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Wirtschaft „Warum bauen wir kein digitales Airbus?“
Nachrichten Wirtschaft „Warum bauen wir kein digitales Airbus?“
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00:18 19.01.2019
Das amerikanische Zeitalter gehe unweigerlich zu Ende, warnte Friedrich Merz. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Anwalt, Millionär, knapp gescheiterter Kandidat für den CDU-Vorsitz und Wunsch-Minister vieler Unternehmer und Manager – Friedrich Merz ist vieles. Bei seinem Auftritt in Hannover ging der 63-Jährige allerdings nicht auf innenpolitische Fragen oder seine Partei ein. Stattdessen beschränkte er sich auf seine Rolle als Transatlantiker, als Kenner der europäisch-amerikanischen Beziehungen. „Zwei Jahre Trump –Europa, was nun?“ lautete der Titel seines Vortrags bei einem Empfang von Ernst & Young (EY) im Sprengel-Museum am Mittwoch, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Europa müsse endlich selbstbewusster auf der Weltbühne auftreten, und dafür müsse Deutschland vor allem mit Frankreich stärker zusammenarbeiten, forderte Merz. Und lieferte gleich einen Vorschlag für ein gemeinsames Wirtschaftsprojekt, mit dem die beiden Staaten ihren Kontinent stärken könnten: „Warum bauen wir kein digitales Airbus?“, fragte er, also einen europäischen Digitalkonzern, der mit Google, Amazon, Alibaba und Co. mithalten kann.

Chinas unverhohlener Machtanspruch

Dass es Zeit für Europa ist, mutiger zu werden, begründete er mit zwei Entwicklungen: Die USA zögen sich immer weiter zurück, und dieses Vakuum werde vor allem von China gefüllt. „Die pax americana geht langsam, aber sicher zu Ende“, sagte er. China attestierte er einen „unverhohlenen Machtanspruch“. Die Volksrepublik treibe ihr globales Infrastrukturprojekt, die „Neue Seidenstraße“, schnell voran. Sie verlange dabei auch politisches Wohlverhalten von ihren Partnerländern, zum Beispiel hinsichtlich der Taiwan-Frage.

Ob an die Stelle der alten, amerikanisch geprägten Weltordnung „eine ebenso offene und freiheitliche Ordnung tritt“, sei deshalb fraglich, betonte er. „Das ist nicht dem Zufall überlassen, das hängt maßgeblich vom Gestaltungswillen unserer Gesellschaft ab.“

Auch nach Trump werde in den USA nicht wieder alles gut, warnte er. „Bitte keine Illusionen!“ Die Spaltung zwischen ländlichen Republikanern und urbanen Demokraten werde sich in den nächsten Jahren eher noch vertiefen. Das spezielle Wahlrecht führe dazu, dass in einigen Jahrzehnten eine Minderheit der Bevölkerung die Mehrheit der Senatoren wähle.

Der Süden wird dominanter in Europa

In Europa erschwere zudem der Brexit die Ausgangslage. Der Austritt Großbritanniens bringe das Machtgefüge in der Union durcheinander: Gab es bisher ein Gleichgewicht zwischen den eher sparsamen „Hartwährungsländern“ im Norden und den eher ausgabefreudigen „Weichwährungsländern“ im Süden, gewinne nun der Süden die Oberhand. „Trotzdem oder gerade deshalb müssen wir jetzt etwas auf den Weg bringen, was uns gemeinsam voranbringt“, forderte Merz.

Am Ende bekam er von den rund 350 Gästen lauteren Applaus als die anderen Redner des Abends, darunter Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) und der Maastrichter Historiker Kiran Klaus Patel. Gastgeber Christian Janze, Leiter der EY-Niederlassung in Hannover, dankte Merz für seine „brilliante Analyse“. Und im Publikum bedauerten wohl nicht wenige, dass der Transatlantiker es nicht zum CDU-Chef geschafft hat. „Schade, dass er es nicht geworden ist“, seufzte ein Gast.

Von Christian Wölbert

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