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Wirtschaft Ryanair steht vor hartem Streiksommer
Nachrichten Wirtschaft Ryanair steht vor hartem Streiksommer
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14:47 19.07.2018
Neue Erfahrung für Ryanair: Die Piloten streiken. Quelle: dpa
Frankfurt/Hannover

Wer am nächsten Mittwoch mit Ryanair von Weeze nach Malaga fliegen wollte, muss sich gedulden: Man müsse leider darauf hinweisen, dass der Flug „wegen eines überflüssigen Streiks des Kabinenpersonals“ gestrichen wurde, teilte die irische Gesellschaft ihren „lieben Kunden“ gestern mit. Ryanair habe alles dafür getan, den Ausstand der Crew abzuwenden – doch die Gewerkschaft sei hart geblieben, hieß es weiter. Die Passagiere können nun umbuchen oder bekommen ihr Geld für das Ticket zurück.

Nicht nur am Niederrhein bleiben enttäuschte Urlauber zurück: Für die kommende Woche hat Ryanair europaweit bis zu 600 Flüge abgesagt. Betroffen seien rund 50.000 Passagiere am Mittwoch und Donnerstag, wie das Unternehmen mitteilte. Es gehe an den beiden Tagen um je 200 Flüge von und nach Spanien sowie jeweils 50 für Portugal und Belgien – zusammen summiert sich das auf ein Achtel des täglichen Angebots von insgesamt 2400 Verbindungen.

In den drei Ländern haben die jeweiligen Gewerkschaften die Flugbegleiter bei Ryanair aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Es geht um höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Die irischen Piloten der Gesellschaft wollen am heutigen Freitag und am kommenden Dienstag streiken. Der Ausstand der Kabinen-Crews sei nicht gerechtfertigt, sagte ein Ryanair-Sprecher. Die Flugbegleiter erhielten schließlich Gehälter von bis zu 40.000 Euro im Jahr.

Auch in Deutschland stehen die Zeichen auf Streik: Die in der Vereinigung Cockpit organisierten Ryanair-Piloten stimmen bis Ende Juli über einen unbefristeten Arbeitskampf ab. Ihre Forderungen orientieren sich an den Tarifbedingungen bei den Konkurrenten Tuifly und Easyjet. Bei den deutschen Flugbegleitern streiten noch die Gewerkschaften Verdi und Ufo um den Vertretungsanspruch. Am Ende wird Ryanair voraussichtlich mit beiden Organisationen sprechen müssen, weil jede einen relevanten Teil des Personals vertritt.

Ryanair steckt in einem tiefgreifenden Wandel, seit sich Piloten und Flugbegleiter vermehrt gewerkschaftlich organisieren und europaweit vernetzen. Sie kämpfen für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen und wehren sich gegen Leiharbeit. Der Billigflieger hat Verhandlungen mit Gewerkschaften lange strikt abgelehnt – auf Druck des Personals kam es erst im vergangenen Jahr zu einem Kurswechsel.

Bisher jedoch ohne Erfolg: Die seit Wochen auf nationaler Ebene geführten Verhandlungen verliefen bislang ergebnislos. Im Detail zeigten sich die Ryanair-Manager extrem hartleibig, sagte Markus Wahl von der Vereinigung Cockpit. Kleinteilig werde beispielsweise über Freistellungen für die Mitglieder der Verhandlungskommission gestritten, bereits vereinbarte Termine würden ungenutzt verstreichen. Dabei hat Ryanair für das laufende Geschäftsjahr bereits Mehrkosten von 112 Millionen Euro für Tariferhöhungen einkalkuliert. „Ryanair droht ein Dauerkonflikt, in dem irgendwo immer gestreikt wird“, sagt Christoph Drescher, Präsident des europäischen Kabinenbeschäftigtenverbandes Eurecca.

Die Größe wird allmählich zum Problem

Ryanair verbindet nach eigenen Angaben 216 Flughäfen in 37 Ländern Europa miteinander. 86 der genutzten Airports gelten als sogenannte Basen – an so einem Stützpunkt ist jeweils mindestens ein Flugzeug mit Besatzungen fest stationiert. Aktuell bietet Ryanair 1850 verschiedene Flugrouten an. Der Billigflieger beschäftigt mehr als 13.000. Die inzwischen erreichte Größe wird für Ryanair allmählich zum Problem, denn der Marktführer muss sich mit zahlreichen Gewerkschaften auseinandersetzen. Einkommen und Sozialvorschriften sind nur auf nationaler Ebene tariflich regelbar, andere Themen wie Beförderungspläne oder Einsatzregeln wären wohl am besten auf Konzernebene aufgehoben. Größere Beschäftigtengruppen hat Ryanair in Irland, Großbritannien, Spanien, Deutschland und Italien. Den Managern fehle es jedoch im erschreckenden Maß an Kenntnissen des jeweiligen Sozialrechts, heißt es bei Arbeitnehmervertretern.

Von Christian Ebner und Jens Heitmann

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