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01:47 09.03.2018
Das Versandgeschäft boomt: Bestellungen im Ausland werden jedoch oft sehr teuer, weil die Paketgebühren besonders hoch sind. Quelle: dpa
Brüssel

Wer gerne online einkauft, kennt das Problem: Beim Versand innerhalb der EU machen teilweise horrende Gebühren für Pakete oder Päckchen jeden Preisvorteil beim grenzüberschreitenden Shoppen zunichte. Das Europäische Parlament wird in der nächsten Woche Maßnahmen beschließen, die die Kosten drastisch senken sollen – ein Vorteil für den Verbraucher. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wo sind die Preisunterschiede von Paketen und Päckchen besonders eklatant?

Wer beispielsweise ein Paket von Belgien nach Italien versendet, zahlt bis zu 33 Euro an Gebühren. Die britische Post nimmt dafür nur 20 Euro, die deutsche DHL verlangt gerade mal 17 Euro. Ein Franzose zahlt für das gleiche Paket nur 12 Euro. Auch ein anderes Beispiel wird bei der EU immer wieder zitiert: Ein Päckchen von Brüssel nach Aachen kostet 16 Euro, während ein Paket von München nach Berlin für lediglich 4,99 Euro transportiert wird. Solche Preisdifferenzen, heißt es in Brüssel, sind nicht nachvollziehbar und behindern Geschäfte auf dem Binnenmarkt.

Wie kommen die Unterschiede zustande?

Alle nationalen Postgesellschaften haben ihre eigenen Gebührenordnungen, berechnen Sonderleistungen wie beispielsweise eine Versicherung gegen den Verlust der Sendung anders.

Ist so etwas wie ein europäischer Postmarkt geplant?

Im ersten Schritt noch nicht. Wenn das Parlament die neue Verordnung billigt (und daran gibt es keine Zweifel), sollen Versender mit mehr als 50 Mitarbeitern zunächst einmal gezwungen werden, die Tarife transparent zu machen, die Privatkunden und Kleinunternehmen besonders häufig in Anspruch nehmen. Alle Angaben werden nach dem Willen von EU-Kommission und Parlament ab 2019 auf einer Webseite übersichtlich aufgelistet und vergleichbar gemacht. Die Regie für diese Aktion sollen die nationalen Regulierungsbehörden übernehmen. Sie sollen prüfen, ob die Gebühren für Päckchen und Pakete verhältnismäßig sind – ein Vorgehen, das bei Postsendungen wie Briefen und Karten bereits praktiziert wird. Das Ziel besteht darin, dass der Verbraucher schnell nachsehen kann, ob es sich für ihn lohnt, ein vermeintlich billiges Angebot, beispielsweise eine Kaffeemaschine aus Italien oder einen Fernseher aus Frankreich, zu bestellen, wenn die Paketkosten dazukommen.

Warum sollte das helfen?

„Naming and blaming“ nennen die Experten dieses Prinzip: Nennen und öffentlich machen („blamieren“): Preistreiber werden so leichter erkennbar und würden durch den Druck des Marktes gezwungen, ihre Gebühren zu senken. Man verspricht sich also so etwas wie eine disziplinierende Wirkung.

Aber es gibt doch in einigen Mitgliedsstaaten nach wie vor Monopole auf dem Postmarkt, die auch politisch gewollt sind?

Das ist richtig, aber auch hier setzt Brüssel auf den Druck des Marktes. Denn der grenzüberschreitende Online-Handel ist keineswegs so verbreitet wie oft behauptet wird. Nach Angaben der EU-Kommission bestellten 2013 zwar 44 Prozent der Kunden Waren bei Händlern aus dem eigenen Land, aber nur 15 Prozent nahmen auch Angebote aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat an. Da sei noch Luft nach oben, heißt es. Niedrigere Paket- und Päckchengebühren könnten helfen.

Sollten die Logistiker nicht auch ihren Service deutlich verbessern?

Das ist eine weitere Erwartung, die Brüssel an eine Reform des Postmarktes hat. Zwar bieten einige Versandunternehmen bereits Informationen über den Versandweg, den aktuellen Aufenthaltsort des Paketes und die zu erwartende Zustellzeit an – nicht selten auch mit der Möglichkeit, diesen an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Doch Experten schätzen, dass über 30 Prozent dieser Angaben verloren gehen, weil beispielsweise das eine Postunternehmen das Päckchen mit einem Strichcode versieht, der von dem Unternehmen im nächsten Mitgliedsstaat überklebt wird. Der Vorschlag der EU enthält deshalb auch die Idee eines „harmonisierten Labels“, das überall gleich aussieht und dieselben Informationen enthält – zum Vorteil für den Empfänger.

Von Detlef Drewes/RND

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