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Wirtschaft Kunststoff-Recycler reagieren auf Chinas Importverbot
Nachrichten Wirtschaft Kunststoff-Recycler reagieren auf Chinas Importverbot
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00:43 17.05.2018
Kunststoff-Flakes: Aus alten Verpackungen und Industrieabfällen können neue Produkte enstehen. Quelle: dpa-Zentralbild
Hannover/München

 Jan-Hendrik Wilming hat alle Hände voll zu tun. „Wir verdoppeln unsere Kapazität“, sagt der Chef der Lohner Kunststoffrecycling GmbH (LKR) aus dem niedersächsischen Vechta. Nachdem China den Import von Altplastik verboten hat, spüre er die  Auswirkungen deutlich: „Es gibt eine Materialschwemme in Deutschland und Europa“ erklärt der Unternehmer. 

LKR recycelt Produktionsabfälle, zermahlt zum Beispiel Transportpaletten, damit aus ihnen Teile für Aktenschränke entstehen. Der chinesische Importstopp wirbele den Markt durcheinander, erklärt Wilming. „In Europa wird stärker darüber nachgedacht, Kunststoffe wiederzuverwenden.“ Für Recycler gebe es viele neue Chancen.

So sieht das auch der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). „Für Kunststoffabfälle ist die Tür nach China zwar zu, aber Recyclate für die Industrie sind begehrt“, sagt Thomas Probst, Kunststoffexerte beim BVSE. 

Seit 1. Januar dürfen Plastikabfälle nicht mehr nach China eingeführt werden. Seither werde der Müll stärker nach Vietnam oder Malaysia exportiert, sagt Probst. Auch in Richtung Bulgarien und Ukraine nähmen die Mengen zu. „In der Größenordnung wie China wird es aber keine Alternativen geben.“ Nach Probsts Einschätzung werden diese Ländern ebenfalls bald den Import einschränken. „Der Export von Kunststoffmüll hat keine Zukunft, und das ist auch gut so.“

Chinesen recycelten billiger

Früher war die Ausfuhr oft die lukrativste Variante für europäische Abfallsammler. Chinesische Recycler arbeiteten dank niedriger Umweltstandards und Lohnkosten günstiger und zahlten deshalb mehr für den Rohstoff als deutsche Firmen wie LKR. Laut BVSE fielen 2015 in Deutschland 5,9 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an, was 72 Kilogramm pro Einwohner entspricht. Rund 0,8 Millionen Tonnen wurden nach China exportiert. 

Ein zweites Problem laut LKR-Chef Wilming: Recycelter Kunststoff habe zu Unrecht ein schlechtes Image bei vielen Herstellern. Deswegen sei die Nachfrage nach den Granulaten nicht so hoch wie wünschenswert. Branchenexperte Probst bekräftigt das. „Wie die Nutzung von Papier aus Altpapier heute selbstverständlich ist, muss auch die Nutzung von Kunststoffprodukten aus Recyclaten zukünftig selbstverständlich sein.“ In der Pflicht sei vor allem die öffentliche Hand. Staatsfirmen wie die Deutsche Bahn sollten stärker auf Recyclingprodukte setzen. Außerdem müssten mehr Sortier- und Recyclinganlagen entstehen.

Der Umgang mit Plastikabfällen gehört auch zu den Schwerpunkten auf der Messe Ifat, die am Montag in München eröffnet wurde. Dort zeigen rund 3300 Aussteller ihre Neuheiten zum Thema Recycling. Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte in ihrer Eröffnungsrede allerdings, dass Abfallvermeidung noch umweltfreundlicher ist als Recycling: Die Vermüllung der Meere sei ein Beleg für die Notwendigkeit, den Ressourcenverbrauch zu verringern, sagte die SPD-Politikerin.

Von Christian Wölbert und Christine Schultze

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