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Mini-Kraftwerke

VW und Lichtblick stellen das „Zuhause-Kraftwerk“ vor

Der Stromanbieter Lichtblick und der Autobauer VW stellten am Mittwoch in Salzgitter das „Zuhause-Kraftwerk“ vor. Bestückt mit Gasmotoren von VW, sollen die kleinen Blockheizkraftwerke Einfamilienhäuser mit Strom und Wärme versorgen und außerdem überschüssigen Strom ins allgemeine Netz liefern.
Das Kraftwerksaggregat tut sonst im Touran seinen Dienst.

Das Kraftwerksaggregat tut sonst im Touran seinen Dienst.

© ddp

Für den Stromanbieter Lichtblick ist es die „Revolution“ des Strommarktes, für VW vorerst ein kleines Randgeschäft. Beide stellten am Mittwoch in Salzgitter das „Zuhause-Kraftwerk“ vor. Bestückt mit Gasmotoren von VW, sollen die kleinen Blockheizkraftwerke Einfamilienhäuser mit Strom und Wärme versorgen und außerdem überschüssigen Strom ins allgemeine Netz liefern. 100.000 dieser Mini-Kraftwerke will Lichtblick allein in Deutschland verkaufen. Starten soll das Projekt im nächsten Frühjahr in Hamburg, wo Lichtblick seinen Sitz hat.

Der entscheidende Unterschied zu den verfügbaren Blockheizkraftwerken ist die Vernetzung der Anlagen. Bei Bedarf können die kleinen Anlagen ihre Leistung koordiniert ans Netz abgeben und nach der Lichtblick-Rechnung zwei Atomkraftwerke ersetzen. 100.000 Anlagen hätten eine Leistung von 2000 Megawatt, die innerhalb von einer Minute abgerufen werden könne. Damit ließe sich das Problem der Schwankungen bei regenerativen Energien lösen. Weil Sonne und Wind den Strom nicht gleichmäßig liefern, müssen im Hintergrund Großkraftwerke für die sogenannte Grundlast mitlaufen – sie wären dann überflüssig. „Wir schlagen ein neues Kapitel der intelligenten Energieversorgung auf“, sagte Lichtblick-Chef Christian Friege.

Damit die zentrale Steuerung funktioniert, bleibt das vor elf Jahren gegründete Unternehmen Eigentümer der Anlage. Ein Hausbesitzer bekommt die „EcoBlue“ getauften Geräte für eine einmalige Leihgebühr von 5000 Euro in den Keller gestellt. Er spart sich die Anschaffungskosten für eine vergleichbare Heizung, die zwei- bis dreimal höher sind. Außerdem hat er keine Einbau-, Wartungs- und Reparaturkosten. Der Kunde bezahlt neben dem Grundpreis für den Gasanschluss von 20 Euro ausschließlich die von ihm verbrauchte Wärme auf Grundlage des vom Statistischen Bundesamt ermittelten Gaspreisindex. Zudem erhält der Verbraucher 5 Euro Monatsmiete von Lichtblick für den Heizungsraum und 0,5 Cent Bonus für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde Strom.

Lichtblick wiederum speist mit der Anlage immer dann Strom ins öffentliche Netz, wenn der Bedarf und der Preis dafür hoch sind. Dazu vernetzt es jeweils Tausende Anlagen per Funk oder Internet zu einem unsichtbaren Großkraftwerk: „Man muss sich die Zuhause-Kraftwerke wie einen Fischschwarm vorstellen: Viele kleine Einheiten bilden eine große, leistungsfähige Gemeinschaft, die Schwarm-Strom erzeugt“, sagte Friege.

Die Anlagen wird das VW-Motorenwerk in Salzgitter liefern, sie wurden bereits zu Jahresbeginn auf Fachmessen präsentiert. Im Innern arbeitet ein auf Erdgasbetrieb umgerüsteter Dieselmotor mit zwei Litern Hubraum. Er liefert einen deutlich höheren Wirkungsgrad als konventionelle Großkraftwerke.

Das Projekt beweise die technische Kompetenz der Volkswagen-Ingenieure, sagte Werner Neubauer, im VW-Markenvorstand für den Komponentenbereich verantwortlich. „Gleichzeitig sichern wir damit nachhaltig Arbeitsplätze.“ In Salzgitter werden 160 Mitarbeiter mit dem Projekt beschäftigt sein, wie es weiter hieß. Insgesamt arbeiten in dem Werk mehr als 7000 Menschen, die rund ein Viertel der im Volkswagen-Konzern benötigten Motoren herstellen – jährlich also etwa 1,5 Millionen Stück.

von Stefan Winter und Jürgen Oeder / afp


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