrieben. Dessen Parteifreund Thümler müsse nur „mal zum Telefonhörer“ greifen, um sich von seiner „Blockadehaltung“ abbringen zu lassen, sagte SPD-Generalsekretär Alexander Saipa.

Doch Thümler bleibt bei seinen Gegenargumenten: „Zu erwarten, dass sich junge Menschen von 17 oder 18 Jahren gleich zu Beginn ihres Medizinstudiums – in der Regel ohne Praxiserfahrung – für zehn Jahre auf eine Fachrichtung und damit letztlich auch auf ein bestimmtes persönliches Umfeld festlegen, halte ich für fernab jeder Lebensrealität“, sagte der Minister. Diese Einschätzung teilen auch die FDP und die hiesige Ärztekammer. Deren Präsidentin Martina Wenker befürchtet, dass nicht alle, die sich dazu vertraglich verpflichten, nach ihrem Studium auch tatsächlich Landarzt werden – sie könnten sich aus dem Vertrag herauskaufen. Um das zu verhindern, ist in Nordrhein-Westfalen für solche Fälle eine Strafzahlung von 250.000 Euro vorgesehen.

Thümler ist für Freiwilligkeit

Thümler und die FDP plädieren stattdessen dafür, junge Mediziner über „positive Anreize“ für das Landleben zu gewinnen. Dieses Ansinnen teilt auch Gesundheitsministerin Carola Reimann. Die Sozialdemokratin hatte unlängst bei einer Tagung der der KVN unter anderem Stipendien für Medizinstudierende als Beispiel genannt, die sich im Anschluss als Landarzt niederlassen: „Das Programm wird sehr gut angenommen.“ Auch Initiativen vor Ort seien wichtig – wie etwa die der Landkreise Friesland und Wesermarsch, sich früh um Nachwuchsmediziner zu bemühen: Kommunen locken dort bereits während des Studiums Studierende mit Kurs- und Bildungsangeboten an die Küste und stellen ihnen Mentoren an die Seite. So soll eine enge Bindung entstehen. Darüber hinaus hält aber auch Reimann eine Landarztquote für nötig.

In der Staatskanzlei versucht man, den Streit in der Koalition zu glätten. Frühestens 2020 werde bei dem Thema eine Entscheidung fallen, hieß es am Freitag. Bis dahin sei ausreichend Zeit, um Erfahrungen zu sammeln – auch mit Blick auf Nordrhein-Westfalen.

Von Jens Heitmann

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