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Wirtschaft Gewinn schützt nicht vor Verkauf
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00:16 02.06.2017
Von Albrecht Scheuermann
„Alles steht auf dem Prüfstand“: Die Nord/LB erzielt wieder bessere Ergebnisse, könnte sich aber von Geschäftsbereichen trennen.
Hannover

Damit würde sich die Nord/LB von einer Tochter trennen, die bisher als wichtiger Bestandteil des Konzerns gilt. Die Nord/LB wollte die Verkaufspläne gestern nicht bestätigen - aber auch nicht dementieren. Alles stehe „auf dem Prüfstand“. Es würden auch „Veräußerungen in Erwägung gezogen“.

Die Deutsche Hypo gehört erst seit 2008 der Norddeutschen Landesbank. Die Nord/LB hatte das Institut für fast eine halbe Milliarde Euro von einer Investorengruppe übernommen und zum Kompetenzzentrum für die gewerbliche Immobilienfinanzierung im Konzern ausgebaut. Die Deutsche Hypo ist also für alle großen Immobilienfinanzierungen zuständig und für die Landesbank sehr profitabel. Vergangenes Jahr lieferte sie einen Gewinn von 115 Millionen Euro bei der Mutter ab. Sie beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Ein Großteil von ihnen arbeitet in der neuen Firmenzentrale an der Osterstraße in Hannover.

Der nun offenbar erwogene Verkauf dieser Bank macht auch die Landespolitiker hellhörig. Die Lage der Nord/LB sei offenbar viel schlechter als bisher verkündet - so die Befürchtung. „Anders lässt sich der möglicherweise angedachte Verkauf einer profitablen Tochtergesellschaft (...) nicht erklären“, meinte der finanzpolitische Sprecher der FDP im Niedersächsischen Landtag, Christian Grascha - und stellte einen Zusammenhang mit der Übernahme der Bremer Landesbank her. Diese sei „vollkommen überteuert und politisch motiviert“ gewesen. Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) müsse zu etwaigen Verkaufsplänen gegenüber dem Ausschuss für Haushalt und Finanzen Rede und Antwort stehen, forderte der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Reinhold Hilbers.

Die gewerbliche Immobilienfinanzierung - also die Finanzierung von Bürogebäuden, Einkaufszentren oder Altenheimen - ist eines von sieben Geschäftsfeldern der Nord/LB und war 2016 zweitgrößter Ertragbringer nach dem Firmenkundengeschäft. Alle anderen Geschäftsbereiche trugen ebenfalls zum Gewinn bei - mit Ausnahme der Sparte Schiffsfinanzierung, deren Verlust die Überschüsse in den anderen Bereichen so weit überstieg, dass das Geldhaus das vergangene Jahr mit einem Verlust von 2 Milliarden Euro abschloss.

Die Bank hat sich zum Ziel gesetzt, die Schiffskredite in der Bilanz möglichst rasch abzubauen, zum Beispiel durch eine Veräußerung der Darlehen oder durch eine Verwertung der Schiffe. Ende des ersten Quartals waren es noch knapp 16 Milliarden Euro, etwa eine Milliarde Euro weniger als drei Monate zuvor. Da die Abschreibungen auf Schiffe geringer ausfielen als im Vorjahr, schrieb die Bank wieder einen Gewinn von 255 Millionen Euro vor Steuern. Dennoch gab sich Bankchef Bürkle gestern zurückhaltend: Die Schiffskrise stelle die Nord/LB weiter vor große Herausforderungen. „Nach wie vor können wir keine Entwarnung geben.“

Neben der Deutschen Hypo verfügt die Nord/LB über weitere Beteiligungen oder Töchter, die zum Verkauf stehen könnten, aber deutlich weniger Wert besitzen. Darunter sind die Fondsgesellschaft Nord/LB Asset Management, die Bausparkasse LBS Nord und die Öffentliche Sachversicherung Braunschweig.

Analyse

So langsam schält sich heraus, was der neue Nord/LB-Chef Thomas Bürkle vorhat, um Niedersachsens größte Bank wieder in ein sicheres Fahrwasser zu bringen. Dass er die Kosten spürbar drücken will, hatte er schon angekündigt – und ebenso, dass dies ohne einen kräftigen Personalabbau nicht zu machen ist. Nun jedoch ist die Dimension klar. Weit mehr als tausend Arbeitsplätze sollen in den nächsten Jahren wegfallen.

Es gehört nicht viel Prophetie zu der Aussage, dass der Standort Bremen am meisten Federn lassen muss. Schließlich hat sich die Nord/LB schon entschlossen, die Tochter mit ihren mehr als tausend Beschäftigten vollständig einzugliedern, und mit ihren mächtigen Verlusten aus dem Schiffskreditgeschäft hat sie wesentlich zu den Problemen des Konzerns beigetragen.

An Kostensenkung und Personalabbau führt kein Weg vorbei, das räumen auch Arbeitnehmervertreter ein. Dass die Bank nun sogar mit dem Gedanken spielt, sich von wichtigen Ertragbringern zu trennen, lässt aber aufhorchen. Mit dem Verkauf der Deutschen Hypothekenbank würde die Bank einen Teil ihres geschäftlichen Fundamentes wegsprengen.

Dies lässt zwei Erklärungen zu: Entweder rechnet die Nord/LB damit, dass sich die Lage auf den Immobilienmärkten in Zukunft stark verschlechtert. Dann könnte es sinnvoll sein, diesen Geschäftsbereich rechtzeitig loszuwerden. Oder aber die Bank steckt so tief im Schlamassel, dass sie nun in Notmaßnahmen Zuflucht suchen muss, die unter strategischen Gesichtspunkten verfehlt sind. Vielleicht jedoch hat der Vorstand sogar noch eine dritte Erklärungsvariante parat. Von Albrecht Scheuermann

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