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Wirtschaft IHK Hannover ist kein Einzelfall: Kammern bundesweit in der Kritik
Nachrichten Wirtschaft IHK Hannover ist kein Einzelfall: Kammern bundesweit in der Kritik
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00:18 03.02.2019
Da war die Stimmung noch gut: Neujahrsempfang der IHK Hannover Anfang Januar Quelle: Christian Behrens
Hannover

Intransparenz, undemokratische Prozesse und hohe Rücklagen aus den Beiträgen der Mitglieder – die Vorwürfe von Karl-Heinz Kahle gegen die Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK) sind gewichtig. Mitte Januar hat der Autohändler seinen Brandbrief an die Mitglieder der IHK-Vollversammlung geschrieben. Seitdem warten die Unternehmen gespannt darauf, wie es weitergeht. Das Präsidium hat eine wichtige Entscheidung, die Bestellung des nächsten Hauptgeschäftsführers, bereits verschoben. Auf der Vollversammlung am kommenden Montag dürfte aber auch grundlegend über die Vorwürfe debattiert werden.

Bundesweit gesehen ist der Aufruhr allerdings nichts Besonderes. Überall in Deutschland greifen Unternehmer ihre Selbstverwaltungsorganisationen an. Manche kämpfen grundsätzlich gegen das System der Pflichtmitgliedschaft, andere wollen sie dazu zwingen, Beiträge zu senken oder die Gehälter der Chefs offenzulegen. In Hamburg haben die Kritiker 2017 bei der Wahl zur Vollversammlung sogar die Macht in der dortigen Handelskammer übernommen. Auch in Köln, Stuttgart und weiteren Städten sind „Kammer-Rebellen“ aktiv.

In vielen Fällen mischt dabei Kai Boeddinghaus mit. Den 59-Jährigen kann man als hauptberuflichen Kammerkritiker bezeichnen. Als Geschäftsführer des Bundesverbands für freie Kammern berät er Unternehmer bei deren Arbeit in IHK-Gremien – sowie vor Gericht, wenn sie gegen ihre Kammer klagen. Außerdem sitzt er als Tourismus-Unternehmer in der Vollversammlung der IHK Kassel.

Boeddinghaus unterstützt Kahles Kritik. Auch er sieht zum Beispiel die hohen Rücklagen der IHK Hannover kritisch. Auch er verlangt, dass die Mitglieder bei der Bestimmung von IHK-Chefs stärker mitbestimmen – schließlich entscheide die Führung über die Verwendung der Pflichtbeiträge. Seine „Minimalforderung“: Die Vollversammlung müsse einen Personalausschuss wählen, der mit dem Präsidium die Bewerbungen sichtet, den besten Kandidaten ermittelt und der Vollversammlung empfiehlt. In der Regel werde der Kandidat jedoch allein im Präsidium „ausgekungelt“, kritisiert Böddinghaus.

Chefs sollen Gehalt nennen

Bei der IHK Hannover besteht die Findungskommission laut der Einladung zur Vollversammlung aus drei Präsidiumsmitgliedern und einem Vollversammlungsmitglied. Aus Kahles Sicht gab es während des Verfahrens zu wenige Informationen und keine alternativen Vorschläge – ein faires Verfahren sehe anders aus.

Wie Kahle fordert auch Boeddinghaus, dass die IHK Hannover die individuellen Gehälter ihrer Chefs offenlegt. „Die Intransparenz ist indiskutabel“, sagt er. Kammern seien schließlich öffentliche Körperschaften. So müssten zum Beispiel auch Krankenkassenvorstände sagen, was sie verdienen. Außerdem gingen andere Kammern mittlerweile mit gutem Beispiel voran.

Auch die Summen selbst sind für ihn ein Thema. Der ehemalige Hamburger Hauptgeschäftsführer zum Beispiel habe, wenn man alle Extras berücksichtigt, über 600.000 Euro verdient – viel zu viel aus seiner Sicht. „Kein unternehmerisches Risiko, aber ein Gehalt wie der Chef eines Mittelständlers.“ In manchen Kammern seien die Gehälter aber durchaus angemessen. „Es geht nicht im Skandalisierung“, betont er. Grundsätzlich solle sich die Vergütung an der von Behördenleitern orientieren. „Wenn der Boss mehr verdient als ein Behördenleiter, dann sollte das die Vollversammlung genehmigen“, fordert er.

Die IHK Hannover im Vergleich

Die IHK Hannover zählt zu den größten Industrie- und Handelskammern in Deutschland. Von Diepholz im Norden bis Göttingen im Süden deckt sie einen großen Teil Niedersachsens ab. Sie hat über 160.000 Mitglieder – mehr sind es nur bei den Kammern in Augsburg, Berlin, Hamburg, München und Stuttgart. Der Beitrag ist hingegen bundesweit der niedrigste: 2017 zahlten die Firmen hier im Durchschnitt nur 119 Euro, im bundesweiten Mittel waren es 326 Euro.

Die Gehälter der Chefetage gibt die IHK Hannover, wie die meisten anderen Kammern, nur aufsummiert an. Die 16 berücksichtigten Führungskräfte verdienten 2017 zusammen rund 1,9 Millionen Euro, um Durchschnitt also rund 124.000 Euro. Nur wenige Kammern berücksichtigen ähnlich viele Chefs in dieser Rechnung, sodass ein Vergleich halbwegs aussagekräftig ist: In Würzburg und Koblenz liegt das Gehalt im Schnitt bei rund 100.000 Euro, in Stuttgart sind es rund 130.000 Euro, in Frankfurt rund 150.000 Euro.

Von Christian Wölbert

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