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Nachrichten Wirtschaft Zertifikate nähern sich Rekordhoch
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14:54 22.01.2019
Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in der Lausitz. Die Meiler setzen aber auch viel klimaschädliches Kohlendioxid frei. Quelle: dpa
Hannover

Nach einem kurzen Einbruch im Herbst steigen die Preise im Emissionsrechtehandel erneut steil an: Für den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid müssen Industriebetriebe inzwischen wieder mehr als 24 Euro zahlen – das bedeutet einen Anstieg von knapp 180 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten. „Der Trend zeigt eindeutig nach oben“, sagte Thilo Schaefer, Klimaschutzexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Die Europäische Union hat den Emissionsrechtehandel 2005 gestartet, um die im Kyoto-Protokoll festgelegten Klimaschutzziele zu erreichen. Seither müssen rund 12.000 Unternehmen in der EU für jede von ihnen ausgestoßene Tonne Kohlendioxid ein Zertifikat vorweisen. Für die Betriebe soll so ein Anreiz enstehen, in umweltfreundliche Anlagen zu investieren, statt Emissionsrechte zu erwerben.

In der Praxis funktionierte diese Idee lange nicht: Weil zunächst zu viele Zertifikate auf dem Markt waren, dümpelten die Preise auf niedrigem Niveau – auf dem Tiefpunkt im Jahr 2013 kostete eine Tonne Kohlendioxid nur 2,46 Euro je Tonne. Seit die EU ihre Klimaschutzziele im vergangenen Frühjahr deutlich forciert hat, geht es mit den Preisen hingegen steil bergauf: Von diesem Jahr an wird die Zahl der ausgegebenen Verschmutzungszertifikate schneller schrumpfen als ursprünglich geplant. Bis 2030 sollen die Emissionen von Treibhausgasen im Vergleich zu 2005 um 43 Prozent sinken.

Schon diese Ankündigung habe die Nervosität unter den Marktteilnehmern geschürt, heißt es in der Industrie – zudem sei noch nicht hinlänglich klar, wie die geplante jährliche Verknappung im Detail vonstatten gehen werde. „Eine solche Gemengelage ruft natürlich auch immer Spekulanten auf den Plan“, sagte ein Branchenkenner. Der Verweis auf Zocker muss auch herhalten, um die Unterbrechung der Preisrally im Herbst zu erklären: Vom bisherigen Höchstpreis von knapp 25 Euro je Tonne im Sommer ging es bis Mitte Oktober 2018 auf knapp 16 Euro hinab. „Die Unsicherheit ist groß – und Unsicherheit kostet immer Geld“, sagte IW-Klimaexperte Schaefer.

Vor allem die Energieversorger und die Stahlhersteller verfolgen die Entwicklung mit Sorge. Konzerne wie RWE oder Uniper haben sich zwar im Voraus mit günstigen Zertifikaten eingedeckt, aber auf mittlere Sicht könnten die steigenden Preise auch für sie zum Problem werden, heißt es beim Öko-Institut. Ältere Steinkohlekraftwerke ließen sich schon heute kaum noch rentabel betreiben – ab einem Preis von 20 Euro je Tonne Kohlendioxid stehe auch die Wirtschaftlichkeit von Braunkohlemeilern in Frage.

Während die Versorger auf sich allein gestellt sind, hoffen Stahlkonzerne wie Thyssen-Krupp oder Salzgitter auf die Hilfe der Politik. Nachdem die Branche vorgerechnet hat, dass die Verringerung der Zertifikate für sie bis 2030 Mehrkosten von insgesamt 3,5 Milliarden auslösen wird, haben die Stahl-Länder Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland an die Bundesregierung und die EU-Kommission appelliert, dieser Industrie mehr Luft zu verschaffen. Die Hersteller bräuchten „angemessene zeitliche, technische und finanzielle Handlungsspielräume", damit sie neue Technologien entwickeln könnten, bei denen weniger CO₂ anfalle.

 

Von Jens Heitmann

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