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17:25 21.09.2018
IAA Nutzfahrzeuge 2018 20.09.2018, Niedersachsen, Hannover: Conti auf der IAA in Halle 17, Michael Neuheisel, Die Internationale Automobilausstellung (IAA) gehört zu den größten Automessen der Welt und findet bis zum 27. September in Hannover, Foto: Rainer Droese Quelle: Rainer-Droese
Hannover

Johannes Gemmeke ist noch eine Ausnahme. Seit der Spediteur seine Flotte von 30 Jumbo-Lkw mit intelligenten Reifen ausgestattet hat, bleiben seine Fahrer nicht länger mit Pannen liegen. „Schleichende Plattfüße und heiß laufende Achsen gehören bei uns der Vergangenheit an“, sagt der Unternehmer. Den Druck und die Temperatur aller Reifen überprüft Gemmeke am Computer in der Zentrale in Bad Driburg. Die Daten sammeln Sensoren von Continental – sind die Reifenwerte nicht korrekt, warnt das System per SMS oder Mail.

„Fünf bis zehn Platten pro Jahr waren bei uns lange die Regel“, sagt Gemmeke. Früher konnten die Spediteure bei einer Panne auf der Autobahn die Polizei rufen, die den Lkw sicherte und den Verkehr vorbeilotste. „Heute müssten wir die Straßenwacht bestellen – das kostet jedes Mal zwischen 500 und 1000 Euro.“ Dafür komme zwar die Haftpflichtversicherung auf, aber mit jedem Plattfuß steige das Risiko einer Prämienerhöhung.

Auf der IAA Nutzfahrzeuge gehören smarte Reifen bereits zum Standard, jeder namhafte Hersteller hat sie im Angebot. Weil unbemerkter Druckverlust nicht nur den Dieselverbrauch hochtreibt, sondern auch den Verschleiß beschleunigt, sollten sich die Sensor-Systeme eigentlich wie von selbst verkaufen – das tun sie aber bisher nicht. „Für viele ist der Reifen immer noch ein schwarzes Loch“, sagt Michael Neuheisel, Leiter digitale Lösungen bei der Nutzfahrzeugreifensparte von Conti. Nur ein Bruchteil der Speditionen nutze die neuen Kontrollsysteme bereits.

An den Kosten kann es eigentlich nicht liegen. Für die Nachrüstung der Zugmaschine müsse man mit bis zu 1000 Euro rechnen, für die Auflieger kämen noch einmal bis zu 800 Euro hinzu, heißt es. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt“, sagt Carsten Weber, Geschäftsführer des Biokraftstoffherstellers Verbio aus Zörbig in Sachsen-Anhalt, der eine Flotte von rund 80 Fahrzeugen im Einsatz hat. Der zeitliche Aufwand sei allerdings erheblich, sagt Gemmeke: „Wir mussten jeden unserer 350 Reifen abziehen und wieder neu montieren.“

Laut einer Umfrage amortisiert sich der Umstieg auf intelligente Reifen für 40 Prozent der Spediteure schon nach einem Jahr, für weitere 40 Prozent nach zwei Jahren. Ein Sensor halte etwa sechs Jahre durch, heißt es bei Continental. Das reiche für eine Laufleistung von 600.000 Kilometer – da Lkw-Reifen im maximal nur die Hälfte dieser Strecke heil überstehen, könnten die Sensoren beim Wechsel in einen neuen Reifen montiert werden.

Da Zugmaschinen in der Regel vier Jahre in einem Fuhrpark bleiben und die Trailer bis zu zehn Jahre, rechnen Continental, Michelin & Co. damit, dass smarte Reifen bald zum Standard in der Branche werden. Vorreiter dürften Unternehmen mit großen Flotten sein, heißt es. Das Potenzial sei gewaltig: Der Marktführer für Miet-Lkw in USA beispielsweise unterhält rund 200.000 Fahrzeuge.

Für Pkw sind Reifendruck-Kontrollsysteme innerhalb der EU seit November 2014 vorgeschrieben – das gilt aber nur für Neufahrzeuge. Für Modelle, die früher auf den Markt gekommen oder eher zugelassen worden sind, besteht keine Pflicht zur Nachrüstung.

Von Jens Heitmann

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