Im internationalen Vergleich noch ein kleiner Akteur: Der Deutsche Milchkontor.
Die erste Großfusion in der deutschen Milchbranche ist perfekt. Nach der Zustimmung der Vertreterversammlung von Humana segneten am Donnerstag auch die genossenschaftlichen Vertreter von Nordmilch die Fusion ihrer Tochtergesellschaften ab. Mit 98,5 Prozent fiel die Zustimmung sogar noch klarer aus als tags zuvor bei Humana mit 93,3 Prozent.
Rückwirkend zum 1. Juli 2010 entsteht damit der neue Molkereikonzern mit Namen DMK Deutsches Milchkontor. In der europäischen Liga der Molkereiunternehmen schiebt sich DMK mit einem für 2010 geschätzten Umsatz von etwa 4,3 Milliarden Euro, 5500 Mitarbeitern und einer Milchverarbeitungsmenge von 6,7 Milliarden Kilogramm auf Platz sechs. Verglichen mit großen Konkurrenten wie der dänischen Arla ist aber auch der neue deutsche Milchriese noch ein kleinerer Akteur.
Die Fusion gilt daher nur als großer Zwischenschritt. „Wir müssen weiter wachsen, weil wir einen starken Nachholbedarf haben“, sagte Nordmilch-Chef Josef Schwaiger, der auch den neuen DMK-Konzern führen wird. Aufholen müsse man vor allem im globalen Wettbewerb. Auf Wachstumsmärkten in Asien und Nordafrika sind die großen Konkurrenten laut Schwaiger schon vertreten. „Wir müssen diese Märkte erst aufbauen.“
Helfen soll bei der Wachstumsstrategie der Name DMK. Ursprünglich war das Deutsche Milchkontor als Vermarkter für die gesamte deutsche Milchbranche tätig und national wie international als Markenzeichen „made in Germany“ anerkannt, wie ein Konzernsprecher erklärte. Nordmilch hat das Unternehmen samt Namen gekauft, weil es „Raum für weitere Schritte“ biete, sagte Schwaiger. So stünden bereits andere Molkereiunternehmen vor der Tür, die Gespräche über Kooperationen, aber auch Fusionen führen wollten.
Doch erst einmal hat die Integration Vorrang, wie Schwaiger sagte. Der neue DMK-Konzern soll Anfang April als GmbH, an der die genossenschaftlichen Mütter Nordmilch und Humana zu je 50 Prozent beteiligt sind, das operative Geschäft aufnehmen. Ab 2013 sollen Synergien von 60 Millionen Euro jährlich etwa durch gemeinsamen Einkauf und Logistik erzielt werden. Noch in diesem Jahr ist die Ausgliederung des Eiscremegeschäfts in eine Tochtergesellschaft geplant. Eiscreme gehöre nicht zum Kerngeschäft, könne aber mit Wachstumsraten von 30 Prozent Schwankungen abfedern. An einen Verkauf sei nicht gedacht.
Mit diesen Maßnahmen will Schwaiger das „übergeordnete Ziel der Fusion“ erreichen: die „Erwirtschaftung eines überdurchschnittlichen Milchauszahlungspreises“ für die 11 100 Milchbauern, die zumeist Eigentümer der genossenschaftlichen Mütter des DMK sind. 2010 bekamen die Landwirte im Schnitt 30 Cent je Liter, 2011 sollen es deutlich mehr werden.
Die Geschäfte, vor allem mit Käse unter Dachmarke Milram auf dem deutschen Markt und der Humana-Marke Oldenburger im Export, laufen dank weltweit starker Nachfrage und anziehender Preise gut. Für 2011 erwartet der neue DMK-Chef ein Umsatzwachstum von 10 Prozent. Ein Abbau von Arbeitsplätzen an den 24 Standorten einschließlich der künftigen Zentrale in Everswinkel sei daher „kein großes Thema“.