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Umbau des Konzerns

TUI denkt an Aktientausch

Die TUI will den Umbau des Konzerns offenbar ohne einen größeren Einsatz eigener Mittel vorantreiben. Nach Informationen der HAZ plant der Vorstand, die britische Reisetochter TUI Travel im Wege eines Aktientauschs mit anschließender Kapitalerhöhung komplett zu übernehmen.
TUI-Chef Michael Frenzel will auf das Reisegeschäft des Konzerns wieder direkt durchgreifen können.

TUI-Chef Michael Frenzel will auf das Reisegeschäft des Konzerns wieder direkt durchgreifen können.

© ap

Der Konzern hält aktuell 54 Prozent der Stimmrechte an TUI Travel. Das Unternehmen ist aus der Fusion von First Choice mit dem TUI-Veranstaltergeschäft entstanden.

Bereits vor zwei Jahren hat der TUI-Aufsichtsrat den Vorstand damit beauftragt, Optionen für den Ausbau des touristischen Geschäfts zu prüfen. Dieser Prozess scheint inzwischen weit fortgeschritten zu sein. Dem Vernehmen nach will Konzernchef Michael Frenzel den Aufsehern auf einer Strategiesitzung in der kommenden Woche mehrere Varianten vorstellen.

Als eine Möglichkeit gilt der Kauf der restlichen TUI-Travel-Anteile. Der Nachteil dieser Option sind die hohen Kosten: Die Aktienkurs der Briten ist in den vergangenen Tagen deutlich nach oben geschossen. Deshalb sei nun eine andere Variante in den Vordergrund gerückt: Die TUI AG könnte den Minderheitsaktionären der TUI Travel eigene Aktien im Tausch anbieten und anschließend das Kapital erhöhen.

Diese Option hätte für die TUI den Vorteil, für die Übernahme der Tochter nicht tief in die Kasse greifen zu müssen. Die ist zur Zeit ohnehin ziemlich leer – erst der geplante Verkauf der restlichen Anteile an der Reederei Hapag-Lloyd soll sie auffüllen. Müsste der Konzern den erhofften Erlös von deutlich über einer Milliarde Euro sogleich wieder investieren, bliebe – wenn überhaupt – zu wenig Geld übrig, um den hohen Schuldenberg abzutragen oder um ins touristische Geschäft investieren zu können.

Die TUI wollte die Pläne nicht kommentieren. Erst werde man die Hausaufgaben im Hamburg erledigen, sagte ein Unternehmenssprecher. „Der Schlüssel zur Weiterentwicklung des touristischen Geschäfts liegt in der Veräußerung unserer Hapag-Lloyd-Anteile.“ Die Reederei war im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht und musste von den Eignern mit 1,8 Milliarden Euro vor dem Untergang bewahrt werden. Inzwischen fährt die Containerlinie wieder Gewinne ein, weil Transportmengen und Frachtraten deutlich gestiegen sind.

Als Interessenten für Hapag-Lloyd gelten große Konkurrenten wie Maersk, NOL, CMA-CGM oder MSC. Ab 2012 könnte die TUI ihre Anteile auch dem Konsortium „Albert Ballin“ um den Logistikunternehmer Peter-Michael Kühne andienen. Die Hanseaten haben auch ein Vorkaufsrecht – ob sie es auch nutzen wollen, verraten sie derzeit nicht.

Analysten rechnen nicht mit einem schnellen Verkauf der Reederei-Anteile. Die TUI stehe nicht unter Druck, hieß es. Die Refinanzierung des Konzerns sei für die nächsten anderthalb Jahre gesichert. „Die TUI will einen möglichst hohen Preis für Hapag-Lloyd erzielen“, sagte Nord/LB-Analystin Martina Noß. Angesichts der aktuellen Zweifel an einer nachhaltigen Erholung der weltweiten Konjunktur, dürften Investoren vorerst ein Engagement scheuen.

[Jens Heitmann]

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