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Wirtschaft Nexans: Standort in Hannover wird geschlossen
Nachrichten Wirtschaft Nexans: Standort in Hannover wird geschlossen
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00:16 27.01.2019
Vor einem Jahr haben Mitarbeiter der Firma Nexans während der Tarifverhandlungen demonstriert. Quelle: Stefan Arend
Hannover

Der Kabelhersteller Nexans will sein Werk in Hannover-Vahrenheide mit knapp 500 Beschäftigten aufgeben und den Standort schließen. Das ist eine Konsequenz aus einer umfassenden Umstrukturierung, die der Konzern am Donnerstag in Paris ankündigte. Nexans müsse künftig mehr als nur ein Produzent von Kabeln sein, sagte Vorstandschef Christopher Guérin. Von den rund 2000 Stellen in Deutschland solle mehr als jede vierte wegfallen, hieß es.

In der hannoverschen Belegschaft gab es schon seit mehreren Wochen Spekulationen über das mögliche Aus. Gleichwohl habe man bis zuletzt noch auf eine Zukunft für das Werk gehofft, sagte der stellvertretende Betriebsratschef Bernd Rössinger: „Wir sind geschockt über die Entscheidung aus Paris.“ Es sei nicht nachvollziehbar, „dass aufgrund von kurzfristiger Profitorientierung ein Traditionsunternehmen mit zukunftsfähiger Ausrichtung geschlossen werden soll“. Der Standort geht auf die 1900 gegründete Hackethaldraht Gesellschaft zurück. Das Aus für das Werk sei weder wirtschaftlich noch menschlich nachvollziehbar, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Hannover, Dirk Schulze: „Das ist böser und ungehemmter Kapitalismus.“

Auch die Landesregierung kritisierte die Entscheidung von Nexans als „unverständlich“. In Norddeutschland werde auch in Zukunft ein Markt für leistungsfähige Leitungskabel vorhanden sein, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). „Im Rahmen der Energiewende werden gerade hier bei uns große Leitungsvorhaben realisiert.“ Nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) haben die Nexans-Mitarbeiter „aufgrund der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften insbesondere im Bereich der Metallverarbeitung und Elektronik auch bei anderen Unternehmen gute Chancen“.

Nexans liefert Kabel aller Art für verschiedene Branchen und beschäftigt weltweit rund 26.000 Mitarbeiter. Insbesondere im Bereich der Hochspannungsleitungen sei der Wettbewerb sehr intensiv, sagte Deutschland-Chef Fredrik Sandmark: „Hier haben wir in den vergangenen fünf Jahren keine Gewinne erwirtschaftet.“ Das schlug sich entsprechend in der Bilanz nieder: Bei einem Umsatz von 6,4 Milliarden Euro blieb 2017 nur ein Überschuss von 61 Millionen Euro übrig – noch einmal 50 Prozent weniger als im Vorjahr.

Seither hat sich der Lauf der Geschäfte nicht gebessert. Nach dem überraschenden Abschied des früheren Konzernchefs und einer Gewinnwarnung hat sich der Aktienkurs im vergangenen Jahr halbiert. Im Herbst hatte der Vorstand eine grundlegende Änderung des Geschäftsmodells angekündigt: „Ein Wechsel unserer Denkweise ist nötig.“

In Hannover stellt Nexans vor allem Hochspannungsleitungen und Unterseekabel für die Verbindung von Windparks auf dem Meer her. Ein großer Teil der Belegschaft befinde sich seit April vergangenen Jahres in Kurzarbeit, weil es nicht genug Aufträge gebe, sagte Personal-Chef Dietmar Haas. Nach Angaben aus Arbeitnehmerkreisen hat der Konzern zuletzt 17 Millionen Euro investiert, um den Standort für Lieferungen für große Stromautobahnen vorzubereiten. Die neuen Maschinen werde man in das Werk in Charleroi in Belgien verlagern, das ebenfalls nicht ausgelastet sei, sagte Haas.

Hannover ist derzeit auch Sitz der Deutschland-Zentrale von Nexans – diese Funktion soll künftig das Werk in Mönchengladbach übernehmen. Etwa 30 Mitarbeiter könnten an diesen Standort wechseln, hieß es. Für die verbleibenden 440 Beschäftigten will die Geschäftsführung mit den Arbeitnehmervertretern in Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan eintreten. „Betriebsbedingte Kündigungen werden sich nicht vermeiden lassen“, sagte Haas.

Ein Blick in die Produktionshalle von Nexans in Hannover: Ein Mitarbeiter kontrolliert die Kabelisolierung. Quelle: Steiner/Archiv
Bis 1992 arbeitete der Kabelhersteller unter dem Namen "kabelmetal electro" in Hannover. Hier ein Bild der Eröffnung eines neuen Rohrwerks im Jahr 1983. Quelle: Rogge

Das ist die Firma Nexans in Hannover

Das Nexans-Werk Hannover gehört zu den ältesten Industriestandorten der Stadt. Im Jahr 1900 gründete Louis Hackethal zusammen mit seinen beiden Brüdern die Hackethal-Draht-Gesellschaft mbH. Der frühere Telegrafendirektor hatte sich zuvor die Erfindung eines speziellen elektrischen Leiters samt Spezialisolierung patentieren lassen.

Später stieg die Gutehoffnungshütte aus Oberhausen ein und fusionierte die Gesellschaft 1967 mit den Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerken zur Kabel- und Metallwerke Gutehoffnungshütte AG. 1981 wurden die Elektroaktivitäten als „kabelmetal electro GmbH“ selbstständig. Das Unternehmen schloss sich 1992 mit der traditionsreichen Firma Kabel Rheydt aus Mönchengladbach zusammen, seit dem Jahr 2000 firmiert das Unternehmen als Nexans Deutschland. Neben den Werken in Mönchengladbach und Hannover gibt es Werke in Nürnberg, Bramsche, Hürth, Hof und Neunburg vorm Wald sowie diverse Tochtergesellschaften.

Nexans selbst wurde 1897 in Lyon als Société Francaise des Cables Électriques gegründet.

Von Jens Heitmann

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