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Nachrichten Wirtschaft Keine neuen Fälle: Land gibt Entwarnung bei Gifteiern
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21:56 08.08.2017
Quelle: Guido Kirchner
Hannover

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hat am Dienstag leichte Entwarnung im Skandal um mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier gegeben: Es sind keine weiteren Fälle aufgetaucht. Unterdessen hat Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) eine bessere Weitergabe von Informationen auf europäischer Ebene gefordert. Um das sicherzustellen, schickt er deutsche Verbindungsbeamte in die Niederlande und nach Belgien, wo der Skandal seinen Ausgang genommen hatte. In mehreren Bundesländern wurden darüber hinaus umfangreiche Fipronil-Tests vorgenommen. Weder in Schleswig-Holstein noch in Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz wurde allerdings etwas gefunden.

Zusätzliche Tests

Gemeinsam mit Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) erläuterte Meyer in Hannover, dass es bei den fünf niedersächsischen Betrieben aus den Kreisen Grafschaft Bentheim, Emsland und Leer geblieben ist, in denen Fipronil nachgewiesen wurde. Vier der Firmen waren Legehennenhalter, in einer wurden Junghennen aufgezogen. In Niedersachsen gibt es 1284 Legehennenbetriebe mit 18,3 Millionen Tieren.

Insgesamt gehe es um 130 000 niedersächsische Hennen und 16 Millionen verseuchte Eier, sagte Meyer. Diese seien im In- und Ausland verkauft oder zurückgerufen worden. Zusätzlich kamen zehn Millionen Eier aus den Niederlanden über Packstationen in Niedersachsen in den Handel.

Meyer kritisierte, dass sich das Gift Fipronil, das für Insekten und Wasserlebewesen tödlich ist, nicht auf der Liste der Stoffe befindet, nach denen beim Lebensmittelmonitoring des Bundes gesucht wird. Das Land habe deswegen selbst Proben von Ei-Produkten aus 45 Betrieben getestet: „Alle negativ - das ist ein gutes Zeichen.“ Es werde aber weiter beprobt.

Umweltminister Stefan Wenzel forderte, Fipronil aus Vorsorgegründen generell vom Markt zu nehmen. Der Einsatz in der Landwirtschaft als Pflanzengift schädige beispielsweise Bienen. Das Verbot müsste laut Meyer auch für fipronilhaltige Flohmittel für Haustiere gelten.

Firma nicht greifbar

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen die fünf betroffenen Hennenhalter. Die Firma, die den Stoff bei Stallreinigungen eingesetzt beziehungsweise das Desinfektionsmittel vertrieben hat - ein Unternehmen namens „Chickfriend“ -, hat ihren Sitz in Barneveld bei Amersfoort und ist für deutsche Strafverfolger nicht greifbar.

Meyer bewertete das Krisenmanagement des Bundes im Fall der Gifteier als „fatal“. Es habe zu wenig und unzureichende Informationen vom Bundeslandwirtschaftsministerium gegeben: Einen der Verdachtsbetriebe in Niedersachsen habe man nur gefunden, weil man über die Empfehlungen des Bundes hinausgegangen sei. Der Minister fordert zudem klarere Warnhinweise: Wenn zwei belastete Eier pro Tag für ein Kind eine Gefährdung darstellten, müsse man das deutlich sagen und nicht „verschwiemelt“ von einer Tageshöchstdosis sprechen.

Was passiert mit den verseuchten Eiern?

Mit Fipronil belastete Eier fallen rechtlich unter die Bestimmungen für die Beseitigung schädlicher tierischer Nebenprodukte, wofür Verordnungen der EU sowie das Bundes- und Landesrecht maßgeblich sind. Im Klartext heißt das: Die verseuchten Eier sind unschädlich zu beseitigen. Sie dürfen auch nicht mehr als Tierfutter verwendet werden. Die Beseitigungspflicht obliegt den Landkreisen und kreisfreien Städten, von denen meist mehrere gemeinsam einen Tierkörperbeseitigungsbetrieb – offiziell: „Verarbeitungsbetrieb für tierische Nebenprodukte“ – beauftragen. Die vergifteten Eier werden von den Beseitigungsfirmen einer sogenannten Drucksterilisation unterzogen: Das Material wird zerkleinert und für 20 Minuten einer Temperatur von 133 Grad Celsius und einem Druck von drei Bar ausgesetzt. Übrig bleiben eine Art Mehl und Fett, die in einer Verbrennungsanlage endgültig vernichtet werden.

Von Bert Strebe

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