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20:30 07.01.2019
IHK-Präsident Christian Hinsch: Politik soll „Widerstandshaltung“ gegen Quereinsteiger als Lehrer ablegen Quelle: Christian Behrens
Hannover

Die niedersächsische Wirtschaft fordert von der Politik mehr Anstrengungen für die Ausbildung von Fachkräften, niedrigere Steuern für Unternehmen und mehr Investitionen in Straßen und Datennetze. Besonders scharf kritisierte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK), Christian Hinsch, die Lage an den niedersächsischen Berufsschulen: Eine Unterrichtsversorgung von 90 Prozent wie im Jahr 2017 sei nicht ausreichend, sondern mangelhaft, sagte er in Gegenwart von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Montag bei der Jahresauftaktveranstaltung der IHK im Hannover Congress Centrum.

Eine aktuelle Kürzung von Budgets für Vertretungslehrer an Berufsschulen bezeichnete Hinsch als besonders ärgerlich. „Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Lehrkräfte.“ Nicht nachvollziehbar sei außerdem die „Widerstandshaltung“ der Politik gegen Quereinsteiger als Lehrer. Die Wirtschaft wolle ausbilden, benötige dafür aber auch den Unterricht, sagte der IHK-Präsident vor rund 1000 Gästen aus Politik und Wirtschaft.

Weil wies die Kritik in seiner Rede zurück: Die Landesregierung habe keine Mittel gekürzt. Die Berufsschulen brauchten weniger Vertretungslehrer, weil sie nun mehr fest anstellen könnten. Die Unterrichtsversorgung von 90 Prozent solle „nicht das Endziel sein“. Man müsse bedenken, dass der Wert zuvor bei 85 oder 86 Prozent gelegen habe. Außerdem habe man sich bewusst dazu entschieden, im Flächenland Niedersachsen auch viele kleine Berufsschulen zu betreiben, statt nur wenige große – womit man die Unterrichtsversorgung leicht in die Höhe treiben könne.

Hinsch und Weil waren sich darin einig, dass die im vergangenen Jahr eingeführte Berufsorientierung für alle Schüler ein wichtiger Schritt zur Stärkung der dualen Ausbildung ist. Weil hob zudem die Bemühungen der Landesregierung hervor, die Schulen mit moderner Technik auszustatten sowie mehr Digital-Professuren an den Universitäten einzurichten.

IHK kritisiert hannoversche Verkehrspolitik

Den Unternehmen falle es immer schwerer, Ausbildungsplätze zu besetzen, berichtete Hinsch, weil Eltern, Lehrer und Jugendliche häufig ein Studium bevorzugten. „In unserem Unternehmen ist jedoch auf vielen Arbeitsplätzen ein gut ausgebildeter Versicherungskaufmann wertvoller als ein mäßiger Jurist“, sagte der IHK-Präsident, im Hauptberuf stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Versicherungskonzerns Talanx.

Er betonte in seiner Rede auch die Bedeutung von Steuern für Standortentscheidungen von Unternehmen. Andere Länder senkten ihre Unternehmenssteuern, während die Belastung in Deutschland steige. Darüber hinaus kritisierte er die Stadt Hannover für ihre Verkehrspolitik: Brücken würden gesperrt statt erneuert, Hauptverkehrsadern zurückgebaut, in die Schnellwege nicht genug investiert. „Als Landeshauptstadt eines Flächenlandes und Autolandes den Autoverkehr bewusst zu erschweren, ist kleinkariert.“

IHK plant Neu- oder Umbau

Hinsch kündigte an, dass die Kammer ihre Zentrale umfangreich umbauen oder komplett neu errichten wird. Die Vollversammlung entscheide noch im ersten Halbjahr darüber. Die Kosten decke man aus vorhandenen Mitteln, die Beiträge der Mitgliedsunternehmen würden auch 2019 nicht erhöht, betonte er.

Ein IHK-Sprecher begründete die Pläne mit dem Alter des aktuellen Gebäudes am Schiffgraben. Es stamme im Wesentlichen aus den Fünfzigerjahren, die Bausubstanz sei „marode“. Auch der Zuschnitt der Räume und die Haustechnik entsprächen nicht mehr den Anforderungen.

„Der Hammer von Morgen ist der Roboter“

Beim Thema Künstliche Intelligenz gelten gemeinhin China und die USA als Vorreiter. Doch bei intelligenten Robotern liegen – entgegen der allgemeinen Vorstellung – europäische Forscher und Firmen vorne, sagte Sami Haddadin in seinem Vortrag beim Jahresauftakt der IHK Hannover. Der Informatiker und Ingenieur, der aus Hannover stammt und mittlerweile in München forscht, ist einer der führenden deutschen Robotik-Experten.

Deutschland und Europa müssten nun darauf achten, den Vorsprung nicht zu verlieren, forderte Haddadin. „Der Hammer von morgen ist der Roboter.“ Schüler, Studenten und Angestellte müssten lernen, mit der neuen Technik umzugehen. Dabei gehe es nicht um Konsum, sondern darum, Roboter anzuleiten und zu programmieren. Solche Fähigkeiten vermittle zum Beispiel das Bildungszentrum „Roboterfabrik“ an der Leibniz Universität Hannover. Weitere Angebote dieser Art entwickele er zurzeit gemeinsam mit der IHK.

Die Sorge vor Massenarbeitslosigkeit durch Roboter ist aus Sicht des Forschers eher unbegründet. Er verwies auf Statistiken, denen zufolge der Einsatz von Technik in der Autoindustrie zu vielen neuen Jobs führte. „Roboter werden uns im Alltag unterstützen und uns mühselige Arbeit abnehmen“, sagte Haddadin. Sie blieben aber ein Werkzeug des Menschen.

Von Christian Wölbert

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