Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Hannovers Karstadt-Chef fordert 20 verkaufsoffene Sonntage
Nachrichten Wirtschaft Hannovers Karstadt-Chef fordert 20 verkaufsoffene Sonntage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 31.08.2017
Der hannoversche Karstadt-Filialchef Rolf Lay. Quelle: HAZ

Herr Lay, arbeiten Sie gerne sonntags?

Ich arbeite gerne. Auch sonntags.

Und was sagt Ihre Familie dazu?

Meine Frau arbeitet selbst im Handel, aber nicht nur deshalb ist das Verständnis da.

An wie vielen Sonntagen würden Sie Ihre Filiale denn gerne öffnen?

Ich bin dafür, dass die Politik den Händlern diese Entscheidung freistellt. Wir würden dann gemeinsam sinnvolle Termine heraussuchen. Das sind ja nicht 52 im Jahr. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, in Hannover wären zwischen zehn und 20 sinnvoll. Eine Sonntagsöffnung muss zum Standort passen und auch aus kaufmännischer Sicht sinnvoll sein. Zum Beispiel gab es im Juli einen Termin, den der Handel nicht wahrgenommen hat, weil er sich wegen der Ferien und der Jahreszeit nicht gerechnet hätte.

Streit um verkaufsoffene Sonntage in Hannover

Braucht Hannover verkaufsoffene Sonntage - und wenn ja, wie viele? Um diese Fragen wird seit Langem gestritten. Jetzt sorgt Hannovers Karstadt-Chef mit einer neuen Forderung für Wirbel: er will bis zu 20 verkaufsoffene Sonntage pro Jahr einführen. Die Gewerkschaft Verdi schlägt Alarm.

Was bringen Ihnen die Sonntage in Euro und Cent?

Wenn man die richtigen aussucht, sind sie ausgesprochen wichtig. Pro Stunde gerechnet liegen die Umsätze auf dem Niveau des Sonnabends. Und die anderen Tage leiden nicht. Wichtig ist aber auch, dass wir so die Innenstadt beleben und stärken.

Bei mehr offenen Sonntagen wären die einzelnen Termine allerdings nicht mehr so wertvoll, oder?

Daran glaube ich nicht. Das zeigt die Erfahrung aus anderen Städten mit mehr offenen Sonntagen.

Umsatz ist nicht alles: Laut Grundgesetz dient der Sonntag „der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“.

Das muss keine Einschränkung auf vier oder fünf offene Sonntage bedeuten. In Berlin sind es zehn, in Nordrhein-Westfalen acht. Es gibt also in Niedersachsen noch Spielraum. Die Gewohnheiten der Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Sonntags kaufen die Menschen nicht, um sich zu versorgen, sondern weil es Spaß macht. Wir wünschen uns einen offenen Diskurs ohne Totschlagargumente. Das Grundgesetz wurde übrigens auch schon öfters geändert.

Für Ihre Angestellten wäre es allerdings kein Spaß, sondern Arbeit.

Wir haben keine Mühe, unsere Mitarbeiter auf freiwilliger Basis zu bewegen. Natürlich ist der Zuschlag ein Motivationsfaktor: Sie erhalten sonntags 100 Prozent und feiertags 150 Prozent mehr Lohn oder Freizeitausgleich.

Zur Person: Das ist Rolf Lay

Rolf Lay leitet die Karstadt-Filiale in der Georgstraße in Hannover seit April diesen Jahres. Er arbeitet  schon seit mehr als 40 Jahren für die Warenhauskette. Seit 1992 leitete er mehrere Filialen, unter anderem in Berlin und Magdeburg. Er stammt aus Braunschweig, ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein Büro liegt nur ein paar Schritte hinter der Verkaufsfläche im vierten Stock. An seiner Pinnwand hängen keine Umsatzzahlen – sondern Zeitungsartikel zur Diskussion über die Sonntagsöffnung.

Dürfen die Mitarbeiter bei der Entscheidung über eine Sonntagsöffnung mitreden?

Ja, der Betriebsrat redet mit. Und es geht uns langfristig gesehen ja um die Wahlfreiheit: Wir wollen, dass Mitarbeiter, Kunden und Händler ohne Bevormundung frei entscheiden können, ob sie sonntags arbeiten, einkaufen oder öffnen wollen.

Die Landesregierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der vier offene Sonntage in der Innenstadt vorsieht, die mit einem „angemessenen Anlass“ verknüpft sein müssen. Was halten Sie davon?

Im Moment sind vier Termine möglich, wir haben aber keine Rechtssicherheit. Wir müssen stets zittern, ob sie Bestand haben, wenn Verdi klagt. Vier sichere Termine wären ein Fortschritt, aber mehr Termine wären natürlich besser.

Sie beklagen eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber dem Online-Handel. Allerdings können Kunden sonntags durchaus auch bei Karstadt online bestellen.

Als Unternehmen konkurrieren wir mit dem reinen Online-Handel. Hier brauchen wir Chancengleichheit. Wir wollen, dass jeder selbst entscheiden darf, wo er kauft. Viele Kunden möchten sich zum Beispiel im stationären Handel beraten lassen, bevor sie kaufen. Oder man schaut sich im Internet etwas an und kauft es dann stationär.

Man könnte den Spieß umdrehen und Online-Händlern die Sonntagsarbeit verbieten. Zumindest haben das die niedersächsischen Grünen angedacht.

Wir sind Dienstleister, wir können doch einen Kundenwunsch nicht ignorieren. Außerdem könnte man solche Regeln leicht mit Distributionszentren im Ausland umgehen.

Was tun Sie denn – außer Ihrer Sonntags-Kampagne – um gegen den Online-Handel zu bestehen?

Schauen Sie sich mal unseren Prospekt an. Darin ist eine Seite mit besonderen Online-Angeboten. Heute Morgen sagte mir ein Kunde, er habe gerne dieses Kissen – er hat aber keinen Internet-Anschluss. Wir haben es ihm hier bestellt, er holt es sich hier ab. Das ist eine gelungene Synthese zwischen Online-Handel und stationärem Handel.

Amazon und Co. liefern in Hannover nicht am selben Tag. Wie ist das bei Ihnen? Kann ich online sehen, welche Pfannen Sie hier vorrätig haben? Und die Pfanne dann innerhalb von zwei Stunden abholen?

Unsere Kunden können die Verfügbarkeit online prüfen und sich den Artikel dann telefonisch hier in der Filiale zurücklegen lassen.

Wollen Sie mir die Pfanne künftig auch innerhalb einer Stunde nach Hause liefern, wie es Rossmann gemeinsam mit Amazon in Berlin macht?

Die Frage ist, ob sich das für unseren Standort hier in Hannover rechnet. Aber man sollte niemals nie sagen.

Interview: Christian Wölbert

„Den Diesel wird es noch viele, viele Jahre geben, genauso wie den Verbrennungsmotor“ – das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Verbrauchern versichert. Im ZDF-Sommerinterview sprach sie mit Bettina Schausten unter anderem über Perspektiven der Automobilindustrie.

27.08.2017

Vor sechs Jahren verkaufte Niki Lauda seine Airline FlyNiki an Air Berlin. Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft will der einstige Formel-1-Star sein ehemaliges Unternehmen wieder übernehmen.

27.08.2017

Die Stromerzeugung in der Nordsee kommt planmäßig mehr und mehr auf Touren. Mit dem Bau immer neuer Windparks steigt auch der Beitrag des Nordsee-Stroms zur deutschen Versorgung.

27.08.2017