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Schienennetz

Bahn prüft Alternativen zur Y-Trasse

Die Y-Trasse ist möglicherweise endgültig vom Tisch. Mit einer Bemerkung gegenüber Gegnern des Milliardenprojekts hat Bahnchef Rüdiger Grube solche Hoffnungen jedenfalls genährt.
Die Bahn legt die Planung für die umstrittene Y-Trasse zur Entlastung der Schienenstrecken zwischen Bremen, Hamburg und Hannover vorerst auf Eis.

Die Bahn legt die Planung für die umstrittene Y-Trasse zur Entlastung der Schienenstrecken zwischen Bremen, Hamburg und Hannover vorerst auf Eis.

© dpa

Hamburg/Hannover.  „Die Y-Trasse, so wie sie ursprünglich einmal geplant worden ist, ist zunächst auf Eis gelegt“, sagte er am Montagabend am Rande eines Neujahrsempfangs in Walsrode. „Das war’s dann wohl endgültig“, frohlockte sogleich der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die Bahn und auch die Verkehrsministerien in Berlin und Hannover indes wollten am Dienstag von einem Aus für die Neubaustrecke nichts wissen. Es würden lediglich „intensiv“ auch Alternativen geprüft. Dabei geht es vor allem um den Ausbau von bestehenden Strecken.

Die Stadt Walsrode hatte Grube als Redner zum Neujahrsempfang geladen. Der Heidekreis wäre von der seit nunmehr 20 Jahren umstrittenen Trasse zwischen Hannover und Hamburg mit Abzweig nach Bremen stark betroffen, wie auch die nördliche Region Hannover und der Kreis Rotenburg. Überall äußern Bürgerinitiativen die Befürchtung, dass die Hochgeschwindigkeitsverbindung Landschaften zerschneidet. Rund 30 Demonstranten hatten Grube vor der Walsroder Stadthalle zur Rede gestellt. Der ließ sich nicht nur auf ein Streitgespräch ein, sondern versprach auch wiederzukommen. Dies deutet auf eine neue Gesprächskultur nach den Schwierigkeiten mit „Stuttgart 21“ hin, wie Walsrodes Bürgermeisterin Silke Lorenz mutmaßt. Auch Walsrode hat sich gegen die Y-Pläne ausgesprochen, erhofft sich aber andernfalls einen Halt an der Abzweigung. „Statt wie ursprünglich gedacht ein ICE-Halt könnte es auch ein technischer Halt werden, der Arbeitsplätze in die Region bringt“, sagte Lorenz am Dienstag. In Grubes Rede sei deutlich geworden, dass die Trasse sich von der ursprünglich gedachten schnellen Reiseverbindung zur überwiegenden Güterstrecke wandeln würde – als Anbindung an Seehäfen wie den Jade-Weser-Port.

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis bezog Grubes Äußerung denn auch auf diese Umorientierung. Der Bahnchef habe sich auf die ursprünglichen Trassenpläne bezogen – sie drohten über die Jahre immer wieder nicht zuletzt an den geschätzten Kosten von vier Milliarden Euro zu scheitern. Neben der „Aktualisierung“ der Y-Trasse würden in diesem Jahr auch verstärkt andere Wege für den zunehmenden Containerverkehr unter die Lupe genommen. Im Gespräch seien etwa ein Ausbau der Strecken Wunstorf–Langwedel und Lüneburg–Celle.

Für die Region Hannover würde ein Verzicht auf die Y-Trasse bedeuten, dass auch deren Anhängsel, die sogenannte Güterumfahrung, nicht benötigt wird. Sie sollte als Neubaustrecke aus der Y-Trasse ausfädeln und durch Teile Burgwedels und Burgdorfs zur Strecke Celle–Hildesheim führen. Obwohl die Bahn nie eine genaue Route gezeigt hat, hagelte es in der Region Prosteste.

Trotzdem braucht die Bahn zusätzliche Kapazitäten: Bisher rollen ausschließlich nachts Güterzüge durch den Hauptbahnhof Hannover. Steigt das Transportaufkommen auf der Schiene wie vorhergesagt, reichen die Nachtstunden aber nicht mehr aus, um es zu bewältigen. Tagsüber kann die Bahn wegen des Personenverkehrs keine Güterzüge durch die Innenstadt schicken.

Als Alternative gilt, bestehende Strecken auszubauen, was im Westen und Osten Hannovers sowie auf der Güterumgehungsbahn im Stadtgebiet zu einem erhöhten Güterzugaufkommen führen würde. Im Westen führen die Züge dann aus Richtung Bremen über Nienburg, Wunstorf und Seelze auf die Güterumgehungsbahn Hannover und dort weiter Richtung Lehrte. Im Osten müsste die Strecke Lüneburg–Celle drei- bis viergleisig ausgebaut werden, damit dort auch Güterzüge aus und in Richtung Hamburg fahren könnten. Von Celle aus ginge es auf der bestehenden Strecke nach Lehrte, die derzeit schon von Güterzügen, aber auch von der S-Bahn genutzt wird. Weil Letztere nicht so häufig fährt, sehen die Planer auf dieser Verbindung freie Kapazitäten.

Eine Sprecherin von Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode hob am Dienstag hervor, dass das Planfeststellungsverfahren für die Y-Trasse weiter vorbereitet werde. Kosten-Nutzen-Rechnungen zu Alternativen seien ein Teil davon: „Wir gehen davon aus, dass sich die Y-Trasse als die beste Alternative herausstellt.“ Unterdessen verwies der Verkehrsclub VCD auf Studien, die das Gegenteil belegten. „Es wäre billiger, stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Hans-Christian Friedrichs – beispielsweise die Ost-West-Verbindung von Bremerhaven über Lüneburg nach Wittenberge. Andere Strecken, etwa Bremen -  Uelzen, sollten ausgebaut werden.

Auf eine gründliche Prüfung solcher Möglichkeiten hoffen nun die Initiativen. „Wir begrüßen Grubes Äußerung“, sagte Dirk Eberle aus Bothel, der als einer ihrer Sprecher in Walsrode dabei war.

Bernd Haase, Gabriele Schulte


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