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Ist die Bio-Verpackung ein Milliardengeschäft?

Müllvermeidung Ist die Bio-Verpackung ein Milliardengeschäft?

Ein Kolumbianer aus Niedersachsen stellt Behältnisse aus Pflanzenfasern her. Das Material hat er selbst entwickelt. Es kommt ohne Chemie aus und ist vollständig abbaubar.

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Aus Stroh oder Blättern entsteht die neuartige Verpackung.

Quelle: Bio-Lutions

Hannover/Hamburg.  Plastikmüll ist überall: Er verdreckt Städte und Landschaften, belastet die Böden und verschmutzt die Meere. Eduardo Gordillo wollte etwas dafür tun, dass die Abfallberge aus Kunststoff zumindest etwas kleiner werden. Eine neue Verpackung aus vollständig kompostierbarem Material, einfach und ohne Einsatz von Chemie herzustellen – das war vor fünf Jahren seine Idee. Heute hat der Unternehmer aus Kolumbien, der schon lange in Niedersachsen lebt, sein Ziel erreicht. In Indien läuft bereits eine Pilotanlage, in einigen Monaten soll die Produktion im großen Stil losgehen.

Ohne Chemie

Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen gibt es schon lange, zum Beispiel Pappe und Papier. Allerdings muss man dafür die Zellulose aus dem Holz oder anderem Pflanzenmaterial extrahieren – ein aufwendiger und umweltbelastender Prozess. Das muss auch anders gehen, dachte sich Gordillo und machte sich auf die Suche. „Zuerst sah ich mir an, was es schon auf dem Markt gibt“, erzählt er. „Doch das befriedigte nicht meine Erwartungen.“

Der neue Stoff sollte ohne Einsatz von Chemie auskommen, überall mit geringem Aufwand herstellbar sein und aus ohnehin anfallenden Agrarabfällen wie Stroh oder Blättern bestehen. Gordillo stieß bei seinen Recherchen auf die Firma Zelfo Technology im brandenburgischen Joachimsthal. Sie hat ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, aus Pflanzenfasern selbstbindende Materialien herzustellen.

Darauf aufbauend entwickelte die von Gordillo in Hamburg gegründete Firma Bio-Lutions das neue Verpackungsmaterial. Der Weg dahin war nicht einfach, erinnert er sich. Es gab Rückschläge, aber Aufgeben kam nicht infrage. Nach jahrelangem Tüfteln und Testen ist er jetzt am Ziel. Agrarabfälle werden in mikrofeine Fasern verwandelt. Ihre Oberflächen sind so rau, dass sie aneinanderhaften, wenn man Wasser hinzugibt. Aus dem Brei lassen sich beliebige Formen herstellen, anschließend werden sie getrocknet.

Der Stoff ist marktreif, zunächst sollen daraus Verpackungen für Obst und Gemüse sowie Einweggeschirr entstehen. Starten soll die Serienproduktion in einigen Monaten in Indien, in der Gegend von Bangalore, wo bereits eine kleine Testanlage läuft.

Niedrige Kosten

Für den Standort in Indien sprechen einige Argumente. So gibt es dort viel Landwirtschaft und dadurch reichlich ungenutzte Agrar-Reststoffe. Ihre Verwertung ist auch in sozialer Hinsicht vorteilhaft: Wenn die meist sehr armen Bauern diese künftig an die Firma Bio-Lutions verkaufen können, erhalten sie ein zusätzliches Einkommen. Zudem gibt es in Entwicklungsländern wie Indien ein riesiges Problem mit Plastikabfällen, weil es dort kaum eine Müllabfuhr gibt. In Indien haben einige Bundesstaaten deshalb Einweg-Plastik komplett verboten. Gordillo weist noch auf einen anderen Vorteil hin – nämlich die vergleichsweise niedrigen Kosten in dem Land. Der Investitionsaufwand für das neue Produkt beträgt rund 1,5 Millionen Euro. Eine halbe Million Euro steuert die zur deutschen Förderbank KfW gehörende Deutsche Entwicklungsgesellschaft in Form eines zinslosen Darlehens bei. Gordillo ist vom Erfolg fest überzeugt. „Es gibt weltweit einen riesigen Markt für das Produkt, es geht um Milliarden.“

Gordillo hat in Kolumbien Architektur studiert, bevor er vor etwa 20 Jahren nach Deutschland kam. Hier absolvierte er an der Kunstakademie in Stuttgart einen Masterstudiengang in Industriedesign. 2005 gründete Gordillo in Hamburg die Designagentur upgrading GmbH, deren Geschäftsführer er heute noch ist. Er lebt mit seiner deutschen Frau und seiner Tochter in einem Dorf in der Nähe von Nienburg.

Von Albrecht Scheuermann

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