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Nachrichten Wirtschaft Negativzins trifft auch Sozialkassen
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17:20 30.07.2018
Die Europäische Zentralbank in Frankfurt verlangt von den Banken Negativzinsen für ihre Einlagen. Diese geben die Belastung weiter – auch an die Sozialkassen. Quelle: dpa
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Hannover

Wegen der guten Wirtschaftslage sind die Sozialkassen in Deutschland derzeit prall gefüllt – doch das hat einen unangenehmen Nebeneffekt: Als Folge der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank müssen die Sozialversicherer für ihre Guthaben bei den Banken zunehmend Negativzinsen bezahlen. So rutschte bei der Deutschen Rentenversicherung 2017 das Zinsergebnis mit knapp 50 Millionen Euro erstmals in den negativen Bereich, wie eine Sprecherin am Montag bestätigte. Schuld daran ist der Strafzins von minus 0,4 Prozent, den die Europäische Zentralbank den Kreditinstituten in der Euro-Zone für ihre täglich fälligen Einlagen abzwackt. Die Banken reichen diese Belastung zumindest an große Kunden mit viel Geld auf dem Konto weiter – wie zum Beispiel öffentliche und private Versicherer.

Auch die Krankenkassen bekommen dies zu spüren. So sind bei den AOK-Kassen nach Angaben ihres Bundesverbandes im ersten Halbjahr schon 6 Millionen Euro an Negativzinsen angefallen. Allerdings bleibt insgesamt noch ein Überschuss, betonte am Montag die AOK Niedersachsen. „Unvermeidbare Negativzinsen insbesondere der Giro-Konten gleichen wir durch langfristigere Geldanlagen aus, bei denen durchaus eine Positivverzinsung möglich ist“, erklärte Jürgen Peter, Chef der AOK Niedersachsen. Diese habe so im vergangenen Jahr noch einen Ertrag von 6,3 Millionen Euro verbucht. „Für dieses Jahr erwarten wir noch rund vier Millionen Euro im Plus.“ Auch die KKH Kaufmännische Krankenkasse in Hannover erreichte nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr „insgesamt trotz der schwierigen Situation am Zinsmarkt ein leichtes Finanzplus“.

Andere öffentliche Kassen leiden ebenfalls unter der Zinspolitik. „Die Landeshauptstadt Hannover hat in 2017 und 2018 jeweils niedrige vierstellige Beträge auf Guthaben bei Kreditinstituten gezahlt“, teilte ein Sprecher mit. Das Land Niedersachsen ist ebenfalls von den Zinsen für Bankeinlagen betroffen. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben einer Sprecherin insgesamt 8,6 Millionen Euro fällig.

Gleichwohl ist bei Bund, Ländern und Gemeinden die Gesamtbilanz der EZB-Zinspolitik äußerst positiv. Da sie allesamt viel mehr Schulden als Einlagen haben, ist ihr Vorteil durch die extrem niedrigen Kreditzinsen weit größer als die Belastung durch Negativzinsen auf Guthaben.

Anders sieht dies bei den Stiftungen aus, die das Geld von Stiftern und Spendern möglichst ertragreich anlegen müssen. Auch sie sind teilweise von Negativzinsen betroffen. Zum Beispiel ging es bei der Stiftung Weltbevölkerung in Hannover im vergangenen Jahr nach Angaben einer Sprecherin um einen „niedrigen vierstelligen Betrag“. Viel härter trifft die Stiftungen jedoch der allgemeine Renditerückgang für alle sicheren Geldanlagen.

Für zahlreiche Unternehmen ist das Thema Negativzinsen ein alter Hut. Schließlich haben sich die meisten Banken schon vor Jahren entschlossen, für Einlagen von sogenannten institutionellen Investoren Geld zu verlangen. Zum Beispiel musste Deutschlands drittgrößter Versicherungskonzern, die Talanx AG in Hannover, für ihre Guthaben im vergangenen Jahr einen „kleinen einstelligen Millionenbetrag“ an die Banken überweisen.

Von Albrecht Scheuermann und Jens Heitmann

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