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09:38 17.01.2016
Die Grünen-Politiker (l-r): Martin Häusling, Harald Ebner, Simone Peter, Anton Hofreiter, Renate Künast und Bärbel Höhn protestieren in Berlin bei der "Wir haben es satt"-Demonstration. Quelle: dpa
Berlin

Regierungsvertreter aus mehr als 60 Staaten haben sich am Rande der Agrarmesse Grüne Woche zum Ziel einer sicheren Ernährung in den wachsenden Städten der Erde bekannt. Dies müsse noch stärker zu einer globalen Priorität werden, heißt es in einer bei einem Agrarministertreffen am Samstag in Berlin beschlossenen Erklärung. Parallel zur Messe demonstrierten in der Hauptstadt Tausende Menschen gegen Massentierhaltung, industrialisierte Landwirtschaft und das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen EU und USA.

Angeführt wurde der Protestzug unter dem Motto "Wir haben es satt" von 109 Traktoren. An der Demonstration vom Potsdamer Platz zum Kanzleramt beteiligten sich nach Polizeiangaben bis zu 13 500 Menschen, die Veranstalter sprachen von 23 000 Teilnehmern. "Wir machen uns für eine bäuerliche und ökologischere Zukunftslandwirtschaft stark", sagte der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Georg Janßen. Aufgerufen hatten mehrere Verbände aus Landwirtschaft, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie Entwicklungshilfe.

"Zum sachlichen Dialog zurückkehren"

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) machte angesichts der Demonstration deutlich, dass eine intensive Landwirtschaft für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung unverzichtbar sei. Wer diesen Punkt ausblende, betreibe Realitätsverweigerung. Das heiße ja nicht, ökologische Aspekte zu missachten. Am Vormittag hatten nach Polizeiangaben rund 500 Demonstranten unter dem Motto "Wir machen Euch satt" Gegenposition zu den Agrar-Kritikern bezogen. "Wir wollen zu einem sachlichen Dialog zurückkehren", sagte Bauer Klaus-Peter Lucht. "Wir haben in Deutschland immer noch eine bäuerliche Landwirtschaft, die angeprangerten Agrarfabriken gibt es nicht."

Schmidt betonte, die Ernährung von Millionen Menschen in wachsenden Städten der Erde sei auch entscheidend für die globale Sicherheit. Unkontrollierbare "Megacities", in denen dies nicht funktioniere, seien Quellen für Radikalisierung. "Verwaiste ländliche Räume und hungerbedingte Unruhen in den Städten müssen wir jetzt verhindern." Die internationalen Minister hoben in Berlin hervor, dass eine enge Kooperation mit der Landwirtschaft im Umland der Städte nötig sei. Zu erforschen und auszubauen sei auch das Potenzial von Landwirtschaft in der Stadt.

Nach Prognosen der Vereinten Nationen werden bis 2050 drei von vier Menschen in Städten leben. Bis dahin dürfte es mehr als 40 Megastädte mit mehr als 20 Millionen Einwohnern geben, wie die stellvertretende Generaldirektorin der Welternährungsorganisation (FAO), Maria Helena Semedo, in Berlin sagte. Engere Verbindungen mit Städten eröffneten den Landwirten im Umlnd auch bessere Verdienstmöglichkeiten.

dpa

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