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Nachrichten Wirtschaft Fernzuganbieter Locomore bekommt neue Chance
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18:00 16.08.2017
Fahrkarten ab 9,90 Euro: Der Bahn-Konkurrent Locomore hält auch in Hannover. Quelle: Christoph Schmidt/dpa
Berlin

Neuer Partner ist dabei der Fernbus-Riese Flixbus, der die Vermarktung der Tickets übernimmt. Fahrkarten sind ab sofort ab 9,90 Euro buchbar; Teilstrecken soll es ab 5 Euro geben. Flixbus-Mitgründer Andrè Schwämmlein will mit dem Einstieg ins deutsche Bahngeschäft neue Kundengruppen erschließen. Der Schritt kommt nicht überraschend. Flixbus expandiert mit seinem Geschäftsmodell, das auf einen Online-Ticketvertrieb und schlanke Strukturen setzt, rasant. In Deutschland arbeitet der Fernbus-Anbieter auch mit den Kölner Verkehrsbetrieb KVB zusammen. In Österreich verknüpft er seit 2013 seine Linien mit der privaten Bahnfirma Westbahn. In Tschechien und der Slowakei kooperiert er schon seit 2015 mit LEO Express.

Hinter Flixbus stehen große amerikanische Fonds und auch der Großkonzern Daimler, der frühzeitig in das Unternehmen investiert hat. Seit dem Start im Jahr 2013 hat Flixbus das größte Fernbusnetz Europas aufgebaut, das inzwischen mehr als 200.000 Verbindungen pro Tag zu 1200 Zielen in 26 Ländern umfasst. Die Firma hat keine eigenen Busse und Fahrer, sondern schließt Verträge mit regionalen Busunternehmen. Sie übernimmt zentral die Netzplanung, Betriebssteuerung, Ticketvermarktung, Abwicklung und Abrechnung der Buchungen sowie die Kundenbetreuung.

Mit Flixbus bekommt die Deutsche Bahn, die bisher im Fernverkehr auf der Schiene kaum Konkurrenz hat, einen potenten Wettbewerber. Schon mit den Fernbussen hat Flixbus dem Staatskonzern und seinen ICE- und IC-Zügen viele Kunden abgejagt. In der Branche wird der Neustart der Locomore-Linie mit großem Interesse verfolgt. Fahrgast- und Verkehrsverbände begrüßen das Angebot als Alternative zur Deutschen Bahn und hoffen, dass LEO und Flixbus länger durchhalten als bisherige Fernzug-Anbieter. Locomore-Gründer Derek Ladewig war im vergangenen Dezember mit großen Plänen angetreten – doch sein mit Internet- und Crowdfunding-Kampagnen finanziertes, kapitalschwaches Berliner Start-up-Unternehmen musste nach wenigen Monaten Insolvenz anmelden.

Schon der Betriebsstart war holprig verlaufen: Es gab technische Probleme mit dem Zug. Die Nachfrage unter der Woche war flau. Der Fahrplan musste ausgedünnt werden. Am 12. Mai wurde der Betrieb eingestellt – bis dahin waren rund 70.000 Fahrgäste befördert worden. Danach suchte er Insolvenzverwalter nach neuen Investoren für die Firma und ihren Zug.

Von Thomas Wüpper

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