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Wirtschaft Deutschland bleibt Exportweltmeister
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16:04 20.08.2018
Nicht nur Warenhandel: Auch in der gesamten Leistungsbilanz steht Deutschland weltweit an der Spitze Quelle: dpa
München/Hannover

Deutschland bleibt auch 2018 das Land mit dem höchsten Leistungsbilanz-Überschuss der Welt. Der Wert werde voraussichtlich bei 299 Milliarden US-Dollar (264 Milliarden Euro) liegen, meldete des Münchner Ifo-Institut am Montag. Japan folge mit 200 Milliarden Dollar auf Rang zwei, die Niederlande mit rund 110 Milliarden auf Rang 3. China sei aufgrund „sehr starker Einfuhren und schwächerer Ausfuhren“ nicht mehr in der Spitzengruppe vertreten. Das Land mit dem größten Leistungsbilanz-Defizit bleiben die USA – mit einem Minus von voraussichtlich knapp 420 Milliarden.

Deutschlands Spitzenposition lasse sich vor allem auf den Warenhandel zurückführen, erklärte Ifo-Forscher Christian Grimme. Haupttreiber sei die Nachfrage aus anderen EU-Ländern und aus den USA. Die Leistungsbilanz umfasst nicht nur den Import und Export von Waren. Auch Dienstleistungen sowie Einkommen aus im Ausland angelegten Vermögen fließen in die Statistik ein.

Deutschland soll mehr investieren

Schon 2017 und 2016 hatte Deutschland die höchsten Überschüsse. Im Ausland sorgt das für Kritik. Aus Sicht von US-Präsident Donald Trump sind die Zahlen ein Beleg für unfaire Handelspraktiken, weswegen er auch mit höheren Zöllen droht. Aber auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU-Kommission kritisieren Länder mit hohen Überschüssen, weil ihnen stets andere Länder mit Defiziten und Schulden gegenüberstehen. Sie fordern von Deutschland als Gegenmaßnahme mehr Investitionen, die auch Importe aus anderen Ländern nach sich ziehen sollen.

Die Ifo-Forscher betonten am Montag, dass Deutschland durch seine Überschüsse „mehr finanzielle Forderungen gegenüber dem Ausland aufbaut als das Ausland gegenüber Deutschland“. Die Handelspartner verschulden sich also bei deutschen Unternehmen oder Banken. Das könne „problematisch werden“, warnen die Forscher, wenn die Schulden so in den Himmel wachsen, dass die ausländischen Schuldner ihre Kredite nicht mehr bedienen können.

Das Bundeswirtschaftsministerium betonte am Montag, dass der Überschuss kein politisches Ziel sei. Er hänge zum Teil von Faktoren ab, auf die man keinen Einfluss habe. Man versuche aber, die Binnennachfrage zu stärken und dadurch auf einen niedrigeren Saldo hinzuwirken, sagte eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Minus bei Dienstleistungen

In Relation zu Größe der Volkswirtschaft ist der Überschuss in den Niederlanden besonders hoch, er entspricht dort 12 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung. In Deutschland werden es laut den Ifo-Berechnungen 2018 voraussichtlich 7,8 Prozent sein, nach 7,9 Prozent im Vorjahr. Aber auch das ist aus Sicht vieler Experten zu hoch. Die EU-Kommission hält maximal 6 Prozent für langfristig tragfähig und ermahnt Berlin deshalb, mehr zu investieren.

Im Dienstleistungsverkehr – zum Beispiel durch Tourismus – erwirtschaftet Deutschland laut Ifo-Institut 2018 voraussichtlich ein Defizit von 18 Milliarden Euro. Direkte Zahlungen an andere Länder, zum Beispiel für Entwicklungshilfe, schmälern die Leistungsbilanz um weitere 45 Milliarden. Doch auf der anderen Seite stehen 63 Milliarden Euro Erträge aus Auslandsvermögen sowie ein Exportüberschuss in Höhe von 265 Milliarden Euro im Warenhandel.

Von Christian Wölbert

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