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Wirtschaft Stromanbieter erhöhen die Preise – auch Gas wird 2019 teurer
Nachrichten Wirtschaft Stromanbieter erhöhen die Preise – auch Gas wird 2019 teurer
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13:51 23.11.2018
Die Energieversorger heben die Preise zum Jahreswechsel enorm an. Quelle: Peter Steffen/dpa
Berlin

Es ist schon fast ein Ritual. Wenn sich das Jahresende nähert, verschicken die Versorgungsunternehmen Briefe. In den allermeisten Fällen wird den Kunden mit relativ freundlichen Worten erläutert, dass sie im nächsten Jahr mehr für Energie zahlen sollen. Für 2019 trifft es die Haushalte besonders hart. Sowohl beim Gas als auch beim Strom gibt es kräftige Aufschläge. Verbraucherschützer sind empört und kritisieren die Preispolitik der Unternehmen.

Die Aufschläge bei der elektrischen Energie pendeln sich im Durchschnitt zwischen vier und fünf Prozent ein – mit regional massiven Unterschieden. Beim Gas waren die Preise fünf Jahre lang weitgehend stabil. Laut Verbraucherportal Verivox haben nun bereits 224 der 710 Grundversorger für Dezember und Januar Preiserhöhungen von durchschnittlich 7,7 Prozent angekündigt. Für das Beheizen eines durchschnittlichen Einfamilienhauses steigen damit die Kosten im kommenden Jahr um knapp 100 Euro.

In fast allen Mitteilungen von Stadtwerken an ihre Kunden wird sinngemäß darauf hingewiesen, dass sich die Großhandels- und Einkaufspreise an in den vergangenen Monaten deutlich erhöht hätten und dass man die daraus resultierenden höheren Kosten weitergeben müsse. Was niemand bestreitet: Ein Stadtwerk, das sich jetzt die Stromlieferung fürs nächste Jahr sichern will, muss an der Börse rund 50 Euro pro Megawattstunde (fünf Cent pro Kilowattstunde) zahlen. Zu Beginn des Jahres waren es noch 37 Euro.

Mehrere Faktoren führen zum enormen Preisanstieg

Was ist passiert? Mehrere Faktoren sind in den vergangenen Monaten zusammengekommen. Gas und der Brennstoff für Kohlekraftwerke haben sich deutlich verteuert – beide alle folgen im Groben den Notierungen für Rohöl. Die Referenzsorte hat sich zwischen Januar und Anfang Oktober um fast ein Drittel auf 86 Dollar pro Fass (159 Liter) verteuert. Die Betreiber von Kohlekraftwerken mussten zudem für CO2-Emissionszertifikate deutlich tiefer in die Tasche greifen. Ihr Preis hat sich binnen zwölf Monaten mehr als verdreifacht auf mittlerweile 20 Euro pro Tonne. Außerdem schlage die extreme Trockenheit im Sommer durch, sagt Carlos Perez Linkenheil vom Berliner Beratungs- und Analysehaus Energy Brainpool. „Nachbarländer wie Österreich können mit Wasserkraft deutlich weniger Strom erzeugen. Deshalb exportiert Deutschland mehr Strom. Das verknappt hierzulande das Angebot und treibt den Strompreis in die Höhe.“

All dies wiege erheblich schwerer als die leichte Absenkung der Umlage für die Erneuerbaren Energien. Für die Förderung von Wind und Sonnenstrom müssen die Kunden im nächsten Jahr nur noch 6,405 Cent pro Kilowattstunde statt bislang 6,792 Cent zahlen.

Auch beim Gas zeigt der Extremsommer seine Spätfolgen. Die niedrigen Wasserstände des Rheins und anderer Flüsse haben dazu geführt, dass Kohlekraftwerke per Schiff nur mit beschränkten Mengen des Brennstoffs beliefert werden können. Gaskraftwerke müssen einspringen. Die kurzfristige höhere Nachfrage hat die Preise nach oben getrieben. Aber auch langfristig steigt der Bedarf, weil vor allem die Industrie verstärkt auf das umweltfreundlichere Erdgas setzt. Zudem verschiebt sich das Koordinatensystem am globalen Gasmarkt. Russland verkauft mehr nach Asien - so hat sich das Angebot verknappt.

Kritik an geplanter Strompreiserhöhung

Die Einfuhrpreise für Erdgas laut sind Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in den vergangenen zwei Jahren um 40 Prozent gestiegen. Der Börsenpreis ist zwischen September 2016 und September 2018 um mehr als ein Drittel geklettert. „Viele Versorger sehen sich gezwungen, die höheren Kosten an ihre Kunden weiterzugeben“, sagt Verivox-Experte Mathias Köster-Niechziol. An den Spotmärkten, wo sich Versorger kurzfristig eindecken, sind die Preise zuletzt exorbitant in die Höhe geschossen. Da sind Spekulanten am Werk, die auf einen kalten Winter und Versorgungsengpässe wetten.

Lesen Sie auch: Strompreise: „Der Staat greift ungeniert zu“

Linkenheil betont indes, dass man auch bei den Strompreiserhöhungen prinzipiell davon ausgehen könne, dass sie „nicht ganz grundlos“ seien. „Allerdings relativiert sich dies dadurch, dass die Unternehmen nicht erst jetzt ihren gesamten Strom für das nächste Jahr kaufen, sondern sich in der Vergangenheit in der Regel einen größeren Teil ihres Bedarfs zu günstigeren Preisen gesichert haben“, so der Berliner Energieexperte. Genau aus diesem Grund kritisiert Thomas Engelke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) die Preispolitik der Versorger: Jetzt werde mit gestiegenen Großhandelspreisen an der Strombörse argumentiert. „Als die Großhandelspreise vor Jahren dagegen deutlich nachgaben, wurden Absenkungen nicht sofort an die Privatkunden weitergegeben“, so Engelke. Und weiter: „Viele Versorger haben selbst langfristige Verträge abgeschlossen, daher sind die angekündigten kurzfristigen Strompreiserhöhungen so nicht nachvollziehbar.“

Von RND/Frank-Thomas Wenzel

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