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00:23 19.07.2018
SKM-Geschäftsführer Rolf Spremberg und sein Auszubildender Diaa Alameen: „Sehr positive Erfahrungen“ mit Flüchtlingen Quelle: Ulrich Pucknat
Hannover

Kurz vor Beginn des nächsten Ausbildungsjahrs sind zahlreiche Lehrstellen in Niedersachsen unbesetzt. Die Unternehmen im Bundesland meldeten Ende Juni rund 24.400 offene Stellen, während gleichzeitig nur noch rund 20.500 Bewerber bei der Bundesagentur für Arbeit für Arbeit registriert waren, wie die Behörde mitteilte.

Im Vergleich zu 2017 hat sich die Lage für die Firmen verschärft. Im Juni waren 8 Prozent weniger Bewerber auf der Suche als im Vorjahresmonat – sowie 5,6 Prozent mehr Stellen unbesetzt. „Der Ausbildungsmarkt hat sich zu einem Bewerbermarkt entwickelt“, erklärte Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Arbeitsagentur-Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. Niedersachsen ist keine Ausnahme, bundesweit gibt es mehr Lehrstellen und weniger Bewerber.

Das Problem trifft einen beträchtlichen Teil der Wirtschaft. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen hat jedes dritte Unternehmen im Land Schwierigkeiten, genügend Azubis zu finden. Unter den niedersächsischen Handwerksbetrieben konnten 2017 sogar über 50 Prozent nicht alle Stellen besetzen, wie die Landesvertretung der Handwerkskammern mitteilte. Immerhin hätten sie 2017 mehr Azubis gefunden als 2016. Zahlen für 2018 liegen aber noch nicht vor.

Flüchtlinge füllen Lücken

Für den Bewerbermangel gibt es zwei Hauptursachen: Die Schülerzahl an allgemeinbildenden Schulen sank in den letzten zehn Jahren um zwölf Prozent. Währenddessen stieg die Zahl derer, die sich für ein Studium entscheiden. Ohne die Flüchtlinge wäre der Bewerberrückgang sogar „erheblich größer ausgefallen“, betonte Arbeitsagentur-Chefin Höltzen-Schoh. In Niedersachsen machen Flüchtlinge 7,4 Prozent aller Ausbildungsbewerber aus. In Hannover sind es sogar 12,2 Prozent, hier ist also jeder achte Bewerber ein Flüchtling.

In einigen Betrieben stellen sie schon einen relevanten Anteil der Azubis. Bei der SKM Gesellschaft für Niederspannungs-Systemtechnik aus Isernhagen sind zwei von acht Auszubildenden Flüchtlinge, demnächst werden es drei von zehn sein. Man habe „sehr positive“ Erfahrungen gemacht, sagte Geschäftsführer Rolf Spremberg.

Einige Branchen bleiben beliebt

Der Bewerbermangel trifft nicht alle Branchen gleichermaßen. So gibt es zum Beispiel in den Bereichen Tierpflege, Technische Mediengestaltung, Veranstaltungsmanagement, Immobilienwirtschaft und Innenarchitektur mehr Bewerber als Stellen. Umgekehrt ist es unter anderem im Handel, Tiefbau, Lebensmittelverkauf, in der Gastronomie sowie bei Klempnern und Steuerberatern, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte.

Auch die Größe der Unternehmen spielt eine Rolle: Konzerne haben typischerweise weniger Probleme als Mittelständler. „Wir finden aktuell genau die Bewerber, die wir suchen“, erklärte Symrise, ein weltweit führender Aromen- und Dufthersteller mit Hauptsitz in Holzminden. Die Nord/LB teilte mit, dass sie trotz gesunkener Bewerbernachfrage ihre Stellen zum 1. August besetzen konnte. Doch auch manche Große melden Schwierigkeiten, zum Beispiel findet Rossmann in einigen Bundesländern nicht genügend Azubis für seine Filialen.

Von Christian Wölbert

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