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Nachrichten Wirtschaft Warum Delticom außer Autoreifen auch Lebensmittel verkauft
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18:51 17.12.2018
Hochautomatisiert: Das Lebensmittel-Lager von Delticom in Hannover-Anderten Quelle: Wiebke Langefeld
Hannover

Das Unternehmen Delticom ist auch in seiner Heimatstadt Hannover wahrscheinlich nur vergleichsweise wenigen Menschen bekannt. Dabei ist Delticom Europas größter Onlinehändler für Autoreifen mit Internetshops wie Reifendirekt.de. Gleichzeitig gehört das Unternehmen zu den größten Anbietern frischer Lebensmittel im Netz: Seine Portale Lebensmittel.de und Gourmondo.de bieten rund 20  000 Produkte an – von der Chips­tüte bis zum japanischen Rindersteak für 150 Euro pro Kilogramm. Vor Kurzem übernahm Delticom auch noch den Onlinesupermarkt Allyouneedfresh.

Der Mittelständler aus Hannover konkurriert in diesem Bereich mit Schwergewichten wie Amazon oder Rewe. Das allein ist bemerkenswert. Doch auch der Spagat zwischen den Geschäftsfeldern verwundert: Reifen und Lebensmittel – passt das überhaupt zusammen? Was hat der Schinken mit dem Pneu zu tun?

Ohne Hightech läuft nichts

„Die Lebensmittel sind unsere Know-how-Sammel-und-Weitergabe-Einheit“, sagt Delticom-Chef Andreas Prüfer im Gespräch mit der HAZ. Anders formuliert: „Das Food-Geschäft ist ein Mittel zum Zweck. Die Reifen bleiben das Wichtigste.“

Prüfer muss etwas ausholen, um das zu erklären. Lebensmittel sind für Logistikexperten die vielleicht größte Herausforderung. Es geht um verderbliche, zerbrechliche, oft auch tiefzukühlende Produkte. Bestellt der Kunde Eier, Fischstäbchen und Champagner, gehört alles zusammen in ein Paket. Trotzdem dürfen Verpackung und Versand nicht teurer sein oder länger dauern als in anderen Bereichen. Unverzichtbar sind deshalb hochautomatisierte Hightechlager.

Im Lebensmittelgeschäft könne man daher besonders viel über Logistik lernen, erläutert Prüfer. Er verweist auf das computergesteuerte „Autostore“-System im Lebensmittellager von Delticom im hannoverschen Stadtteil Anderten. Die computergesteuerte Anlage verstaut Artikel in 160 000 Fächern und transportiert sie automatisch zu den Mitarbeitern, die dann die Pakete packen. Aktuell werden aus dem Lager bis zu 100 000 Lebensmittelartikel am Tag verschickt. Delticom wickelt hier auch die Logistik für andere Lebensmittelhändler ab, zum Beispiel für Alnatura.

„Die Erfahrungen aus dieser hochautomatisierten Logistik übertragen wir auf die Reifen und Autoersatzteile“, sagt Prüfer. Von 2019 oder 2020 an werde Delticom für mehrere Millionen Euro eine neue Logistikanlage in seinem Reifenlager in Sehnde installieren. Künftig soll jeder Mitarbeiter dank der Technik fünf- bis sechsmal so viele Reifen ausliefern können wie bisher.

Carsharing ändert das Geschäft

Das Reifenlager wird dann effizienter – und kann außerdem schneller auf Schwankungen in der Nachfrage reagieren, wie sie im Geschäft mit Winter- und Sommerreifen typisch sind. Im Extremfall steige die Zahl der Bestellungen über Nacht um das Zehnfache an, sagt Prüfer. Die Effizienzgewinne seien aber auch wichtig, um vor der Konkurrenz zu bleiben.

Außerdem sei es sinnvoll, sich schon jetzt auf mögliche Folgen durch den Trend zu Carsharing und autonomem Fahren vorzubereiten. Künftig könnten immer mehr Autos großen Flottenbetreibern gehören statt Privatkunden, was auch Auswirkungen auf die Nachfrage nach Reifen haben könnte. Privatkunden bestellen einzelne Reifensätze bei Händlern wie Delticom, große Flottenbetreiber könnten hingegen direkt bei den Herstellern einkaufen.

Aber auch die Lebensmittelsparte für sich genommen soll profitabel werden, sagt Prüfer. Dafür müsse das Bestellvolumen weiter wachsen. Dass das passiert, steht für ihn aber außer Frage: „Das Onlinegeschäft mit Lebensmitteln wird weiter wachsen, genau wie der Onlinehandel insgesamt.“

Ex-Liebling der Aktionäre

Delticom steht nicht nur für den Spagat zwischen Reifen und Lebensmitteln. Das hannoversche Unternehmen sorgte in der Vergangenheit auch für Aufsehen an der Börse: Von 2009 bis 2012 schoss der Aktienkurs von etwa 13 Euro bis auf rund 80 Euro.

Der Grund: Im Onlinegeschäft mit Reifen hatte Delticom kaum Konkurrenten, gleichzeitig stieg die Nachfrage stark an. „So etwas geht irgendwann vorbei“, sagt Chef Andreas Prüfer heute über diese Zeit. Ab 2012 ging es an der Börse wieder deutlich abwärts. Mittlerweile kostet eine Aktie nur noch um die 8 Euro.

Andreas Prüfer und Rainer Binder gründeten Delticom im Jahr 1999. Prüfer baute später in Eigenregie Lebensmittelshops wie Gourmondo auf und verkaufte diese 2016 an Delticom. Anders als Rewe oder Amazon konzentrieren die Hannoveraner sich auf den Versand mit Paketdiensten wie DHL statt auf eigene Lieferdienste.

Von Christian Wölbert

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