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Wirtschaft Die Ernährungsindustrie steht vor mageren Jahren
Nachrichten Wirtschaft Die Ernährungsindustrie steht vor mageren Jahren
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17:23 15.01.2019
Schweinestall auf dem Gelände Landwirtschaftlichen Bildungszentrums im Landkreis Lüneburg: Der Fleischkonsum in Deutschland sinkt weiter. Quelle: dpa
Hannover

Schlachthof-Skandale, die große Dürre und sinkende Preise auf den Weltmärkten: Das vergangene Jahr war für die deutsche Ernährungsindustrie kein gutes. Die wirklich harten Zeiten stehen aber erst noch bevor, glaubt Christian Janze: „Die Position der Branche wird schwieriger“, sagt der Agrarexperte der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY), und zählt ein halbes Dutzend Herausforderungen auf: Die Deutschen essen immer weniger Fleisch, die Anforderungen an das Tierwohl steigen, der internationale Wettbewerb wird schärfer. Obendrein drohen der Brexit, Tierseuchen und eine weitere Dürre.

Der Agrarökonom und Leiter der EY-Niederlassung Hannover durchleuchtet das „Agribusiness“ seit Langem gemeinsam mit Forschern der Georg-August-Universität Göttingen. Jedes Jahr im Januar veröffentlichen die Beratungsfirma und die Hochschule eine gemeinsame Studie zur Lage der Branche, zu der die Produzenten von Lebensmitteln wie Milch und Fleisch gehören, aber auch die Hersteller von Saatgut, Pflanzenschutzmitteln und Landmaschinen.

Ein Viertel wird exportiert

Für die Fleischbranche werde vor allem der Spagat zwischen Heimatmarkt und Export schwieriger, betont Janze. In Deutschland verlange die Gesellschaft mehr Tier- und Umweltschutz, international nehme aber der Wettbewerbsdruck zu – zum Beispiel durch Anbieter aus Südamerika. Einfach auf den Export zu verzichten, sei für die Deutschen keine Option, sagt der Unternehmensberater: „Es sei denn, man akzeptiert deutliche Rückgänge bei der Beschäftigung“. Immerhin ein Viertel ihrer Umsätze macht die deutsche Fleischwirtschaft laut der Studie mit dem Export.

Auch die Göttinger Forscher machen sich Gedanken um die Zukunft der Branche, die besonders in Niedersachsen viele Menschen beschäftigt. Der Trend gehe dazu, weniger Fleisch zu essen, vor allem weniger Schweinefleisch, sagt die Ernährungsexpertin Ramona Weinrich. „Nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern.“ 2018 sank der Umsatz der Fleischwirtschaft laut der Studie um vier Prozent, und die Aussichten sind nicht rosig.

Die Wissenschaftler arbeiten an Innovationen, mit denen die Branche auf die steigenden Erwartungen der Konsumenten reagieren kann. Weinrich berichtet von ihren Versuchen, aus Insekten und Algen eiweißreiches Schweinefutter herzustellen – als Alternative zum heute oft eingesetzten Gensoja, das Verbraucher vielleicht eines Tages nicht mehr akzeptieren. Weinrichs Kollegin Carolin Winkel arbeitet an einem „Schweinestall der Zukunft“, der tierfreundliche Haltung mit wettbewerbsfähigen Kosten verbinden soll.

Auch für die Milchbranche wird der Spagat wohl schwieriger. Janze verweist auf das relativ teure deutsche Futter und verbesserte Haltungsbedingungen für Milchkühe. „Für 2019 ist daher kaum mit einer Ausweitung des Exports zu rechnen.“ Zuhause gibt es ebenfalls Probleme: Beflügelt durch hohe Preise stieg die Produktionsmenge, deshalb sackte der Milchpreis in den vergangenen Monaten wieder ab – der „typische Milchzyklus“, sagt Janze.

Angst vor der Schweinepest

Die Umsätze der gesamten Ernährungsindustrie – inklusive Fleisch, Milch, Fisch, Obst, Gemüse, Backwaren und weiteren Produkten – sanken laut der Studie 2018 um knapp ein Prozent auf 178 Milliarden Euro. Dabei spielten auch die Ernteausfälle in Folge der Dürre eine Rolle, erklären die Forscher.

Das laufende Jahr könnte aber noch viel schwieriger werden. EY-Berater Janze verweist auf drei Risiken: Ein weiteres Dürrejahr wäre für viele Bauern und ihre Abnehmer verheerend, ein harter Brexit mit Staus an den Grenzen Großbritanniens könnte die Exportumsätze einbrechen lassen, und auch die Afrikanische Schweinepest verunsichere die Branche. Der Erreger wurde schon in Polen, Tschechien und Belgien nachgewiesen. Ein großer Ausbruch in Deutschland würde die Wertschöpfungskette kollabieren lassen, warnt Janze.

Von Christian Wölbert

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