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Nachrichten Wirtschaft IG Metall stellt Fünf-Punkte-Plan für Digitalisierung vor
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00:54 29.04.2018
Prototyp eines Industrie-4.0-Arbeitsplatzes auf der Hannover Messe: Die IG Metall fordert mehr Geld für Weiterbildung Quelle: dpa
Hannover

 Christiane Benner muss nicht lange umschreiben, was auf die Beschäftigten in der Industrie zukommt. Die Vizechefin der IG Metall zeigt einfach darauf: Roboter und fahrerlose Transportsysteme stehen direkt neben ihr im Pavillon 36 auf dem hannoverschen Messegelände. „Ich finde beeindruckend, was hier präsentiert wird“, sagt Benner. Doch man müsse vor allem fragen, wie die Technik zum gesellschaftlichen Wohlstand beiträgt.

Mit dieser Frage steht die Soziologin und Digitalisierungsexpertin nicht allein. Sie spricht am Donnerstag auf der Messe vor rund 200 Betriebsräten und Gewerkschaftern, die wissen wollen, welche Auswirkungen die „Industrie 4.0“ auf die Arbeit der Menschen hat. 

„Die Horrorvision, dass die Hälfte aller Arbeitsplätze wegfällt, steht zum Glück nicht mehr im Fokus“, beruhigt Benner gleich zu Beginn, und verweist auf eine neue Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Die Forscher erwarten sogar einen leichten Job-Zuwachs. Man dürfe sich aber nicht in falscher Sicherheit wiegen, meint Benner: „Es wird natürlich einen umfassenden Umbau geben.“

Was sie damit meint, illustriert sie am Beispiel der Telekom. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren zehntausende Angestellte für neue Aufgaben qualifiziert, zehntausende Stellen abgebaut und zehntausende neue Mitarbeiter eingestellt. Die Beschäftigtenzahl änderte sich nicht dramatisch. Trotzdem hat das Unternehmen fast alles auf den Kopf gestellt.

Fünf-Punkte-Plan

Ähnliche Umwälzungen erwartet Benner in der Industrie. Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaft müssten den digitalen Wandel gemeinsam gestalten, und zwar mit dem Ziel, dass „jede und jeder in die neue Arbeitswelt mitgenommen wird“. Gelingen soll das mit einem Fünf-Punkte-Plan, den Benner in Hannover vorstellt:

Bestandsaufnahme: Unternehmen und Betriebsräte sollen für jede einzelne Abteilung ermitteln, wie neue Technik die Arbeit verändert. Die Ergebnisse sollen sie in einer Infografik („Betriebslandkarte“) festhalten. Eine Vorlage dafür hat die IG Metall entwickelt.

Qualifizierung: Benner erwartet, dass Routineberufe an Bedeutung verlieren und analytische Aufgaben wichtiger werden. Mitarbeiter müssten sich deshalb weiterbilden – und der Staat müsse das stärker fördern.

Datenschutz: In vielen Fällen ermögliche die neue Technik eine Leistungsüberwachung oder gar eine Verhaltenskontrolle, warnt Benner. Zum Beispiel, wenn „smarte Handschuhe“ jeden Handgriff im Lager protokollieren. Betriebsräte müssten das durch ihre Mitbestimmungsrechte verhindern.

Schutz vor physischer und psychischer Belastung: Benner erwartet durch eine Leistungsverdichtung. Es gebe aber Gegenmittel, zum Beispiel die Möglichkeit zur Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 28 Stunden sowie zusätzliche Freizeit für Schichtarbeiter. „Wir müssen konkret nutzen, was wir an Instrumenten haben“, fordert sie.

Absage ans Grundeinkommen

Zum Schluss ihre Vortrags macht Benner noch klar, wie die Antwort auf die Industrie 4.0 aus ihrer Sicht nicht aussehen darf. „Ich will dem bedingungslosen Grundeinkommen eine klare Absage erteilen“, sagt sie. Die IG Metall hatte sich bereits zuvor von der Idee distanziert, weil die Verteilung von sozialen Leistungen an alle – Vermögende wie Bedürftige – aus Sicht der Gewerkschaft unsozial und nicht finanzierbar ist. Es sei mühevoll, alle mitzunehmen, sagt Benner, aber unausweichlich.

„Arbeit 4.0 braucht Sozialstaat 4.0“

Auch außerhalb der Fabriken verändere die Digitalisierung die Arbeit, betont die IG Metall. Besonders betroffen seien Solo-Selbständige, die über Internet-Plattformen Aufträge finden – zum Beispiel Programmierer oder Texter. Die Gewerkschaft fordert, für sie die Mindestbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu reduzieren, damit sie sich günstiger versichern können.

Mindestlohn und die gesetzlichen Regeln für Heimarbeit sollten für die sogenannten „Crowdworker“ ebenfalls gelten. „Arbeit 4.0 braucht einen Sozialstaat 4.0“, sagt Christiane Benner, die zweite Vorsitzende. 

Die IG Metall kümmert sich seit 2015 auch selbst um Solo-Selbständige: Aufgrund einer Satzungsänderung können sie Mitglied in der Gewerkschaft werden. Außerdem hat sie gemeinsam mit acht Internet-Plattformen einen Verhaltenskodex für die Auftragsvermittlung erstellt. 

Von Christian Wölbert

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