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11:00 14.03.2018
Ein Landwirt in Algermissen düngt in der Morgendämmerung ein Feld mit Stickstoffdünger. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

 Albert Schulte to Brinke ist seit Dezember Präsident des Landvolkes Niedersachsen. Der 62-jährige Milchbauer aus Bad Iburg war zuvor der Vize von Werner Hilse, der nicht mehr zur Wahl angetreten war. Schulte to Brinke ist verheiratet und hat drei Kinder; ein Sohn ist dabei, den heimischen Hof zu übernehmen. Der Landvolk-Präsident ist Mitglied im Tierschutzbeirat des Landes und arbeitet über die Arbeitsgruppe Rinder am Tierschutzplan mit.

Niedersachsens neue Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast von der CDU hat umgehend die Ausgleichszulage für Landwirte gestrichen, die weitgehend nur über Grünland verfügen – eine Zulage, die ihr bei den Bauern so unbeliebter grüner Vorgänger zugesagt hatte. Müssen Sie Ihre Farbenlehre neu justieren, Herr Schulte to Brinke?

Nein, das glaube ich nicht. Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass uns die Ministerin die Ausgleichszulage von 17 Millionen Euro im Jahr für Milchvieh- und Rinderhalter gelassen hätte. Das war ein bewährtes Instrument, das keinen zusätzlichen bürokratischen Aufwand verlangt. Aber auch dafür hatte die alte Landesregierung im Haushalt leider keine finanziellen Mittel hinterlegt, genauso wenig wie die 30 Millionen Euro für eine neue Weideprämie.

Angesichts der hohen Überschüsse sollte es an Geld doch nicht fehlen, wenn der politische Wille da wäre. Das Landvolk gilt doch als einflussreiche Lobby ...

Es hätte sicher die Möglichkeit bestanden, über einen Nachtragshaushalt oder Rückflüsse aus anderen Titeln das Geld zusammenzubekommen. Insofern sind wir schon enttäuscht. Aber wir verstehen auch die Ministerin: Sie hat Versprechungen vorgefunden – und eine leere Kasse.

Statt Koalitionen von Rot-Grün im Land und Jamaika im Bund haben Sie es nun zweimal mit einer GroKo zu tun. Was sind Ihre Erwartungen?

Wir hoffen einfach, dass die politischen Entscheidungen künftig wissensbasiert getroffen werden und nicht mehr ideologisch geprägt sind. Beim Pflanzenschutzmittel Glyphosat hört man zwar immer noch nicht auf die Wissenschaft, aber noch ist nicht alles verloren ...

Hat nicht erst der scheidende Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt im Alleingang die weitere Nutzung von Glyphosat innerhalb der EU mit ermöglicht?

Herr Schmidt hat in unserem Sinne entschieden, das stimmt. Aber die Diskussionen um Glyphosat hören deshalb ja nicht auf. Die Gegner werden nicht eher ruhen, bis es verboten ist. Dabei handelt es sich um das sicherste Pflanzenschutzmittel, das wir haben. Es wird seit 40 Jahren angewandt, und es gibt keinerlei Probleme.

Kritiker halten das Pestizid für krebserregend. Selbst die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft plädiert dafür, den Verbrauch von Glyphosat mindestens um die Hälfte zu verringern.

Wir versuchen natürlich schon aus wirtschaftlichen Gründen, den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln wie auch von Dünger auf das Nötigste zu beschränken. In Niedersachsen haben wir bereits vor zwei Jahren entscheiden, Glyphosat zur Vorerntebehandlung nicht mehr anzuwenden.

Warum kommen die Bauern nie aus der Defensive? Gülle bedroht das Trinkwasser, Eintagsküken landen auf dem Müll, Ferkel werden ohne Betäubung kastriert – auf viele Verbraucher wirkt das verantwortungslos ...

Die Landwirtschaft ist nun einmal sehr vielfältig und beinhaltet von daher auch eine Menge Konfliktstoff. Ich hoffe dennoch, dass wir aus dieser Defensive herauskommen – auch dadurch, dass wir Dinge klar benennen, die falsch laufen – die Schlachtung trächtiger Rinder ist so ein Beispiel. Oder das Leiden kranker Schweine vor der Tötung, das kürzlich eine Studie der Tierärztlichen Hochschule aufgezeigt hat.

Trotzdem kommen die Bauern anders rüber: Sie klagen über Auflagen, machen aber selten von sich aus Verbesserungsvorschläge.

Wir machen ja gerne Vorschläge – vorausgesetzt man bindet uns früh genug ein. In den vergangenen drei Jahren hat man uns in Niedersachsen bei politischen Vorhaben nie im Vorhinein angehört oder beteiligt. Da ging es vornehmlich um Schlagzeilen und Ideologie, aber nicht um wirkliche Verbesserungen. Veränderungen um der bloßen Veränderung willen ist unsere Sache nicht.

In Krisenzeiten ruft die Landwirtschaft hingegen gern nach dem Staat: Wenn etwa der Milchpreis abstürzt oder Felder wegen Dauerregens nicht abgeerntet werden können, soll der Fiskus helfen ...

Man muss da schon unterscheiden. Nicht der Bauernverband oder das Landvolk rufen nach Hilfe – das sind meist einzelne Stimmen in kleineren Interessenverbänden. Natürlich bewegen wir uns in einem Markt, der ganz klar durch den Preis diktiert ist: Wenn die Butter teurer wird, geht sofort der Absatz um 10 Prozent runter. Das sind die normalen Zyklen. Wir rufen deshalb nicht nach einer Marktregulierung – die haben wir bei der Milch mehr als 30 Jahre lang in Form einer Quote erlebt und möchten das nicht wiederholen. Der Staat kann vieles, aber Märkte regulieren kann er sicher nicht. Und bei außergewöhnlichen Umständen wie Überschwemmungen muss dem einzelnen Landwirt schon geholfen werden – generell aber kommen wir mit dem Wetter schon zurecht.

Von Jens Heitmann

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