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Wirtschaft Geht die Dürre-Hilfe am Ziel vorbei?
Nachrichten Wirtschaft Geht die Dürre-Hilfe am Ziel vorbei?
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00:19 11.10.2018
Ein Traktor zieht eine Erntemaschine über ein Feld mit gerodeten Zwiebeln neben einem Lastwagen her. Quelle: dpa
Hannover

In der Landwirtschaft wächst die Sorge, dass die Dürre-Hilfen von Bund und Ländern an vielen bedürftigen Bauern vorbeigehen. Nachdem bereits ostdeutsche Bauernverbände vor einer „Schein-Hilfe“ gewarnt haben, zeigt sich auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen skeptisch: „Wir halten die Förderkriterien für eigenwillig“, sagte deren Präsident Gerhard Schwetje am Montag bei der Vorlage der Ernte-Bilanz. „Die wirklich Betroffenen werden häufig leer ausgehen.“

Bund und Länder haben sich Anfang Oktober auf ein gemeinsames Hilfsprogramm von insgesamt 340 Millionen Euro verständigt. In Niedersachsen stehen für das laufende Jahr nach Angaben der Kammer knapp 18 Millionen Euro des Bundes bereit, das Land stelle zunächst 5 Millionen Euro bereit – weitere 15 Millionen Euro sollen 2019 folgen. Die Hilfen sind für Betriebe reserviert, die einen Ernteverlust von mindestens 30 Prozent zu beklagen haben und dadurch in ihrer Existenz gefährdet sind.

Privatvermögen oder Steuergeld?

Die Agrarbranche kritisiert, dass die Behörden vor der Auszahlung die Vermögens- und Einkommenslage von Betriebsinhabern, Gesellschaftern und deren Familienangehörigen überprüfen wollen. Es sei nicht nachvollziehbar, wenn Landwirte ihre Altersvorsorge und Ersparnisse einsetzen müssten, um die Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen, um dann später möglicherweise auf Sozialhilfe angewiesen zu sein, hieß es beim brandenburgischen Bauernverband.

Auch das niedersächsische Landvolk sieht Gründe zur Zurückhaltung: „Die Betriebsleiter und ihre Berater müssen nun genau wissen, welche Daten und Belege sie beifügen sollen, um tatsächlich von den Hilfen profitieren zu können“, sagte Vize-Präsident Jörn Ehlers.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium weist diese Kritik zurück. Wenn Privatvermögen verfügbar sei, das zumutbar kurzfristig mobilisiert werden könne, oder der Ehepartner mit einer außerbetrieblichen Beschäftigung dazu verdiene, dann sei nur schwer zu vermitteln, dass man nicht selbst für die eigenen Schäden einspringe, sondern der Steuerzahler, erklärte Staatssekretär Hermann Onko Aeikens.

Wie viele Bauern in Niedersachsen wegen der Dürre in ihrer Existenz gefährdet sind, kann die Landwirtschaftskammer noch nicht abschätzen – auch wegen der großen regionalen Unterschiede der Niederschlagsmengen und der jeweiligen Güte der Böden. „Auf Sandböden ohne Beregnungsmöglichkeit waren drastische Ertragseinbußen zu verzeichnen“, sagte Schwetje.

Bei Getreide ist der durchschnittliche Hektarertrag im Vergleich zum Vorjahr um knapp 18 Prozent gesunken, bei Kartoffeln fiel die Erntemenge um 25 Prozent niedriger aus. Beim Grünland rechnet die Kammer mit Ertragsausfällen von 30 bis 50 Prozent. Das trifft insbesondere die Milchbauern, viele müssen bereits an ihre Futterreserven gehen. „Wir hoffen nun, dass es zumindest im Winter feucht wird“, sagte Schwetje

Neues Klima – neue Wälder

Der ungewöhnlich trockene Sommer hat auch Niedersachsens Forstwirte getroffen. Die nach den Winterstürmen ohnehin dramatische Lage der Branche verschärfte sich durch die Trockenheit.

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) verlangte am Montag eine Wiederaufforstung, die ans Klima angepasst ist. „Um unsere Wälder zu erhalten, müssen wir sie durch eine neue, standortgerechte, klimaangepasste und strukturreiche Waldgeneration fit machen“, betonte die CDU-Politikerin. Auf Bundesebene liefen Gespräche, um entsprechende Fördermittel zu erhalten. Das Land stellt 2019 insgesamt 11,5 Millionen Fördermitteln bereit.

Von Jens Heitmann

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